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Lessons Learnt

Das BIBB berät seit 1994 andere Länder bei der Reform ihrer Berufsbildungssysteme. Die Erkenntnisse und Erfahrungen der langjährigen Beratungsarbeit fließen als Lessons Learnt in die Gestaltung zukünftiger internationaler Kooperationen ein.

Das BIBB berät bereits seit 1994 andere Länder bei der Reform ihrer Berufsbildungssysteme. Die fundierte Expertise des BIBB und die über 20jährige internationale Beratungserfahrung fließen in die Zusammenarbeit mit den Institutionen ein. Die in der Beratung gewonnenen Erkenntnisse werden kontinuierlich aufgearbeitet. Sie fließen als Lessons Learnt in die Gestaltung der Beratungsarbeit mit ein. Insbesondere folgende Erkenntnisse sind für eine erfolgreiche Zusammenarbeit wichtig:

Vertrauen, Bedarfsermittlung und Verständigung auf gemeinsame Ziele benötigen Zeit!

In der ersten Phase der Systemberatung steht der Aufbau von Vertrauen zwischen den Partnern im Vordergrund. Beide Seiten legen ihre Interessen und Erwartungen dar. Anschließend identifizieren sie Schnittmengen und entwickeln gemeinsame Ziele und Vorschläge. Die Kontaktaufnahme und -pflege zu allen relevanten Akteuren ist in dieser Phase von zentraler Bedeutung. Dabei sind gegebenenfalls bestehende Sprachbarrieren zu berücksichtigen. Für die Vertrauensbildung und gemeinsame Zieldefinition ist ausreichend Zeit einzuplanen. Eine Zielformulierung erleichtert die anschließende Bedarfsermittlung in den Ländern und bildet eine solide Grundlage für die Zusammenarbeit.

Ein gemeinsames Grundverständnis von „dualer Ausbildung“ ist notwendig!

In den meisten Ländern wird berufliche Bildung durch schulische Ausbildungssysteme vermittelt. Eine duale Berufsausbildung, wie sie in Deutschland praktiziert wird, ist dort häufig unbekannt. Daher muss das BIBB den Akteuren in den Ländern das deutsche Verständnis von dualer Ausbildung vermitteln. Insbesondere das Grundprinzip einer engen Zusammenarbeit von Staat, Wirtschaft und Sozialpartnern muss dabei verdeutlicht werden. Auf dieser Basis wird ein, auf das Land abgestimmtes, gemeinsames Verständnis von dualer Ausbildung entwickelt. Dies ist die Voraussetzung für eine zielgerichtete Beratung und Unterstützung durch das BIBB.

Eine gemeinsame Terminologie ist erforderlich!

Durch die unterschiedlichen Sprach- und Kulturräume muss auf die Verwendung einer einheitlichen Terminologie geachtet werden. So müssen beispielsweise Schlüsselbegriffe genau definiert werden, um Missverständnisse in der Kommunikation zu vermeiden. Dabei sind möglichst Begriffe zu verwenden, die in den Ländern neutral oder positiv besetzt sind.

Politische und wirtschaftliche Rahmenbedingungen beeinflussen die Zusammenarbeit!

Die Zusammenarbeit zwischen BIBB und den Ländern wird von politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen beeinflusst. Deutschlands politische und wirtschaftliche Stärke, seine herausgehobene Stellung in Europa sowie die Exportorientierung führen mancherorts zu Befürchtungen vor einer Einmischung und Vorteilsnahme. Ebenso kann die politische oder wirtschaftliche Situation in einem Land die Beratung erschweren. So kann es beispielsweise tiefgreifende Reformprozesse durchlaufen, vor innenpolitischen oder sozialen Konflikte oder einer wirtschaftlich schwierigen Situation stehen. Diesen Rahmenbedingungen ist bei der Systemberatung durch vertrauensbildende Maßnahmen Rechnung zu tragen.

Interessenskonflikte spiegeln sich in der Kooperation wider!

Die Berufsbildung ist in den Ländern sehr unterschiedlich organisiert. So können beispielsweise die Zuständigkeiten gleichzeitig auf unterschiedliche Ministerien verteilt sein. Auch besteht oftmals keine Einbindung der Sozialpartner und der Wirtschaft in den Berufsbildungsprozess. In manchen Ländern gibt es keine Gewerkschaften, die eine Rolle bei der Gestaltung der Berufsbildung übernehmen könnten.
Ebenfalls sind die Einzelinteressen der Akteure zu berücksichtigen, die vielfach befürchten, im Zuge der Reform, an Einfluss zu verlieren.
Derartige Rahmenbedingungen beeinflussen die Beratung und können den Reformprozess des Berufsbildungssystems erschweren.

Veränderungen in der Steuerung der Berufsbildungssysteme sind eine Herausforderung!

Die Reform von Berufsbildungssystemen ist nur dann erfolgreich, wenn eine Kontinuität der Arbeit sichergestellt ist. Veränderungen in der Steuerung der Berufsbildung stellen eine Herausforderung dar. Diese Veränderungen können beispielsweise durch neue Gesetzesinitiativen, Neuzuweisung von Zuständigkeiten oder Wechsel bei den politischen Ansprechpartnern hervorgerufen werden. Die möglichst frühzeitige Einbindung aller relevanten Akteure und Gruppen ist die effektivste Möglichkeit diesen Herausforderungen zu begegnen. Darüber hinaus ist es für den Reformprozess sinnvoll, dass die Länder feste Ansprechpersonen benennen und diese mit den erforderlichen Zuständigkeiten und Befugnissen ausstatten.

Gesetz und gelebte Praxis weichen voneinander ab!

Bei der Reform von Berufsbildungssystemen können die gesetzliche Ausgestaltung und die gelebte Praxis voneinander abweichen. So kann es beispielsweise vorkommen, dass Sozialpartner nur formal, "auf dem Papier", in die Gestaltung von Ausbildungsordnungen und Lehrplänen einbezogen werden, ihre tatsächlichen Gestaltungsmöglichkeiten aber gering sind. Um solche Diskrepanzen sichtbar zu machen und die Beratungsleistung des BIBB auf die tatsächlichen Verhältnisse abzustimmen, bedarf es fundierter Analysen der Praxis vor Ort.

Die Vernetzung zwischen den Akteuren aus Deutschland und den Ländern ist Teil des Auftrags!

Reformprozesse in Berufsbildungssystemen bedürfen der Vernetzung unterschiedlicher Akteure. Dabei ist zu berücksichtigen, dass die Konstellation der Akteure in den Ländern häufig nicht der in Deutschland entspricht. Daher sind die jeweils relevanten Akteure eines Landes zu ermitteln und in die Kooperation mit einzubeziehen.

Die Vielfalt von deutschen Initiativen führt zu Missverständnissen in den Ländern

Verschiedene deutsche Akteure sind in den Ländern zum Thema Berufsbildung aktiv. Hierzu zählen beispielsweise das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF,) das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS), das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB), die Deutschen Auslandshandelskammern (AHK). Dies führt im Rahmen der Systemberatung in den Ländern bisweilen zu Unklarheiten über Zuständigkeiten, Zielstellungen und Interessen der unterschiedlichen deutschen Akteure. Die im September 2013 eingerichtete Zentralstelle für internationale Berufsbildungskooperation (GOVET - German Office for International Cooperation in Vocational Education and Training ) stellt sicher, dass das Handeln der deutschen Akteure transparent und abgestimmt ist. (mit GOVET-Seite verlinken)

Fazit

Die bisherigen Erfahrungen zeigen, dass neben den Rahmenbedingungen eine Vielzahl an Instrumenten für eine zielführende Systemberatung benötigt wird. Insbesondere sollte auf eine klare Trennung von Arbeitsebene und Steuerungsebene geachtet werden. Folgende Instrumente werden derzeit in der Systemberatung genutzt.