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Bedeutung evidenzbasierter Bildungsberichterstattung nimmt zu

Wie wichtig eine evidenzbasierte Bildungsberichterstattung für die Politik ist, wo es aber auch noch Probleme zu lösen und Datenlücken zu schließen gilt, machte eine gemeinsame Fachtagung von BIBB und DIPF in Bonn deutlich.

In seinen einleitenden Worten würdigte Prof. Dr. Reinhold Weiß, stellvertretender Präsident und Forschungsdirektor des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB), die hohe Bedeutung, die der Indikatorenberichterstattung in der Berufsbildung inzwischen zukommt. „Die Politik will Entscheidungen auf Grundlage einer guten Datenbasis treffen. Hierfür ist eine evidenzbasierte Bildungsberichterstattung zwingende Voraussetzung“, betonte der BIBB-Forschungsdirektor. Dabei müsse die Wissenschaft auch das systemimmanente Spannungsverhältnis mit der Politik aushalten, denn diese benötige aufgrund des politischen Handlungsdrucks immer schnell Daten, während die Wissenschaft Zeit brauche, um Daten seriös und valide zu erheben.

Rund 130 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Wissenschaft, Politik und Praxis hatten sich Ende April auf einer gemeinsamen Fachtagung des BIBB und des Deutschen Instituts für Internationale Pädagogische Forschung (DIPF) in Bonn eingefunden, um unter dem Blickwinkel unterschiedlicher konzeptioneller Grundideen in Plenardiskussionen und drei parallelen Workshops den aktuellen Stand und die Entwicklungsperspektiven für eine indikatorengestützte (Berufs-)Bildungsberichterstattung zu diskutieren. Dabei standen insbesondere die Aussagekraft und Belastbarkeit zentraler Indikatoren in der Bildungsberichterstattung und mögliche Schlussfolgerungen für die Politikberatung im Mittelpunkt der Diskussionen.

Nach Aussage von Prof. Weiß hat die empirische Bildungsforschung in den vergangenen Jahren deutliche Fortschritte gemacht. „Wesentlich dazu beigetragen hat die Förderung durch den Bund. Damit wurden zugleich Grundlagen einer regelmäßigen und indikatorengestützten Bildungsberichterstattung geschaffen.“ Das BIBB, so Prof. Weiß, trage mit seinen Untersuchungen und Veröffentlichungen maßgeblich zu einer regelmäßigen, wissenschaftlich fundierten Berichterstattung bei. So liefere der Datenreport zum Berufsbildungsbericht eine indikatorengestützte Information über Strukturen und Entwicklungen in der beruflichen Bildung. „Wichtige Bausteine sind die Statistik der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge, die in den Berufsbildungsbericht der Bundesregierung einfließt, und die integrierte Ausbildungsstatistik, mit der die Übergänge aus den Schulen in die Berufsbildung und den Hochschulbereich abgebildet werden.“

„Die Politik will Entscheidungen auf Grundlage einer guten Datenbasis treffen. Hierfür ist eine evidenzbasierte Bildungsberichterstattung zwingende Voraussetzung“

(Prof. Dr. Reinhold Weiß)

Ungeachtet der in den letzten Jahren erzielten Fortschritte hat die Veranstaltung für Prof. Weiß aber auch Felder identifiziert, in denen eine verbesserte Indikatorik oder vertiefende Analysen wünschenswert sind. „Dies betrifft vor allem das Feld der beruflichen Weiterbildung, die Qualität der Aus- und Weiterbildung, informelle Lernprozesse sowie generell den internationalen Vergleich von Indikatoren und Kennzahlen.“ Instrumentell wäre es ein großer Fortschritt für die Bildungsforschung, wenn Bildungsverläufe und Übergänge aufgrund von Individualdaten untersucht werden könnten.

Für Prof. Dr. Kai Maaz, Direktor am Deutschen Institut für Internationale Pädagogische Forschung (DIPF) in Frankfurt, war die Öffnung hin zu anderen Bildungsberichtssystemen, insbesondere der nationalen Bildungsberichtserstattung, ein besonders gewinnbringender Effekt der gemeinsamen Tagung. Dabei seien bewährte Gemeinsamkeiten des Berufsbildungsberichts und des Nationalen Bildungsberichts gleichermaßen herausgearbeitet worden, wie die je spezifischen, aber auch gemeinsamen Herausforderungen, vor denen beide Berichtssysteme künftig stehen werden. „Nur durch die gemeinsame Betrachtung und Analyse ist es möglich, unterschiedliche Bildungsberichte miteinander zu synchronisieren und zu harmonisieren, um so einen Mehrwert für den Nutzer generieren zu können“, betonte Prof. Maaz.

Er wies aber auch darauf hin, wie unbefriedigend die Datenbasis in vielen Bereichen noch ist. „Diese Datenlücken zu schließen, wird eine Herausforderung aller Beteiligten sein.“ Wichtig war Prof. Maaz in diesem Zusammenhang der Hinweis, dass der Anspruch an einen Bildungsbericht klar definiert sein müsse und dementsprechend Daten auch zur Verfügung gestellt werden müssten. „Mit Blick auf die internationale Perspektive hat die gemeinsame Tagung deutlich gemacht, wie wichtig die internationale Vergleichbarkeit von ausgewählten Indikatoren ist.“ Dies treffe insbesondere auf die deutschsprachigen Länder zu, weil deren Bildungssysteme gemeinhin als sehr ähnlich wahrgenommen würden, so Prof. Maaz abschließend.

„Mit Blick auf die internationale Perspektive hat die gemeinsame Tagung deutlich gemacht, wie wichtig die internationale Vergleichbarkeit von ausgewählten Indikatoren ist.“

(Prof. Dr. Kai Maaz)

Präsentationen Workshop 1

Präsentationen Workshop 2

Präsentationen Workshop 3

Berufsbildungsberichterstattung in Europa: Stand und Entwicklungsperspektiven