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BIBB/TU DA-Berufsorientierungsstudie

Worum geht es?

In der BIBB/TU DA-Berufsorientierungsstudie werden zwei Berufsorientierungsangebote auf ihre Wirkungen hin untersucht:

  • der Einsatz von Ausbildungsbotschaftern/-botschafterinnen im Schulunterricht sowie
  • ein in der Entwicklung befindlicher Workshop, in dem sich Schüler/-innen mit den zum Teil unbewussten Logiken der Berufswahl vertraut machen.

Beide Angebote sind neuere Ansätze zur Berufsorientierung, die implizit oder explizit das Bedürfnis nach sozialer Anerkennung in der Berufswahl berücksichtigen.

Was ist der Anlass der Studie?

Wie die Berufswahlforschung gezeigt hat, lassen sich Jugendliche bei ihrer Entscheidungsfindung für oder gegen Berufe von unterschiedlichen Motiven leiten. Einerseits wollen Jugendliche, dass ihnen der Beruf Spaß macht, und auch die sonstigen Umstände wie z.B. Arbeitszeiten, Gehalt und Aufstiegschancen sollen stimmen. Anderseits wird ihre Berufswahl – oft nicht einmal bewusst – auch vom Wunsch getrieben, mit dem gewählten Beruf soziale Anerkennung zu finden und die eigene soziale Identität zu stärken. Deshalb ist Jugendlichen nicht gleichgültig, wie ihre Freunde, ihre Familie und sonstige Dritte über die von ihnen in Betracht gezogenen Berufe denken. Rechnen sie mit negativen Reaktionen, lassen viele die Berufe lieber fallen. Damit steigt jedoch auch die Gefahr, dass sie ihre Berufe weniger entlang ihrer eigenen Interessen und Fähigkeiten wählen als entlang von ungeprüften Klischeevorstellungen und Urteilen Dritter.

Zwei neuere Ansätze zur Förderung der Berufsorientierung

Um die Bedeutung der Anerkennungsbedürfnisse von Jugendlichen in Berufsorientierungsangeboten stärker zu berücksichtigen, können verschiedene Wege beschritten werden:

  1. Einsatz von Ausbildungsbotschaftern/-botschafterinnen:
    Ein Weg besteht darin, den Jugendlichen zu Kontakten zu Auszubildenden zu verhelfen. Dies geschieht zum Beispiel durch den Einsatz von Ausbildungsbotschaftern/-botschafterinnen in Schulen. Dabei erfahren die Jugendlichen aus dem Munde Gleichaltriger, d. h. auf Augenhöhe - nicht nur, wie und was in den verschiedenen Berufen gelernt und gearbeitet wird. Vielmehr fungieren die Ausbildungsbotschafter implizit als Rollenvorbilder. Über sie erhalten die Jugendlichen einen plastischen Eindruck, mit welchen gelebten sozialen Identitäten sich die vorgestellten Ausbildungsberufe für junge Menschen verbinden können.
  2. Workshop zu den „Logiken der Berufswahl“:
    Ein anderer Weg ist, den Jugendlichen oftmals unbewusste Logiken der Berufswahl, wie die potenzielle Abhängigkeit von den Urteilen und Klischeevorstellungen Dritter, explizit bewusst zu machen. Das BIBB und die Technische Universität Darmstadt entwickeln hierzu derzeit einen Workshop, in dem unter anderem das onlinegestützte Instrument IbeA (Instrument zur Erfassung beruflicher Aspirationen) eingesetzt wird. Jugendliche sollen bei diesem Workshop auf spielerischem Wege erfahren, wie eigene berufliche Interessen und Anerkennungsbedürfnisse gegenüber Dritten bei der Berufswahl zusammenwirken. Auf diese Weise können sie bislang implizite Berufswahllogiken erkennen und bewusst reflektieren.

Was noch zu erforschen ist

Beide Berufsorientierungsangebote – Ausbildungsbotschafter und der Workshop zu den „Logiken der Berufswahl“ – sind noch relativ neu. Das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) und die Technischen Universität Darmstadt (TU DA) untersuchen die Wirkungen beider Angebote und die Bedingungen, unter denen der Nutzen beider Angebote optimiert werden kann.

Hierzu werden Schülerinnen und Schüler vor und nach dem Einsatz der jeweiligen Angebote mit Hilfe von standardisierten Fragebögen interviewt. Thema ist zum einen, wie die Jugendlichen die Besuche der Ausbildungsbotschafter/-innen bzw. den Workshop zu den Logiken der Berufswahl subjektiv erlebt haben. Zum anderen geht es darum, inwieweit sich die Berufskonzepte der Jugendlichen zugunsten einer realistischeren und klischeefreieren Wahrnehmung verändern und sich die Jugendlichen in einer reflektierten und autonomen Berufswahl gestärkt sehen.

 

Die Untersuchung ist eine gemeinsame Studie des BIBB-Forschungsprojekt 2.1.310 "Bildungsorientierungen und -entscheidungen von Jugendlichen im Kontext konkurrierender Bildungsangebote" und der Technischen Universität Darmstadt, Professur Berufspädagogik und Berufsbildungsforschung (Prof. Dr. Birgit Ziegler). Sie wird an weiterführenden Schulen, in enger Kooperation mit den zuständigen Kammern, durchgeführt.

Stand der Informationen: Juni 2020

Ausbildungswünsche konzentrieren sich auf wenige Berufe. Wie Anerkennungsbedürfnisse die Berufswahl beeinflussen und was das für die Beratungspraxis bedeutet

Stephanie Oeynhausen | Servicestelle Jugendberufsagenturen | 2021

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Ausbildungsbotschafterbesuche als Instrument der Berufsorientierung : Wege zum Beruf aufzeigen, Identifikationspotenziale erschließen

Athnanasiadi, Ermioni; Schare, Teresa; Ulrich, Joachim Gerd | 2020

Berufsbildung in Wissenschaft und Praxis : BWP; 49 (2020), H. 4; S. 40-44

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Das Bedürfnis nach sozialer Anerkennung bei der Berufswahl von Jugendlichen

Oeynhausen, Stephanie; Ulrich, Joachim Gerd | 2020

In: Brüggemann, Tim; Rahn, Sylvia (Hrsg.): Berufsorientierung : Ein Lehr- und Arbeitsbuch. - 2., überarb. und erw. Aufl. - Münster: Waxmann. - S. 97-108
ISBN Print 978-3-8252-5249-6
ISBN E-Book 978-3-8385-5249-1

Persönliche Identifikationscodes: Überlegungen im Rahmen einer Befragung von Schülerinnen und Schülern

Schratz, Rafael | 2020

BIBB-Preprint; 10 S.

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Berufliche Aspirationen Jugendlicher erfassen und reflektieren. Theoretischer Hintergrund, Merkmale und Umsetzungsmöglichkeiten am Beispiel eines Online Tools

Ziegler, Birgit; Engin, Gaby; Rotter, Elisabeth | 2020

In: Brüggemann, Tim; Rahn, Sylvia (Hrsg.): Berufsorientierung : Ein Lehr- und Arbeitsbuch. - 2. überarb. und erw. Aufl. - Münster: Waxmann. - S. 415 - 426
ISBN Print 978-3-8252-5249-6
ISBN E-Book 978-3-8385-5249-1

Warum werden Berufe nicht gewählt? Die Relevanz von Attraktions- und Aversionsfaktoren in der Berufsfindung

Matthes, Stephanie | Leverkusen: Barbara Budrich | 2019

Berichte zur beruflichen Bildung; 227 S.

ISBN: 978-3-96208-104-1

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Das Bedürfnis nach sozialer Anerkennung bei der Berufswahl von Jugendlichen

Granato, Mona; Matthes, Stephanie; Ulrich, Joachim Gerd | 2018

Datenreport zum Berufsbildungsbericht 2018; S. 440-447

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Datei zum Herunterladen

The need for social approval and the choice of gender-typed occupations

Eberhard, Verena; Matthes, Stephanie; Ulrich, Joachim Gerd | 2015

Gender segregation in vocational education / Christian Imdorf [Hrsg.] ; Kristinn Hegna [Hrsg.] ; Liza Reisel [Hrsg.]; S. 205-235

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Betriebe ohne Azubis, Jugendliche ohne Stellen. Ursachenforschung und mögliche Konsequenzen für die Berufsorientierung

Stephanie Oeynhausen | Heilbronn-Franken, 14.04.2021

(Online-)Vortrag beim Digitalen Fachnachmittag Berufsorientierung, veranstaltet von regionalen Netzwerken Schulewirtschaft in Heilbronn-Franken

Berufsorientierung unter Berücksichtigung des universellen Bedürfnisses nach Anerkennung

Sevil Mutlu; Stephanie Oeynhausen | Osnabrück, 09.09.2020

(Online-) Vortrag auf der Jahrestagung der Sektion Berufs- und Wirtschaftspädagogik (Universität Osnabrück)

Wunschberuf Eiswagenfahrer – Soziale Anerkennung und ihr Einfluss auf die Berufswahl junger Menschen

Philip Herzer | Darmstadt, 05.12.2019

 OloV Fachforum Übergang Schule-Beruf 2019 / Landkreis Darmstadt-Dieburg

Posterpräsentation Berufsorientierungsstudie - Kooperation TU Darmstadt Lehrstuhl Berufspädagogik und Bildungsforschung und BIBB Forschungsprojekt „Bildungsorientierungen und -entscheidungen von Jugendlichen“

Mona Granato; Sevil Mutlu; Birgit Ziegler; Joachim Gerd Ulrich; Rafael Schratz; Philip Herzer: | Münster, 26.11.2019

AGBFN Tagung Entwicklungen und Perspektiven in der Berufsorientierung – Stand und Herausforderungen

Warum Berufe (nicht) gewählt werden. Betriebe ohne Azubis – Jugendliche ohne Ausbildungsstellen?

Mona Granato | Saarbrücken, 22.10.2019

Veranstaltung der Handwerkskammer des Saarlandes „Für Ausbildungsberufe begeistern – Nachwuchskräfte gewinnen!