HOPA - Praxisanleitung als integrierter Ausbildungsbestandteil von Bachelorstudiengängen – Hochschulische Praxisanleitung
Im Projekt HOPA wurde ein Modulcurriculum für die hochschulische Praxisanleitung (PA) inkl. Umsetzungsmaterialien entwickelt, unter Berücksichtigung der verschiedenen Akteursperspektiven. Ergänzt wurde das Forschungsprojekt durch einen Zusatzauftrag mit der Entwicklung eines Instrumentes zur qualifizierten Leistungseinschätzung und einer Sammlung bewährter Assessments.
Hintergrund
Mit der Einführung der generalistischen Pflegeausbildung sind kompetenzorientierte praktische Abschlussprüfungen gesetzlich verankert.
Für Fachprüfende stellt es jedoch eine Herausforderung dar, die in der Pflegeberufe-Ausbildungs- und -Prüfungsverordnung (PflAPrV) beschriebenen Kompetenzen passgenau in Prüfungssituationen zu übertragen und zu bewerten. Zugleich eröffnet die Digitalisierung als zentraler gesellschaftlicher Megatrend neue Möglichkeiten, Prüfungen innovativ zu gestalten und digitale Elemente gezielt einzusetzen, um die Bewertung pflegerischer Handlungskompetenzen zu unterstützen und weiterzuentwickeln.
Forschung & Vorgehen
► Design Based Research
- Systematische Literaturanalyse
- Qualitative Interviews
- Quantitative Online-Befragung
- Dokumentenanalyse (u.a. Modulhandbücher)
- ExpertInnen-Workshops und Fokusgruppen
Forschungsergebnisse im Überblick:
In Deutschland fehlen einheitliche Regelungen zu hochschulischen Zusatzqualifikationen für die Qualifikation als Praxisanleitende. Es bestehen große Unterschiede bei Umfang, Inhalten und Kompetenzniveaus. Studien zeigen Qualifikationslücken u. a. in hochschuldidaktischen Fähigkeiten, Reflexionsfähigkeit, Integration der Studierenden und der Umsetzung einer wissenschaftsbasierten Pflegepraxis. Praxisanleitende benötigen mehr Wissen, Unterstützung und Anerkennung im Umgang mit Studierenden.
Für die Curriculum Entwicklung wurden fünf Module auch auf Basis der Prinzipien des § 53 PflBG entwickelt- Die Module beinhalten Bildungsziele, Inhalte, Learning Outcomes und Strukturvorgaben wie ECTS und Zeitaufwand. Anhand beruflicher Schlüsselsituationen (Critical Incidents) wurden praxisnahe Lernsituationen erarbeitet und mit dem Fokus der Interaktionistischen Pflegedidaktik analysiert. Daraus entstanden fünf Lernsituationen und zwei handlungsorientierte Lerneinheiten.
Der Scoping Review zeigt, dass bisher keine Studien zur Sicht von zu Pflegenden auf die Praxisanleitung existieren. Es wurden daher Studien zur klinischen Lehre in der Medizin hinzugezogen. Die Ergebnisse mündeten in Empfehlungen für die Pflegepraxis: (1) Die Zustimmung der zu Pflegenden ist immer einzuholen, (2) es sind für die Patientinnen ausreichend Information zu Dauer, Inhalt und Form der Anleitungs- oder Prüfungssituation bereitzustellen und (3) deren Bedürfnisse sind zu berücksichtigen.
Die Interviews zeigen, dass zu Pflegende klare Erwartungen und Bedenken zur Praxisanleitung äußern – etwa zu Motiven, Ablehnungsgründen, Datenschutz und Privatsphäre. Der PDCA-Zyklus bietet eine Struktur zur Förderung der Partizipation von Patienten:
- Plan: Informierte Zustimmung, rechtzeitige Planung und Aufklärung
- Do: Offene Kommunikation, Schutz der Privatsphäre, aktive Einbindung
- Check: Evaluation mit Auszubildenden und Rückmeldung der zu Pflegenden
- Act: Integration des Feedbacks zur kontinuierlichen Verbesserung
- Die aktive Einbindung der zu Pflegenden in allen Phasen ist zentral für die qualitativ hochwertige Praxisanleitung.
Von 336 gesichteten Datensätzen erfüllten 53 Studien (51 Studien, 2 Reviews) die Einschlusskriterien. Die meisten beschäftigten sich mit Bewertungsinstrumenten zur Praxisanleitung, insbesondere aus Studierendenperspektive. Zehn Studien entwickelten Selbsteinschätzungsbögen für Praxisanleitende, eine kombinierte diese mit Fremdeinschätzung. International existieren viele Bewertungsinstrumente – darunter das auch in deutscher Sprache validierte CLES+T. Die Instrumente variieren je nach Ausbildungssystem und Perspektive.
Der Entwicklungsprozess zeigt vielfältige Anforderungen an die Leistungseinschätzung sowie ein Spannungsfeld zwischen Praktikabilität und Validität des Instrumentes. Um diesem Dilemma zu begegnen, wurden Expertinnen/Experten aus Praxis, Schule und Wissenschaft einbezogen. Entstanden ist ein Bewertungsinstrument (ILEPA), das
- für unterschiedliche Praxiseinsätze (inkl. Pädiatrie & Psychiatrie) eigene Skalen zur Bewertung integriert,
- die Lernentwicklung über die Ausbildung hinweg abbildet,
- einen Bezug zu den Kompetenzen im Sinne der PflAPrV und zum Pflegeberufegesetz herstellt.
Die Instrumente sind einheitlich in der Handhabung, nutzbar für Fremd- und Selbsteinschätzung und dienen als Grundlage für reflexive Abschlussgespräche.
An zwölf Hochschulen wurden Inhalte zur Praxisanleitung identifiziert, davon bieten fünf explizit ein Modul „Praxisanleitung“ an. Die übrigen verwenden abweichende Modulbezeichnungen wie „Pädagogik in Gesundheitsberufen“ oder „Pflegedidaktik“. Häufig fehlt eine klare Trennung zwischen Anleitung von Auszubildenden und Studierenden. Die Module umfassen 3–13 CP, meist 5 CP. Sechs Hochschulen werben mit der Qualifizierung zur „Praxisanleitung“, liefern aber wenig konkrete Angaben zur Umsetzung gesetzlicher Anforderungen (§ 4 Abs. 3 PflAPrV).
Projektbeteiligte
Veröffentlichungen
DEUFEL, Katharina; SUPERINA, Doris; REUSCHENBACH, Bernd: Instrumente zur Leistungseinschätzung in der praktischen Pflegeausbildung (ILEPA). Entwicklung und Erprobung. Bonn 2025. URL: https://www.bibb.de/dienst/publikationen/de/20483
GLODEK, Andrea; DEUFEL, Katharina; SUPERINA, Doris; REUSCHENBACH, Bernd: Qualifizierte Leistungseinschätzung in der Pflegeausbildung: Ergebnisse von Interviews mit Expertinnen/Experten, Online-Erhebung und Dokumentenanalyse. 2024
REUSCHENBACH, Bernd; JÜRGENSEN, Anke: Kompetenz zeigen, Leistung messen. In: Altenpflege 8/25, Vincentz Network, Hannover
SUPERINA, Doris; DEUFEL, Katharina; REUSCHENBACH, Bernd: Entwicklung und Erprobung von Instrumenten zur qualifizierten Leistungseinschätzung in der Pflegeausbildung. 2024
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