career@care - Durchlässigkeit und Bildungspfade in der Pflege
Das Projekt ist abgeschlossen.
Wie gelingen Bildungswege in der Pflege – von der Pflegefachassistenz, über die Pflegeausbildung, Weiterbildung und Pflegestudium? Das Projekt analysierte theoretische und tatsächliche Übergänge, zeigte strukturelle Hürden auf und formulierte konkrete Ansatzpunkte für mehr Transparenz und bessere Anschlussfähigkeit im Pflegebildungssystem.
Kurzbeschreibung
Das Forschungsprojekt untersuchte auf Basis einer wissenschaftlichen systematischen Datenerhebung die Durchlässigkeit der Bildungsabschnitte in der Pflege, wobei insbesondere Auszubildende, Studierende und Personen in Weiterbildung im Fokus standen.
- Projektlaufzeit: 11/2022 - 10/2023
Hintergrund
Die Durchlässigkeit von Bildungspfaden hat eine hohe Bedeutung. Bildungsaufstiege helfen der persönlichen, aber auch der gesellschaftlichen Entwicklung und wirken dem Fachkräftemangel entgegen.
Die Aus-, Fort- und Weiterbildung in der Pflege weist Entwicklungspotenziale hinsichtlich der Durchlässigkeit und Anschlussfähigkeit an das Bildungssystem auf. Die Pflegebildung ist zudem betroffen von Veränderung, darunter die Pflegeberufereform, sowie die Durchführung von Modellvorhaben zur Übertragung ärztlicher Tätigkeiten an entsprechend qualifizierte Pflegefachpersonen und das Gesetz zur Befugniserweiterung und Entbürokratisierung in der Pflege (BEEP).
Forschung & Vorgehen:
Im Sinne einer mehrdimensionalen Untersuchung des Forschungsthemas werden unterschiedliche Perspektiven und Datenquellen ausgewertet. Während die tatsächliche Durchlässigkeit des Bildungssystems anhand qualitativer empirischer Erhebungsmethoden (leitfadengestützte und narrative Interviews sowie Fokusgruppen) analysiert werden, dient eine Dokumentenanalyse der Erfassung der theoretisch möglichen Durchlässigkeit.
Forschungsergebnisse:
Ergebnisse zur Durchlässigkeit im Pflegebildungssystem
Zentrales Ergebnis des Projekts ist eine systematische Gegenüberstellung theoretisch möglicher und tatsächlich praktizierter Übergänge zwischen Bildungsoptionen in der Pflege. Auf dieser Grundlage werden Verbesserungspotenziale und Handlungsbedarfe der Durchlässigkeit im Aus-, Fort- und Weiterbildungssystem sichtbar gemacht. Die Ergebnisse liefern damit Ansatzpunkte für Politik, Praxis und Pflegebildung, um Durchlässigkeit zu gestalten und zu stärken.
Datenlage und Forschungsstand
Die Analyse zeigt, dass es derzeit keine verlässliche quantitative Datengrundlage gibt, um Übergänge zwischen Bildungsoptionen in der Pflege systematisch nachzuzeichnen. Aussagen zur Durchlässigkeit stützen sich überwiegend auf qualitative Studien. Diese betrachten häufig die Situation vor Einführung des Pflegeberufegesetzes (PflBG) und bilden aktuelle Entwicklungen nur eingeschränkt ab. Insgesamt besteht ein deutlicher Forschungsbedarf, um tatsächliche Bildungswege belastbar erfassen und vergleichen zu können.
Formale Durchlässigkeit und gelebte Praxis
Auf normativer Ebene ist die Durchlässigkeit zwischen verschiedenen Bildungsgängen und -ebenen in der Pflege vielfach vorgesehen. In der Praxis werden diese Übergänge jedoch nur selten realisiert. Zwischen formalen Regelungen und tatsächlichen Bildungsbiografien klafft damit eine deutliche Lücke. Theoretisch mögliche Anschlussoptionen bleiben für viele Auszubildende und Beschäftigte schwer erreichbar.
Heterogene Strukturen und mangelnde Transparenz
Assistenzausbildungen, Weiterbildungen und Studienangebote sind zum Zeitpunkt der Studie bundesweit uneinheitlich geregelt. Das vielfältige Angebot ist für Lernende, Praxis und Einrichtungen häufig unübersichtlich. Diese Intransparenz erschwert Orientierung, Planung von Bildungswegen und strategische Personalentwicklung.
Anschlussfähigkeit der Pflegeassistenzausbildung
Die Pflegeassistenzausbildung erweist sich zum aktuellen Zeitpunkt in der Praxis als nur eingeschränkt anschlussfähig an die Pflegefachausbildung. Ein zentrales Hemmnis ist ihre häufig fehlende generalistische Ausrichtung. Dadurch bleiben Übergänge in die Ausbildung zur Pflegefachperson trotz formaler Möglichkeiten begrenzt.
Personalentwicklung und Laufbahngestaltung
In vielen Einrichtungen fehlt eine systematische Personalentwicklung, die Bildungsentscheidungen aktiv begleitet. Karriere- und Laufbahnberatung ist oft nicht fest etabliert. Potenziale zur gezielten Förderung von Bildungsaufstiegen und zur Bindung von Fachpersonen bleiben dadurch ungenutzt.
Attraktivität des primärqualifizierenden Pflegestudiums
Das primärqualifizierende Pflegestudium ist derzeit für viele Interessierte weniger attraktiv als die berufliche Pflegeausbildung. Ein wesentlicher Grund liegt darin, dass bislang nur vereinzelt passende Stellenprofile für akademisch qualifizierte Pflegefachpersonen entwickelt und organisatorisch verankert wurden. Klare berufliche Perspektiven fehlen vielerorts.
Veröffentlichungen
SCHAFSTÄDT, C:, BRAUN, Jan, REIBER, Karin (2022): Zum Beispiel Pflege. Durchlässigkeit im Berufsbildungssystem und Berufslaufbahnen aus einer Gender-Perspektive. berufsbildung–Zeitschrift für Theorie-Praxis-Dialog, 76(4), 21-24.
KROCZEK, Martin; SPÄTH, Jochen: The attractiveness of jobs in the German care sector: results of a factorial survey. In: The European journal of health economics : HEPAC : health economics in prevention and care 23 (2022) 9, S. 1547-1562
MOHR, Jutta; DORN, Sabine; SPÄTH, Jochen (2023). Mehr Transparenz im Karriere-Dschungel. Die Schwester / Der Pfleger, 62(9), 66–69.
REIBER, Karin; BRAUN, Jan; MOHR, Jutta (2023). Berufliche Bildung in der Domäne Pflege zwischen Anforderungen des Beschäftigungssystems und individueller berufsbiografischer Entwicklung. In M. Friese & R. Braches-Chyrek (Hrsg.), Berufsbildung, Arbeit und Innovation - Hauptreihe. Care Work in der gesellschaftlichen Transformation: Beschäftigung, Bildung, Fachdidaktik (S. 75–90). wbv Media GmbH & Co. KG.
MITTELSTÄT, Kathrin; KEPPNER, Celine; MOHR, Jutta; REINER, Marcel; SCHEU, Tobias; SPÄTH, Jochen: Übergänge in Weiterbildung und deren Verwertung in der Praxis – Gelingensfaktoren, Herausforderungen, Gestaltungsspielräume. Bonn 2024. URL: lit.bibb.de/vufind/Record/DS-782082 (Stand: 06.11.2024)
BRAUN, Jan; REIBER, Karin: Das Pflegebildungssystem zwischen intendierter Einheitlichkeit und tatsächlicher Diversität am Beispiel der Pflegeassistenzausbildungen. In: Reiber, Karin; Mohr, Jutta; Evans-Borchers, Michaela; Peters, Miriam (Hrsg.): Fachkräftesicherung, Versorgungsqualität und Karrieren in der Pflege. Bielefeld 2024, S. 139-156
BRAUN, Jan; DORN, Sabine; REIBER, Karin: Intendierte und potenzielle Bildungswege in der Pflege: Möglichkeiten der beruflichen Entwicklung über Ausbildung, Weiterbildung und Studium. In: Reiber, Karin; Mohr, Jutta; Evans-Borchers, Michaela; Peters, Miriam (Hrsg.): Fachkräftesicherung, Versorgungsqualität und Karrieren in der Pflege. Bielefeld 2024, S. 411-426
REINER, Marcel; MITTELSTÄDT, Kathrin; HOCHNER, Eva; KEPPNER, Celine; SPÄTH, Jochen; Koch, Andreas; Scheu, Tobias: Übergänge von der Assistenz- in die Fachausbildung – Gelingensfaktoren, Herausforderungen, Gestaltungsspielräume. In: Reiber, Karin; Mohr, Jutta; Evans-Borchers, Michaela; Peters, Miriam (Hrsg.): Fachkräftesicherung, Versorgungsqualität und Karrieren in der Pflege. Bielefeld 2024, S. 427-444
BRAUN, Jan; DORN, Sabine; MITTELSTÄT, Kathrin; REIBER, Karin; REINER, Marcel; SCHAFSTÄDT, Christin; SPÄTH, Jochen: Durchlässigkeit und Bildungspfade in der Pflege. Bonn 2024. URL: https://lit.bibb.de/vufind/Record/DS-782487
SCHAFSTÄDT, Christin; SCHEU, Tobias; KIRCHMANN, Andrea: Gestaltung von individuellen Bildungs- und Karrierewegen in der Pflege. In: Pflege 38 (2025) 4, S. 237-242
REINER, Marcel; KEPPNER, Celine; MITTELSTÄT, Kathrin; HOCHER, Eva; SPÄTH, Jochen: Übergänge ins Studium und dessen Verwertung in der Praxis – Gelingensfaktoren, Herausforderungen, Gestaltungsspielräume. In: Pflege & Gesellschaft (2025) 1, S. 37-50
Projektbeteiligte
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