interEdu - Interprofessionell lernen – gemeinsam besser versorgen
Das Projekt interEdu entwickelte und erprobte ein Curriculum, das gemeinsames Lernen von Gesundheitsberufen fördert. Ziel war es, Kompetenzen für eine effektive Zusammenarbeit zu stärken und damit die Qualität der Versorgung im Gesundheitswesen nachhaltig zu verbessern.
Kurzbeschreibung
Im entwickelten Rahmencurriculum werden Bildungsziele, Kompetenzen für die interprofessionelle Zusammenarbeit, Kontextfaktoren, Implementierungshinweise, Lehr- und Lerneinheiten für die berufliche Pflegeausbildung sowie Module für die hochschulische Pflegeausbildung beschrieben.
- Projektlaufzeit: 12/2021-11/2024
Hintergrund
Die Optimierung der interprofessionellen Zusammenarbeit in der Praxis der Gesundheitsversorgung gilt als ein Schlüssel, um den vielzähligen aktuellen Herausforderungen im Gesundheitswesen zu begegnen (World Health Organisation 2010, MAHLER et al. 2014).
Eine wichtige Strategie besteht daher darin, Anpassungen der Curriculargestaltung und der gelebten Praxis in der Ausbildung in den Gesundheitsberufen gezielt zu fördern, um die Kompetenzen für die interprofessionelle Zusammenarbeit zu stärken. Interprofessionelles Lehren und Lernen (IPEL) bezeichnet Lernangebote, die es Lernenden unterschiedlicher Berufsrichtungen erlauben, über-, von- und miteinander zu lernen.
Für die berufliche und die hochschulische Pflegeausbildung fehlte bislang ein entsprechendes Curriculum. Im Rahmen des Projektes „Konzeptentwicklung zur Stärkung der interprofessionellen Edukation in der beruflichen und hochschulischen Pflegeausbildung („interEdu“)“ ein longitudinales IPEL-Kerncurriculum für die Pflegeausbildung entwickelt wurde.
Nach EWERS und WALKENHORST (2019) herrschen bei der Thematik Interprofessionalität derzeit drei Perspektiven vor: die Versorgungsperspektive, die Arbeitsmarktperspektive und die Bildungsperspektive. Weitgehend unberücksichtigt bleiben kritische erziehungswissenschaftliche Perspektiven (PARADIS/WHITEHEAD 2018). Auch berufsfeldwissenschaftliche Zugänge als Voraussetzung für die Konzipierung von interprofessionellen Lehr-/Lernformaten bleiben eher die Ausnahme. Ein besonderes Augenmerk in dem Projekt war daher auf die systematische, theoretische und empirische Begründung der curricularen Inhalte unter Einbindung aller relevanten Perspektiven (z. B. wissenschaftliche Pflegepädagogik, Pflegewissenschaft, Lehrende, Lernende, Anleitende, Praxisvertreterinnen und Praxisvertreter, Patientenvertreterinnen und Patientenvertreter) gelegt.
Forschung & Vorgehen
Das Curriculum wurde in einem mehrstufigen, empirisch fundierten Prozess mit einem partizipativen Mixed Methods-Ansatz entwickelt, bestehend aus zwei Phasen. Anschließend erfolgte eine Handreichung des finalen Curriculums.

Konzeptionsphase
In dieser Phase wurden zunächst mittels einer systematischen Literaturrecherche nationale und internationale Rahmenmodelle, Empfehlungen und empirische Ergebnisse zur longitudinalen Ausbildung interprofessioneller Kompetenzen in Form eines „Rapid Review“ identifiziert und zusammengefasst. Ergänzend wurden standardisierte Interviews zur zusammenfassenden Beschreibung vorhandener nationaler Projekte für IPEL mit Bezug zur Pflegeausbildung durchgeführt.
Zur Beschreibung der aktuellen Lehr- und Lernpraxis und Ableitung wichtiger Anforderungen an das angestrebte Curriculum wurde zudem eine qualitative Studie bestehend aus Fokusgruppeninterviews mit Vertreterinnen und Vertretern verschiedener Perspektiven der Pflegeausbildung (Theorie und Praxis) und Experteninterviews durchgeführt.
Im Anschluss wurden die Ergebnisse der empirischen Datenerhebung trianguliert. Die identifizierten Kernmerkmale wurden in einem Expertenworkshop vorgestellt und diskutiert. Aus den Ergebnissen wurde das longitudinale Curriculum für die Ausbildung interprofessioneller Kompetenzen in der hochschulischen und schulischen Pflegeausbildung entwickelt.

Pilotierungsphase
Dieses Arbeitspaket umfasst die Implementierung, begleitende Evaluation sowie die abschließende Aufbereitung der Ergebnisse und Überarbeitung und Dissemination des longitudinalen Curriculums.
Die Implementierung des interprofessionellen Rahmencurriculum erfolgt derzeit an 3 Hochschulen und 4 Pflegeschulen. Zur Unterstützung der Praxispartner werden regelmäßig Supervisionstreffen durchgeführt. Begleitend zur Implementierung erfolgt eine Evaluation mittels standardisierter Befragungen, nichtteilnehmender Beobachtungen, Fokusgruppen- und Einzelinterviews. Hierbei werden die Perspektiven von Lehrenden, Lernenden und Leitenden in Theorie und Praxis sowie am sogenannten dritten Lernort (z.B. Simulative Lernumgebungen „Skillslab“), berücksichtigt. Untersucht werden zum einen die Umsetzbarkeit des Curriculums und Anforderungen an die Rahmenbedingungen, zum anderen mögliche Auswirkungen auf die interprofessionellen Kompetenzen und die interprofessionelle Zusammenarbeit in der Praxis.
Das Projekt interEdu entwickelt ein longitudinales Curriculum, das die Kompetenzentwicklung für interprofessionelle Zusammenarbeit in der Pflegeausbildung fördert.
Damit trägt es dazu bei,
- das Bewusstsein für interprofessionelles Lernen in Theorie und Praxis zu stärken,
- neue Integrationsmöglichkeiten für interprofessionelle Inhalte in berufliche und hochschulische Curricula/Module zu schaffen,
- und die Kooperation zwischen Lernorten – Pflegeschulen, Praxiseinrichtungen und Hochschulen – gezielt weiterzuentwickeln.
Projektbeteiligte
Tolksdorf, Katharina; Kühn, Anja; Faber, Anna; Lehnen, Tanja; Wolter, Lisa; Busch, Jutta, Gahlen-Hoops von, Wolfgang ; Rahn, Anne C.; Balzer, Katrin: Nachhaltige Implementierung interprofessioneller Lehre: Erfahrungen aus dem Projekt interEdu. 7. Bochumer IPE-Gespräche, Bochum, 27.01.2025
Püschel, L.; von Gahlen-Hoops, W.; Balzer, K. (2024) Interprofessionalität Lehren und Lernen. Projekt „interEdu“. In: Die Schwester/ Der Pfleger 4/ 24, S. 1-4.
Lüth, F.; Püschel, L.; Leimer, M.; von Gahlen-Hoops, W.; Balzer, K.; Rahn, A. C. (2024). Konzeption interprofessioneller Curricula in der Pflegeausbildung. Wissenschaftsbasierte Empfehlungen für die Entwicklung und Umsetzung. In: Brühe, R. & von Gahlen-Hoops, W. Handbuch Pflegedidaktik II. Pflegedidaktisch denken. transcript Verlag: Bielefeld, S. 189–220.
Lüth, F.; Püschel, L.; von Gahlen-Hoops, Balzer, K.; W. Rahn, A. (2022) Curricula for interprofessional competencies in nursing education: Rapid review protocol. URL: https://osf.io/jfnym
Wolter, L.; Busch, J.; Lehnen, T.; Püschel, L.; Lüth, F.; Rahn, A.C.; von Gahlen-Hoops, W.; Balzer, K. (2022) Über die Grenzen der eigenen Berufsprofession hinaus. „interEdu“: eine Konzeptentwicklung zur Stärkung der interprofessionellen Edukation in der beruflichen und hochschulischen Pflegeausbildung. In: berufsbildung Heft 196 (4/2022), S. 18-21.
LEHNEN, Tanja; MAY, Melanie; VON GAHLEN-HOOPS (2023): Interprofessionelle und simulationsbasierte Lehr-Lern-Arrangements und erforderliche Schulungsbedarfe für Lehrende. Vortrag im Rahmen des 2. SimNAT Pflege Symposiums, Fulda
LEHNEN, Tanja; WOLTER, Lisa; BUSCH, Jutta; PÜSCHEL, Laura; LEIMER, Miriam; RAHN, Anne Christin; BALZER, Katrin; VON GAHLEN-HOOPS, Wolfgang (2024): How to promote interprofessional competencies in vocational and academic undergraduate nursing education sustainably: development of a nation-wide core curriculum for interprofessional education in German nursing education (interEdu). Vortrag im Rahmen der FINE-Conference, Barcelona
LEHNEN, Tanja; WOLTER, Lisa; BUSCH, Jutta; PÜSCHEL, Laura; LÜTH, Frederike; LEIMER, Miriam; RAHN, Anne Christin; BALZER, Katrin; VON GAHLEN-HOOPS, Wolfgang
(2023): Evaluation interprofessioneller Lehr-Lernangebote in der Ausbildung der Gesundheitsberufe – Zielgrößen und Methoden Workshop im Rahmen der GMA-Jahrestagung, Osnabrück
LÜTH, Frederike; PÜSCHEL, Laura; LEIMER, Miriam; RAHN, Anne C.; BALZER, Katrin (2022, 22.-23. November): Effects of learning opportunities for the training of interprofessional competencies in nursing education: An Overview of Reviews. Baltic Sea Region Network Conference, Klaipeda, Litauen.
LÜTH, Frederike; WOLTER, Lisa; LEHNEN, Tanja; BUSCH, Jutta; PÜSCHEL, Laura; BALZER, Katrin; VON GAHLEN-HOOPS (2023): Anforderungen eines Mustercurriculums für die Entwicklung interprofessioneller Lernangebote in der Pflegeausbildung: Eine Mixed-Methods-Bedarfsanalyse. Vortrag im Rahmen des BIBB Forschungskongress, Bonn
VON GAHLEN-HOOPS, Wolfgang; WOLTER, Lisa, LEHNEN, Tanja (2022, 29.-30. September): Begegnungen durch gemeinsame Lehr-/Lernangebote in patientennahen Gesundheitsberufen durch interprofessionelle Lehre - Gegenwartsherausforderungen und Zukunftsvisionen. Lernwelten-Kongress, Luzern.
VON GAHLEN HOOPS, Wolfgang; LEHNEN, Tanja; WOLTER, Lisa (2022, 26.-28. September): Widersprüche zwischen vermittelten Lehrinhalten und gelebter Praxis im Kontext interprofessionellen Lehrens und Lernens in Gesundheits- und Pflegeberufen. Jahrestagung der Sektion Berufs- und Wirtschaftspädagogik der Deutschen Gesellschaft für Erziehungswissenschaft, Freiburg.
EWERS, Michael; und WALKENHORST, Ursula: Interprofessionalität in den DACH-Ländern - eine Momentaufnahme. In: EWERS, Michael; PARADIS, Elise; HERINEK, Doreen: Interprofessionelles Lernen, Lehren und Arbeiten. Gesundheits- und Sozialprofessionen auf dem Weg zur kooperativen Praxis. Weinheim Basel: Beltz Juventa 2019, S. 21-33
MAHLER, Cornelia; GUTMANN, Thomas; KARSTENS, Sven und JOOS, Stefanie (2014): Begrifflichkeiten für die Zusammenarbeit in den Gesundheitsberufen – Definition und gängige Praxis. In: GMS Journal for Medical Education 31 (2014) 4, S. 1-3
PARADIS, Elise und WHITEHEAD, Cynthia R: Beyond the Lamppost (2018) : A Proposal for a Fourth Wave of Education for Collaboration. Academic Medicine 93 (2018) 10, S.1457-1463
WORLD HEALTH ORGANIZATION (2010): Framework for Action on Interprofessional Education & Collaborative Practice. Geneva 2010.
URL: https://www.who.int/publications/i/item/framework-for-action-on-interprofessional-education-collaborative-practice (Stand: 23.07.2024)
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