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Industriepartnerschaften, Innovationen und KI: Internationale Impulse für die Berufsbildung

Wie können Berufsbildungssysteme durch starke Partnerschaften mit Unternehmen, arbeitsbasiertes Lernen und digitale Innovationen zukunftsfähig gestaltet werden? Die Veranstaltung „Advancing TVET through Industry Partnerships and Innovation“, organisiert von UNESCO-UNEVOC und BIBB im Kontext der BMBFSFJ-Initiative „Towards a Global TVET Agenda“, lieferte Antworten – nicht nur für die Gastgeber in Südafrika.

Gruppenfoto von Personen unterschiedlichen Alters und Geschlechts in einem hellen Raum mit Deckenleuchten

Vom 19. bis 21. Mai 2026 kamen in Umhlanga, Südafrika, internationale Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Berufsbildungspraxis, Wissenschaft, Wirtschaft und multilateralen Organisationen zusammen, um die Zusammenarbeit mit der Wirtschaft als Erfolgsfaktor für innovative Berufsbildung zu beleuchten. Organisiert wurde das BILT Bridging Event von UNESCO-UNEVOC gemeinsam mit der University of South Africa (UNISA), der Durban University of Technology (DUT), JET Education Services sowie dem BIBB im Rahmen der Initiative „Towards a Global TVET Agenda“ (TGTA).

Die Veranstaltung bot eine Plattform, um globale Berufsbildungsdiskussionen mit den Prioritäten der African Continental TVET Strategy 2025–2034 und den aktuellen Reformprozessen in Südafrika zu verknüpfen. Für das BIBB bot sie zugleich die Möglichkeit, die Ziele der BMBFSFJ-Initiative im afrikanischen Kontext sichtbar zu machen und den Dialog mit zentralen regionalen Akteuren weiter auszubauen. Zentrale Anliegen der TGTA-Initiative standen im Mittelpunkt: die Stärkung hochwertiger und inklusiver Berufsbildung, die Förderung arbeitsbasierten Lernens sowie den internationalen Austausch zu Reformen und Innovationen in Berufsbildungssystemen.

Mann mit Bart im Anzug spricht an einem Rednerpult mit Mikrofon in einem modernen Raum

Berufsbildung als Motor für wirtschaftliche Transformation und Beschäftigung

Bereits zum Auftakt wurde deutlich, dass Berufsbildung weltweit zunehmend als strategischer Hebel für die Bewältigung wirtschaftlicher, technologischer und gesellschaftlicher Transformationsprozesse verstanden wird. Vertreterinnen und Vertreter der African Union Commission (AUC), von UNESCO-UNEVOC sowie der südafrikanischen Gastgeberinstitutionen betonten die Bedeutung arbeitsmarktorientierter Qualifikationen, starker Partnerschaften mit Unternehmen und einer höheren gesellschaftlichen Wertschätzung beruflicher Bildung.

Chigozie Emmanuel Okonkwo, Education and Skills Advisor der African Union Commission, brachte die Bedeutung beruflicher Bildung für den afrikanischen Kontinent auf den Punkt:

Afrika braucht starke TVET-Systeme. Wenn wir inklusives Wachstum, gute Arbeitsplätze und eine wettbewerbsfähige Industrie schaffen wollen, die jungen Menschen Perspektiven eröffnet, müssen wir der beruflichen Bildung deutlich mehr Aufmerksamkeit schenken. TVET ist zentral für die Entwicklung Afrikas, für die Agenda 2030 und vor allem für die Zukunft junger Menschen.

Chigozie Emmanuel Okonkwo, Education and Skills Advisor der African Union Commission

Ein gemeinsames Verständnis zog sich durch die Diskussionen des ersten Veranstaltungstages: Berufsbildung kann ihr Potenzial für Beschäftigung, wirtschaftliche Entwicklung und soziale Teilhabe nur dann entfalten, wenn sie eng mit den Anforderungen des Arbeitsmarktes verknüpft ist.

Wie Partnerschaften mit der Wirtschaft konkret gestaltet werden können, stand im Mittelpunkt mehrerer interaktiver Workshops. Vorgestellt wurden unter anderem der GAN Global Guide for Quality Apprenticeships and Return on Investment, die südafrikanische TVET-Industry Roadmap sowie ein vom Donor Committee for dual Vocational Education and Training (DC dVET) entwickelter Praxisleitfaden zur systematischen Einbindung des Privatsektors. Die Workshops zeigten praxisnahe Wege auf, wie aus punktueller Zusammenarbeit langfristige strategische Partnerschaften entstehen können.

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Vier Personen sitzen auf einer Bühne bei einer Podiumsdiskussion, zwei Männer und zwei Frauen, mit Mikrofonen und Wasserflaschen auf kleinen Tischen vor ihnen

Innovationsökosysteme als Erfolgsfaktor moderner Berufsbildung

Ein weiterer Schwerpunkt des ersten Konferenztages war die Rolle von Berufsbildungseinrichtungen in regionalen Innovationsökosystemen. In einer von Sebastian Ciołek (BIBB) moderierten Session diskutierten Expertinnen und Experten aus Europa und Afrika, wie Berufsbildungseinrichtungen gemeinsam mit Wirtschaft, Forschung und Politik regionale Innovations- und Fachkräfteentwicklung stärken können.

Vorgestellt wurden unter anderem die französischen Campus des Métiers et des Qualifications, der europäische CoVE-Ansatz sowie die südafrikanischen Centres of Specialisation. Trotz unterschiedlicher institutioneller Rahmenbedingungen zeigten alle Beispiele ähnliche Erfolgsfaktoren: langfristige Kooperationen, gemeinsame Entwicklungsziele sowie eine enge Verzahnung von Bildung, Wirtschaft und regionaler Entwicklung.

Die Diskussion machte deutlich, dass Berufsbildungseinrichtungen heute weit mehr sind als Orte der Qualifizierung. Sie entwickeln sich zunehmend zu aktiven Akteuren regionaler Innovations- und Transformationsprozesse.

Vier Köchinnen und Köche in weißer Kochkleidung bereiten gemeinsam Speisen an einem Edelstahltisch vor, eine Person rührt in einer Schüssel mit dunkler Masse

Von der Strategie zur Praxis: Arbeitsbasiertes Lernen im Fokus

Der zweite Veranstaltungstag stand ganz im Zeichen der praktischen Umsetzung von arbeitsbasiertem Lernen. Vertreterinnen und Vertreter südafrikanischer TVET-Colleges berichteten über ihre Erfahrungen beim Aufbau von Unternehmenspartnerschaften, der Einführung arbeitsmarktrelevanter Qualifikationen und der Integration betrieblicher Lernphasen in die Ausbildung in den Colleges.

Internationale Perspektiven ergänzten die Diskussion des Tages. In einem von Cara Schmitt (BIBB) moderierten Panel diskutierten Expertinnen und Experten aus Afrika und Europa, wie erfolgreiche Ansätze arbeitsbasierten Lernens über Pilotprojekte hinaus nachhaltig in Berufsbildungssystemen verankert werden können. Vorgestellt wurden unter anderem

  • das afrikanische Multiplikatoren-Netzwerk von Master Trainern für arbeitsbasiertes Lernen, das im Rahmen der TGTA von der ILO umgesetzt wird,
  • das sambische ZAMITA-Projekt von UNIDO zur Förderung von Public-Private-Partnerships,
  • das ECOWAS Young Graduate Immersion Programme sowie
  • Ansätze zur Qualitätsentwicklung und Systemgestaltung arbeitsbasierten Lernens an der TU Dortmund.

Die Diskussion machte deutlich, dass die nachhaltige Verankerung arbeitsbasierten Lernens langfristige Partnerschaften, starke intermediäre Institutionen, Qualitätssicherung und einen kontinuierlichen Austausch zwischen Bildung, Wirtschaft und Politik erfordert. Arbeitsbasiertes Lernen wurde dabei nicht als ergänzendes Element, sondern als integraler Bestandteil moderner Berufsbildungssysteme verstanden.

Besonderes Interesse galt dem deutschen dualen Ausbildungssystem. Die Handwerkskammer Ostwestfalen-Lippe zu Bielefeld erläuterte die Rolle der Kammern als Brückenbauer zwischen Bildungssystem und Arbeitsmarkt sowie ihren Beitrag zur Qualitätssicherung und Unterstützung von Ausbildungsbetrieben.

Lernen vor Ort: Einblicke in südafrikanische TVET-Colleges

Ein Höhepunkt des zweiten Veranstaltungstages waren die Study Visits zu verschiedenen TVET-Colleges in KwaZulu-Natal.

Die Teilnehmenden erhielten Einblicke in Ausbildungsprogramme der Fertigungstechnik, Elektrotechnik, Landwirtschaft, des Tourismus sowie der erneuerbaren Energien. Besonders hervorgehoben wurden die enge Zusammenarbeit mit Unternehmen, die kontinuierliche Weiterentwicklung von Qualifikationen entsprechend den Anforderungen der regionalen Wirtschaft sowie der Einsatz digitaler Lehr- und Lernangebote.

Digitalisierung, KI und flexible Lernpfade als Gestaltungsaufgabe

Der dritte Veranstaltungstag widmete sich der Frage, wie Berufsbildungssysteme auf Digitalisierung, Künstliche Intelligenz und veränderte Kompetenzanforderungen reagieren können.

In einem gemeinsamen Fachimpuls präsentierten Dr. Gesa Münchhausen (BIBB) und Dr. (?) Helen Brown (Tshwane University of Technology) erste Ergebnisse einer vergleichenden Analyse zur Integration von Künstlicher Intelligenz in Berufsbildungssystemen in Deutschland, Südafrika und Südkorea. Klar ist: KI verändert Berufsbilder, Kompetenzanforderungen und Lernprozesse grundlegend und stellt Berufsbildungssysteme vor neue Herausforderungen. Die Untersuchung zeigt, dass eine erfolgreiche KI-Integration über technologische Fragen hinausgeht. Entscheidend sind geeignete Governance-Strukturen, qualifiziertes Bildungspersonal, moderne Curricula sowie ein gerechter Zugang zu digitaler Infrastruktur. Zugleich unterstrich die Analyse die Bedeutung evidenzbasierter Politikentwicklung und internationalen Wissensaustauschs für die Gestaltung digitaler Transformationsprozesse.

Ein weiterer Schwerpunkt lag auf flexiblen Lern- und Qualifizierungswegen. In einem von JET Education Services moderierten Panel diskutierten internationale Expertinnen und Experten die Rolle von Micro-Credentials. Im Mittelpunkt standen Fragen der Qualitätssicherung, Anerkennung und Einbettung in bestehende Qualifikationssysteme. Besondere Aufmerksamkeit erhielt dabei die südafrikanische Initiative PoMiSA (Polytechnic and Occupational Micro-Credentials in Southern Africa), die innovative Ansätze für arbeitsmarktrelevante und flexibel nutzbare Qualifizierungsangebote entwickelt.

Internationale Zusammenarbeit als Grundlage einer Global TVET Agenda

Für das BIBB und seine internationalen Partner bestätigte die Veranstaltung, dass die Weiterentwicklung hochwertiger, nachhaltiger und inklusiver Berufsbildungssysteme nur im internationalen Austausch gelingen kann.

Genau hier setzt die Initiative Towards a Global TVET Agenda an: Sie vereint die Stärken von UNESCO-UNEVOC, ILO, OECD und ETF als international führenden Organisationen, um gemeinsam eine globale Agenda für die Berufsbildung zu entwickeln. Die Regionalveranstaltungen von UNESCO-UNEVOC sind ein Beitrag zur TGTA-Initiative, der multilaterale Zusammenarbeit stärkt, weltweiten Wissensaustausch und Politikdialog unterstützt und evidenzbasierte Politikgestaltung fördert. Hier wird die Zukunft der Berufsbildung gemeinsam global gestaltet.

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