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Angebots-Nachfrage-Relation (ANR)

Systematische Indikatorenbeschreibung

Name

Angebots-Nachfrage-Relation (ANR)

Kernaussage (am Beispiel des Berichtsjahres 2009)

Zugang zu den aktuellen Daten

Das Verhältnis zwischen der Zahl der Ausbildungsangebote und der Zahl der Personen, die als Ausbildungsplatznachfrager/-innen ausgewiesen werden, beträgt im Berichtsjahr 2009 100,3 % (bei "klassischer" Berechnung der Ausbildungsplatznachfrage) bzw. 88,5 % (bei neuer, erweiterter Berechnung der Ausbildungsplatznachfrage).

Mit anderen Worten: Rechnerisch stehen 2009 jeweils 100 Ausbildungsplatznachfragern 100,3 Ausbildungsangebote ("klassisch") bzw. 88,5 Ausbildungsplatzangebote ("neu") gegenüber.

Aktualität

Das Berichtsjahr erstreckt sich vom 1. Oktober bis 30. September und orientiert sich am Berufsbildungsgesetz. Die Daten, auf denen der Indikator basiert, stehen bereits im dritten Monat nach Ende des Berichtsjahres zur Verfügung. Die ANR kann somit sehr zeitnah berechnet werden, denn die Daten liegen im Dezember schon vor.

Bedeutung für die berufliche Bildung

Offizieller Ausbildungsmarktindikator. Er gibt an, in welchem prozentualen Verhältnis der Umfang des offiziell ausgewiesenen Ausbildungsplatzangebots zur Zahl der offiziell ausgewiesenen Ausbildungsplatznachfrager/-innen steht. Vergleichbarkeit im Zeitverlauf, zwischen Regionen und Berufsgruppen bzw. Einzelberufen

Bezugsgrößen

Zähler:
Die Zahl der Ausbildungsplatzangebote im Berichtsjahr.
Sie wird ermittelt, indem zur Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge die Zahl der bei der Bundesagentur für Arbeit gemeldeten Berufsausbildungsstellen hinzugerechnet wird, die auch noch am Ende des Berichtsjahres (Ende September) unbesetzt sind (vgl. § 86 des Berufsbildungsgesetzes).

Nenner:
Die Zahl der Ausbildungsplatznachfrager/-innen im Berichtsjahr.
Diese Zahl wird ermittelt, indem zur Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge die Zahl der bei der Bundesagentur für Arbeit gemeldeten Ausbildungsplatzbewerber/-innen hinzugerechnet wird, die auch noch am Ende des Berichtsjahres (Ende September) weiter nach einer Ausbildungsstelle suchen (vgl. § 86 des Berufsbildungsgesetzes).

Varianten bei der Berechnung des Nenners:
Früher wurden im Rahmen der "klassischen" Nachfragedefinition zu den suchenden Personen nur jene Bewerber/-innen gezählt, die zum 30. September ohne jegliche alternative Verbleibsmöglichkeit wie z. B. den Beginn eines Praktikums oder einer berufsvorbereitenden Maßnahme dastanden. Heute werden dagegen im Rahmen der neuen, erweiterten Nachfragedefinition alle zum 30. September noch suchenden Bewerber/-innen hinzugerechnet, also auch jene, die zumindest über eine alternative Verbleibsmöglichkeit verfügen.

Weitere Besonderheiten bei der Berechnung des Nenners:
Erfolglose Ausbildungsstellenbewerber/-innen, die sich für eine Alternative entschlossen (z. B. erneuter Schulbesuch, Studium, Erwerbstätigkeit, berufsvorbereitende Maßnahme) und am 30. September nicht mehr oder vorerst nicht mehr nach einer Berufsausbildungsstelle suchen, werden weder im Rahmen der "klassischen" noch im Rahmen der neuen, erweiterten Nachfragedefintion zu den Ausbildungsplatznachfragern gerechnet. Dies führt insofern zu einer deutlichen Untererfassung des tatsächlichen Interesses an Berufsausbildung, als Ende September - mehrere Wochen nach Beginn des neuen Ausbildungsjahres - viele erfolglose Bewerber/-innen ihre Suche bereits aufgegeben bzw. auf nachfolgende Ausbildungsjahre verschoben haben (vgl. dazu auch die Ausführungen in Abschnitt 6.4 zur AQI, bei der alle ausbildungsinteressierten Personen Berücksichtigung finden).

Berechnungsformel

Berechnungsformel: Ausbildungsplatzangebote/Ausbildungsplatznachfrager*100

Ausbildungsplatzangebote/Ausbildungsplatznachfrager*100

Die Zahl der Ausbildungsplatzangebote und der Ausbildungsplatznachfrager lässt sich aus den Internetseiten der BIBB-Erhebung zum 30. September entnehmen. Diese enthalten nicht nur Informationen zur Zahl der neuen Ausbildungsverträge, sondern auch zur Höhe des Ausbildungsplatzangebots und der Ausbildungsplatznachfrage.

Variante 1:

Berechnungsformel: (Betriebliche Ausbildungsplatzangebote)/(Ausbildungsplatznachfrager )*100

(Betriebliche Ausbildungsplatzangebote)/(Ausbildungsplatznachfrager )*100

Variante 1 gibt wieder, wie viele betriebliche Ausbildungsplatzangebote rechnerisch jeweils 100 Ausbildungsplatznachfragern gegenüberstanden.
Der Umfang des betrieblichen Ausbildungsplatzangebots ergibt sich rechnerisch durch Abzug der Zahl der außerbetrieblichen Ausbildungsverträge (d. h. der überwiegend öffentlich finanzierten Ausbildungsverhältnisse).

Variante 2:

Berechnungsformel: (Außerbetriebliche Ausbildungsplatzangebote)/Ausbildungsplatznachfrager*100

(Außerbetriebliche Ausbildungsplatzangebote)/Ausbildungsplatznachfrager*100

Variante 2 zeigt an, wie viele außerbetriebliche Ausbildungsplatzangebote rechnerisch jeweils 100 Ausbildungsinteressierten gegenüberstanden.
Der Umfang des außerbetrieblichen Ausbildungsplatzangebots wird dabei rechnerisch mit der Zahl der außerbetrieblichen Ausbildungsverträge (d. h. der überwiegend öffentlich finanzierten Ausbildungsverhältnisse) gleichgesetzt.

Mögliche Differenzierungen

  • nach "betrieblichem" (= überwiegend betrieblich finanziertem) und "außerbetrieblichem" Ausbildungsplatzangebot (siehe oben)
  • Deutschland; West- und Ostdeutschland, Länder und Arbeitsagenturbezirke
  • nach Berufsgruppen und Berufen
  • nach jeweiligen Kombinationen

Datenquellen

BIBB-Erhebung über neu abgeschlossene Ausbildungsverträge zum 30. September
Ausbildungsmarktstatistik der Bundesagentur für Arbeit

Datenquellen im Netz:
URL: BIBB-Erhebung zum 30.09. [letzter Zugriff: 12.09.2014]
URL: http://statistik.arbeitsagentur.de/Navigation/Statistik/Statistik-nach-Themen/Ausbildungsstellenmarkt/Ausbildungsstellenmarkt-Nav.html [letzter Zugriff: 16.11.2011]

Stichtag / Betrachtungszeitraum

Stichtag: 30. September
Der Indikator bilanziert abschließend ein Berichtsjahr (beginnend im Oktober des Vorjahres bis Ende September).

Hinweise zur Güte des Indikators

Die ANR stellt den offiziellen Indikator dar, um auf Basis amtlicher Daten jahresaktuell die Ausbildungsmarktverhältnisse abzuschätzen und diese mit den Vorjahreswerten bzw. mit anderen Regionen oder anderen Berufen zu vergleichen. Sie findet sich sowohl im Nationalen Bildungsbericht als auch im Berufsbildungsbericht.
Die Daten sind zeitnah verfügbar.

Grenzen der Berechnung
Pendlerbewegungen nehmen auf die Ausprägungen des Indikators Einfluss. Denn die Ausbildungsplatzangebote bzw. die neuen Ausbildungsverträge sind nach dem Betriebsort und nicht nach dem Wohnort zugeordnet, die registrierten Ausbildungsstellenbewerber/-innen dagegen dem Wohnort. Kommt es zu Abweichungen zwischen Betriebsort und Wohnort, werden die ANR-Werte für jene Regionen zu hoch eingeschätzt, in denen es mehr Aus- als Einpendler/-innen gibt. Umgekehrtes gilt für Regionen mit einem Einpendlerüberschuss.

Die ANR in ihrer klassischen Form sollte für wissenschaftliche Analysen keine Verwendung finden, um die Ausbildungsmarktverhältnisse abzubilden. Hierfür sind die Validitätsmängel bei der Erfassung der Ausbildungsplatznachfrage schlicht zu groß. Diese Mängel haben nicht nur Auswirkungen auf die Erfassung der absoluten Höhe der Nachfrage, sondern auch auf die Abbildung der Unterschiede zwischen den Regionen. Somit werden auch korrelative Analysen (z. B. zu den Zusammenhängen zwischen Arbeits- und Ausbildungsmarkt) beeinträchtigt. In ihrer neuen, erweiterten Form der ANR sind die Validitätsmängel der Nachfragemessung zumindest abgemildert, aber auch nicht völlig aufgehoben.

Sonstige Interpretationshinweise / (Häufig gestellte Fragen)

Wie hoch muss die ANR ausfallen, damit eine ausreichende Versorgung der Ausbildungsplatznachfrager/-innen erreicht ist?
Vielfach ist von einer Angebots-Nachfrage-Relation von ANR = 112,5 (also von einem Angebotsüberhang von 12,5 %) die Rede, doch resultiert dieser immer wieder genannte Richtwert aus einem politischen Kompromiss der sozialliberalen Koalition in den 1970er-Jahren und nicht aus einer wissenschaftlichen Begründung: "Sie ist vielmehr der Mittelwert aus der damaligen SPD-Forderung nach 20 % und der FDP-Vorstellung von 5 % Überhang" (KATH 1999, S. 102).

Auszug aus: Dionisius, Regina; Lissek, Nicole; Schier, Friedel [Hrsg.]: Beteiligung an beruflicher Bildung - Indikatoren und Quoten im Überblick. - Bonn, 2012
(Wissenschaftliche Diskussionspapiere / Bundesinstitut für Berufsbildung ; 133)

Literaturhinweise

  • ULRICH, JOACHIM GERD; FLEMMING, SIMONE; GRANATH, RALF-OLAF: Ausbildungsmarktbilanz 2010. In: BUNDESINSTITUT FÜR BERUFSBILDUNG (Hrsg.): Datenreport zum Berufsbildungsbericht 2011. Informationen und Analysen zur Entwicklung der beruflichen Bildung. Bonn 2010, S. 11-29