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Teilprojekte

Die vielfältigen und vielschichtigen Beziehungen zwischen Technik, Gesellschaft und Mensch werden in Teilprojekten beforscht. Argumentative Grundlage bilden die Forschungsfragen und Hypothesen, die aus im Jahr 2019 durchgeführten Theorieinterviews entwickelt wurden.

Thematisch befassen sich die Projekte zum Beispiel mit der Geschwindigkeit technischen Wandels, technisch vermittelten Ungleichheiten im Arbeitsmarktzugang und am Arbeitsmarkt, neuen Arbeitsformen und Flexibilisierungen, dem Umgang mit technischem Wandel, dem Wert von Qualifikationen, Weiterbildungsbeteiligung und Digitalisierung, komparativen Vorteile des Menschen. Sie nehmen unterschiedliche Perspektiven ein, von der individueller Erwerbstätiger über Betriebe und Organisationen bis hin zu gesamtwirtschaftlichen Betrachtungen. Einen knapp gehaltenen Überblick bietet die nachfolgende Übersicht.

Die Teilprojekte laufen zusammen unter dem Dach des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Projektes „Polarisierung 4.0“, dessen Laufzeit bis 2022 geht. Innerhalb dieser Laufzeit sind die einzelnen Teilprojekte unterschiedlich lang angelegt und werden von unterschiedlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern betreut.

Startups werden als Phänomene und Treiber wirtschaftlicher Weiterentwicklung angesehen und sind zukunftsweisend für die Berufsbildung. Sie realisieren neue, vornehmlich digitale Produkte und Dienstleistungen und zeigen deren Kommerzialisierungsmöglichkeiten auf, fordern etablierte Unternehmen durch innovative Geschäftsmodelle heraus, tragen zu neuen Wettbewerbssituationen bei und schaffen zukunftsfähige Arbeitsplätze. Im Projekt „Startups in der Berufspraxis“ wird untersucht, ob und mit welchen spezifischen Qualifikations- und Kompetenzbedarfen sowie neuen Arbeits- bzw. Beschäftigungsbedingungen die durch Startups angetriebene Entwicklung neuartiger Geschäftsmodelle, (technologischer) Innovationen und alternativer Arbeitsweisen einhergeht. Im Einzelnen werden drei Themenfelder betrachtet:

  • Die Personalstruktur und der Fachkräftebedarf von Startups
  • Die Ausbildungsbeteiligung von Startups
  • Die Formen betrieblicher Interessenvertretung in Startups

Die Bearbeitung der drei Themenfelder erfolgt mittels Auswertungen von Startup-Stellenanzeigen, qualitativen Interviews mit Startup-Gründer/-innen und überbetrieblichen Experten/Expertinnen sowie einer Online-Befragung unter Startups.

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Geschwindigkeit des technologischen Wandels: Handelt es sich um eine Evolution oder um eine Revolution?

Die Geschwindigkeit mit der sich der technologische Wandel vollzieht wird kontrovers diskutiert (z.B. Bates, Latour, Pfeiffer). So steht einer postulierten „vierten industriellen Revolution“ bei der neue Formen der Wertschöpfung entstehen und sich unsere Wirtschaft fundamental ändert ein Bild von inkrementellem Wandel begleitet durch einen Medienhype gegenüber. Anhand des Konsumverhaltens von Verbrauchern sowie der zeitlichen Veränderung von betrieblichen Anforderungen hinsichtlich der technologischen Fertigkeiten der Beschäftigten lassen sich Rückschlüsse auf die Geschwindigkeit des technologischen Wandels ziehen, deren Folgen für den Arbeitsmarkt mit Projektionen modelliert werden können.

Stichworte

Produktzyklen, Innovationszyklen, Medienhype

Ebene(n)

Zwischen System- und Gesellschaftsebene

Loss of manpower for lousy or lovely jobs

Über die Auswanderung von Arbeitskräften aus Deutschland auf ausländische Arbeitsmärkte ist bisher nur sehr wenig bekannt. Dabei ist es gerade auf einem zunehmend digitalisierten Arbeitsmarkt, auf dem bestimmte Kompetenzen mehr und andere wiederum weniger benötigt werden, wichtig zu wissen, für welche beruflichen Tätigkeiten welche Kenntnisse und Qualifikationen mit der Auswanderung von Erwerbstätigen „verloren“ gehen. Das Teilprojekt untersucht daher die Qualifikationsstruktur und beruflichen Kompetenzen der Auswandernden sowie die Struktur der Länder, in die ausgewandert wird und die Ausübung der dortigen beruflichen Tätigkeiten.

Stichworte

Globale Ungleichheiten, Arbeitsmarktzugang, Auswanderung

Ebene(n)

Gesellschaftsebene

Publikationen

Décieux, J.P.; Mergener, A.(2021): German Labor Emigration in Times of Technological Change: Occupational Characteristics and Geographical Patterns. In: Sustainability 2021, 13, 1219.
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Does the digital transformation of the labour market foster atypical forms of employment? Firm-level evidence from Germany

Im Rahmen des Projekts soll untersucht werden, inwiefern die Einführung neuer Technologien einen Anstieg atypischer Beschäftigungsverhältnisse begünstigt. Denn die Automatisierung gewinnt durch Technologien an Geschwindigkeit und führt zu sich wandelnden Tätigkeiten und einer sich verändernden Arbeitsumgebung (Acemoglu/Restrepo 2018; Autor 2015; Autor et al. 2003). Auch die Art der Beschäftigung sowie das Arbeitgeber-Arbeitnehmer-Verhältnis verändert sich, da neue Arbeitsformen (z.B. Crowdworking) entstehen (Degryse 2016; Prassl/Risak 2015). Das sogenannte „Normalarbeitsverhältnis“ ist in vielen Industrienationen zwar noch Standard, zeitgleich nehmen aber atypische Verhältnisse zu (z.B. Cooke/Jiang 2017; Eichhorst/Marx, 2015).

Stichworte

Neue Arbeitsformen, atypische Beschäftigungsverhältnisse

Ebene(n)

Zwischen Gesellschafts- und Organisationsebene

Die Folgen der Digitalisierung für die Arbeitsmarktsegmente: Vertiefende Spaltung zwischen primärem und sekundärem Arbeitsmarktsegment

Untersucht wird, ob die Digitalisierung zu einem Upgrading der Qualifikationsstruktur führt, so dass weniger Tätigkeiten mit geringer Qualifikation zur Verfügung stehen. Und folgt daraus eine weitere Abwertung geringer qualifizierter Tätigkeiten, da ein vergleichsweise großes Arbeitskräftepotenzial zur Verfügung steht? Vertieft sich hier die Spaltung zu den höher qualifizierten Arbeitskräften? Und bleibt die geschlechtliche Segregation von Ausbildungsberufen/Studienfächern trotz Digitalisierung konstant? Gilt dies auch für den höheren Anteil prekärer Erwerbstätigkeit bei den Frauen?

Stichworte

Betriebe, Upgrading, Weiterbildungsbedarf, Prekarität, geschlechtliche Segregation

Ebene(n)

Zwischen Gesellschafts- und Organisationsebene

Umgang mit technischem Wandel in Büroberufen: Lebendiges Arbeitsvermögen, Aufgabenprofile und berufliche Mobilität

Es wird untersucht, wie Beschäftigte in Büroberufen mit technischen Neuerungen umgehen. Büroberufe waren und sind immer mehr und eher mit technischen Neuerungen konfrontiert als andere Berufe. Dabei scheinen die Aufgaben durchaus „programmierbar“ im Sinne der aktuellen Diskussion und könnten als „ersetzbar“ bewertet werden. Dennoch gibt es kaum Forschung dazu. Die Studie betont das Arbeitsvermögen und die Gestaltbarkeit des technischen Wandels. Damit positioniert sie sich gegenüber defizit- und technikorientierten Untersuchungsansätzen. Technische Entwicklungen werden insbesondere durch den aktiven Umgang der Beschäftigten, der Betriebe und des Bildungssystems beeinflusst. Die Entwicklungen werden bis in die 80er Jahre zurückverfolgt. 

Die Studie ist als Mixed-Methods-Studie angelegt und sucht die vorgefundenen Entwicklungen und Momentaufnahmen zu erklären. Sie verknüpft quanti- und qualitative Daten, um Beschäftigungs- und Lohnentwicklungen, Entwicklungen der beruflichen Inhalte und Entwicklungen beim Arbeitsvermögen zu untersuchen. 

Stichworte

Qualifikations- und Tätigkeitsanforderungen, technischer Wandel, Zeitverlauf, Arbeitsvermögen

Ebene(n)

Individual- und Organisationsebene

Publikationen

Von dem Bach, Nicole et al. (2020): Umgang mit technischem Wandel in Büroberufen: Lebendiges Arbeitsvermögen, Aufgabenprofile und berufliche Mobilität. Version 1.0 Bonn
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Einfluss des Digitalisierungsniveaus auf die Investitionen in Humankapital (Weiterbildung, Fortbildungen, etc.)

Ausgehend von den Überlegungen von Pfeiffer, Münch und Lebaron, aber auch Scholz, dass im Zuge des technologischen Wandels und mit Veränderungen der Marktverhältnisse weniger in Humankapital investiert wird und Betriebe Personal austauschen, anstatt Skills auszubilden, soll mit Hinblick auf die Ergebnisse im Projekt "Ungleichheiten bei Weiterbildung" untersucht werden, ob dieses auch in Deutschland beobachtet werden kann. Es sollen die Fragen beantwortet werden, welchen Einfluss das Digitalisierungsniveau auf die Weiterbildungsinvestitionen der Firmen in Deutschland haben. Weiterhin, kann die Frage aufgegriffen werden, ob Beschäftigte an Weiterbildung teilnehmen, diese aber immer weniger von Betrieben finanziell oder durch Freistellung gefördert werden.

Stichworte

Weiterbildungsbeteiligung, soziale Ungleichheit

Ebene(n)

Organisationsebene

Publikationen

Baum, Myriam; Fournier, Lisa (2021): Betriebliche Investitionen in Weiterbildung im Zuge des technischen Wandels–Eine explorative Betrachtung auf Betriebsebene. BIBB Discussion Paper, Version 1.0, Bonn 2021. 
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Work in the digital age: More complexity, more training? Firm-level evidence from Germany

Wir untersuchen den Einfluss der Digitalisierung und Tätigkeiten am Arbeitsplatz auf die Weiterbildungsbeteiligung von Beschäftigten. Unter anderem bearbeiten wir die Frage, wie sich die betriebliche Weiterbildung mit steigender Digitalisierung und steigenden Tätigkeitsanforderungen verändert und welche Beschäftigtengruppen (nach Anforderungsniveau) an Weiterbildungsmaßnahmen teilnehmen.

Stichworte

Weiterbildungsbeteiligung, soziale Ungleichheit

Ebene(n)

Organisationsebene

Publikationen

Baum, M.; Lukowski, F. (2022): Der Zusammenhang zwischen der Einführung neuer Informations- und Kommunikationstechnologien und der Teilnahme an kursförmiger betrieblicher Weiterbildung. Eine Längsschnittanalyse von Betrieben in Deutschland. In: Betriebliche Berufsbildungsforschung, hg. v. L. Bellmann, H. Ertl, C. Gerhards und P. Sloane (Zeitschrift für Berufs- und Wirtschaftspädagogik - Beiheft 32, Titelnummer 13208). 
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Lukowski, Felix; Baum, Myriam; Mohr, Sabine (2021): Technology, tasks and training - evidence on the provision of employer-provided training in times of technological change in Germany. Studies in Continuing Education 43 (2), S. 1-22.
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Baum, Myriam; Lukowski, Felix (2020): Betriebliche Weiterbildung von Beschäftigten mit einfachen Tätigkeiten im Zuge der Digitalisierung. Berufsbildung in Wissenschaft und Praxis (BWP) 49 (1), S.30-32.
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Baum, Myriam; Lukowski, Felix (2019): Welche Rolle spielt Bildung im digitalen Transformationsprozess. Berufsbildung in Wissenschaft und Praxis (BWP) 48 (3), S. 4-5.
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Baum, Myriam; Lukowski, Felix (2017): Beschäftigte qualifizieren oder neu einstellen? - Strategien deutscher KMU, dem technologischen Wandel zu begegnen. Berufsbildung in Wissenschaft und Praxis (BWP) 46 (5), S. 13-17.

Der Einfluss des Digitalisierungsstands der Betriebe auf die Möglichkeiten räumlich flexiblen Arbeitens

Die Verbreitung digitaler IKT ermöglicht unabhängig vom Standort der einzelnen den Zugriff auf relevante Arbeitsinhalte sowie die Vernetzung zu Kolleginnen und Kollegen oder Kunden. Aber wovon hängt es ab, ob die Beschäftigten von zu Hause arbeiten können oder nicht? Aus bisherigen Forschungsarbeiten geht hervor, dass bei der Nutzung von Home-Office berufliche Merkmale, individuelle Eigenschaften der Erwerbstätigen und auch Merkmale des Betriebs eine bedeutende Rolle spielen. Ziel dieses Teilprojekts ist es demnach zu untersuchen, inwiefern betriebliche Merkmale die Nutzung von Home-Office bestimmen oder ob es weiterhin eher tätigkeitsbasierte berufsbedingte Gründe sind, die den Zugang zum Home-Office öffnen oder verschließen.

Stichworte

Kommunikationsanforderungen, kognitive Anforderungen, betriebliche Arbeitsorganisation, Zugang Home-Office

Ebene(n)

Organisationsebene

Durch Institutionalisierung ermöglicht technischer Fortschritt die Etablierung von Pfadabhängigkeiten

Der Zusammenhang zwischen der Art des Wandels (inkrementell vs fundamental) und der Entwicklung von Pfaden soll untersucht werden. Technischer Fortschritt ermöglicht Etablierung von Pfadabhängigkeiten, da die Ausgestaltung der Organisation von Arbeit sich an etablierten technischen Möglichkeiten ausrichtet. Demnach sollten sich auch berufliche Inhalte (3D-Modell) nur inkrementell oder schleichend ändern. Wie ist dann aber die Entstehung neuer Berufe möglich – oder eben auch die Etablierung neuer Pfade?

Stichworte

Entwicklung/Entstehung von Pfaden, Organisation von Arbeit, Handlungssituationen, Entscheidungen

Ebene(n)

Zwischen Organisations- und individueller Ebene

Chancen und Risiken des technologischen Wandels für die berufliche Teilhabe von Menschen mit Behinderung

Das Hauptziel der Untersuchung besteht darin herauszufinden, inwiefern der technologische Wandel die Arbeitsmarktbeteiligung von Personen mit Behinderung verbessert oder ob es stattdessen ggf. sogar eine zunehmende digitale Kluft gibt (digital divide). Dabei sollen neben der Untersuchung der Tätigkeitsstruktur differenziert nach Art der Behinderung der Einfluss der Computerisierung (u.a. assistiver Technologien) auf die ausgeübten Tätigkeiten untersucht werden. Des Weiteren erfolgt die Analyse der Wahrnehmung der Auswirkungen des technologischen Wandels differenziert nach Art der Behinderung. Zum einen wird eine Nachbefragung im Rahmen der BIBB-BAuA Erwerbstätigenbefragung 2017/2018 durchgeführt. In dieser werden ausschließlich Erwerbstätige auf dem ersten Arbeitsmarkt erfasst. Ergänzend erfolgt eine Befragung in ausgewählten Werkstätten und Integrationsfirmen des zweiten Arbeitsmarkts. Dabei wird dasselbe Befragungsinstrument wie in der Nachbefragung eingesetzt.
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Stichworte

Arbeitsmarktteilhabe, Digitalisierung

Ebene(n)

Individuelle Ebene

Home-Office-Nutzung und Work-Life-Balance: Entgrenzung oder Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben in Zeiten der Digitalisierung

Home-Office-Optionen werden sowohl mit Vorteilen (z. B. geringerer Pendelstress, bessere Vereinbarkeit von Privatem und Beruflichem) als auch mit Nachteilen (z. B. (unbezahlte) Mehrarbeit, ständige Erreichbarkeit) assoziiert. Aber wie bewerten Erwerbstätige eigentlich das Arbeiten von zu Hause aus? Gibt es Unterschiede hinsichtlich des ausgeübten Berufs, des Verantwortungsbereichs oder der beruflichen Stellung ob jemand das Arbeiten von zu Hause aus als Fluch oder Segen empfindet? Oder sind es vielmehr persönliche, individuelle Gründe, wie bspw. die Entfernung von Wohn- und Arbeitsort oder Kinder im Haushalt, die die Folgeneinschätzung von Home-Office bestimmen?

Stichworte

Technologische Entwicklung, räumliche Entgrenzung, Flexibilisierung

Ebene(n)

Individuelle Ebene

Berufliche Zugänge zum Home-Office. Ein tätigkeitsbasierter Erklärungsansatz ungleicher Möglichkeiten der Home-Office-Nutzung

Die Verbreitung technologischer Entwicklungen und damit die Möglichkeiten der digitalen Vernetzung und standortunabhängigen Kommunikation lassen eine zunehmende Bedeutung der Home-Office-Nutzung erwarten. Dabei ist anzunehmen, dass die Möglichkeit des Arbeitens von zu Hause aus wesentlich vom ausgeübten Beruf beeinflusst wird. Systematische Analysen zum Zusammenhang zwischen der Berufsausübung und der Home-Office-Nutzung fehlen allerdings bislang. Diese Forschungslücke soll mit diesem Teilprojekt geschlossen werden, indem insbesondere der Einfluss von Tätigkeiten innerhalb der Berufe aber auch der Nutzung von IKT auf die Home-Office-Zugänge untersucht wird.

Stichworte

Digitale IKT, betriebliche Organisation von Arbeit, berufliche Merkmale, Nutzung von Home-Office

Ebene(n)

Individuelle Ebene

Publikationen

Mergener, Alexandra (2020): Homeoffice in Deutschland: Zugang, Nutzung und Regelung; Ergebnisse aus der BIBB/BAuA-Erwerbstätigenbefragung 2018. Version 1.0 Bonn
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Mergener, Alexandra (2020): Berufliche Zugänge zum Homeoffice. Ein tätigkeitsbasierter Ansatz zur Erklärung von Chancenungleichheit beim Homeoffice-Zugang. In: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 72, Sonderheft Berufe und soziale Ungleichheit, S. 511-534.
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Mergener, Alexandra (2020): Auch die berufliche Bildung qualifiziert für das Arbeiten im Homeoffice: Qualifikationsstruktur in Berufen mit Homeoffice-Zugang.
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Alipour, Jean-Victor et al. (2020): Wiring the Labor Market Revisited: Working from Home in the Digital Age. In: CESifo Forum 21(3), S. 15-20.
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Gender overeducation gap – Können Home-Office Möglichkeiten die Lücke schließen?

Frauen sind häufiger für ihre Tätigkeiten überqualifiziert beschäftigt als Männer. Dies kann u.a. über Arbeitsplatzentscheidungen in Partnerschaften erklärt werden, bei denen sich Frauen eher an den Entscheidungen der Männer orientieren und dabei auf die entsprechenden lokalen Arbeitsmärkte beschränken. Dies führt zu einem eingeschränkten Angebot an (qualifikationsadäquaten) Arbeitsplätzen und einer höheren Wahrscheinlichkeit von Passungsproblemen. Durch Home-Office-Möglichkeiten können solche eingeschränkten Arbeitsmärkte aber geöffnet werden, was die Bindung zwischen Wohn- und Arbeitsort ein Stück weit löst. Inwiefern dies zu einer Reduktion des Auftretens von Überqualifikation für Frauen führen kann, soll im Rahmen dieses Teilprojektes untersucht werden.

Stichworte

Flexibilisierung, Überqualifikation von Frauen, differential overqualification, lokale Arbeitsmärkte

Ebene(n)

Individuelle Ebene

Komparative Vorteile

Bildungssysteme können nur dann Kompetenzen vermitteln, die auch für die Zukunft ermöglichen, am Arbeitsleben teilzunehmen, wenn sie den Fokus auf nicht kodifizierbares Wissen legen, da der Mensch nur noch wenige komparative Vorteile gegenüber der Maschine hat, diese immer geringer werden und mit Erreichen der Singularität ganz entfallen. Die Singularität markiert den Zeitpunkt, an dem künstliche Intelligenzen intelligenter sind als Menschen, sich selbst verbessern und optimieren können und dem Menschen damit in jeglicher Hinsicht überlegen sein werden. Aber die Realität ist noch weit entfernt von einer Übernahme der Berufe und Tätigkeiten durch Maschinen. Dabei sind vor allem die komparativen Vorteile des Menschen gegenüber der Maschine relevant. Maschinen verfügen eben nicht über dieselben Kompetenzen, über die Menschen verfügen. Damit dies auch in einer immer mehr technisierten und digitalisierten Welt so bleibt, erscheint es wichtig, die Kompetenzen, die die komparativen Vorteile des Menschen ausmachen, in einer angepassten Bildungsstrategie zu fördern, um so die Leistungsfähigkeit von künstlicher Intelligenz auf anderen Gebieten zu kompensieren. Infolge dessen würde es nicht mehr genügen, das bereits Erlernte zu verwalten.  Lebenslanges Lernen würde die oberste Priorität darstellen, um auf die zukünftigen Herausforderungen reagieren zu können. Weitergedacht könnte das Konzept der Berufe überarbeitet werden, denn Abschlüsse, die allgemeinere Bündel von Kompetenzen umfassen könnten vielleicht besser für vielfältigere Tätigkeiten und lebenslanges Lernen vorbereiten.

Ebene(n)

Individuelle Ebene

Einfach-Arbeit Digital

Durch den zunehmenden Einsatz von Technologien verändert sich die Arbeitswelt und hat auch Auswirkungen auf die Beschäftigten. Sogenannte „Einfacharbeiter“ führen Arbeiten aus, für die es keiner formalen Qualifikation bedarf und die nach kurzer Einarbeitung ausgeführt werden. Die klassische Polarisierungsthese besagt, dass Beschäftigte mit einfachen Tätigkeiten bestimmte Tätigkeiten von qualifizierten Beschäftigten übernehmen könnten. Dies hätte zur Folge, dass die Qualifikation von Fachkräften weniger nachgefragt werden. Dahingegen geht der Skill-biased Technological Change (SBTC) Ansatz von einer einseitigen Verschiebung hin zu höheren Anforderungen und Qualifikationen aus.

Es gibt es sowohl in theoretischen Überlegungen als auch empirischen Befunden teils widersprüchliche Ergebnisse. In diesem Projekt soll anhand des BIBB-Qualifizierungspanels die Fragestellung „Welche Veränderungen der Beschäftigungsstruktur sind mit Einführung neuer Technologien zu beobachten?“ beantwortet werden. Wir erwarten unterschiedliche Entwicklungen für unterschiedliche Technologien sowie für Betriebe mit unterschiedlichen Strukturmerkmalen wie Branche oder Betriebsgröße. Im Fokus unserer Analysen steht die Gruppe der Einfacharbeiter, die je nach Entwicklungsmuster (Polarisierung oder Upgrading) einen Beschäftigungszuwachs oder –rückgang zu verzeichnen hat.

Stichworte

Tätigkeitswandel, Substitution, Einfacharbeit

Ebene(n)

Organisation, Betrieb

Komplementarität digitaler Technik und menschlicher Arbeit auf Tätigkeitsebene

Der Einsatz digitaler Technik im Arbeitskontext führt zu einem Wandel der Tätigkeits- und Qualifikationsstruktur über nahezu alle Branchen und Berufsbilder hinweg. Bisherige Forschungsarbeiten konzentrieren sich auf Substitutionsprozesse, bei denen digitale Technik die zentralen Tätigkeiten eines Berufs potenziell ersetzen kann und analysieren parallel dazu steigende Fähigkeitsanforderungen an Beschäftigte. Ausgehend vom Task-Ansatz soll demgegenüber untersucht werden, inwiefern digitale Technik und Mensch komplementär zusammenwirken und wann bei Technikeinführung auf Betriebsebene neue Tätigkeiten entstehen. Dafür wird ein detaillierteres konzeptionelles Verständnis von Komplementarität in Abgrenzung zu Substitution benötigt, das über eine Definition als bloße Abwesenheit von Ersetzung hinausgeht und soziologische Faktoren miteinbezieht. In einem weiteren Schritt sollen die betriebsinternen und -externen Voraussetzungen zur Einführung bestimmter technischer Entwicklungen genauer verstanden werden. Von einer ressourcenorientierten Perspektive auf technikinduzierten Tätigkeitswandel könnten Handlungsempfehlungen die graduelle Gestaltbarkeit von Digitalisierungsprozessen und für die Aus- und Weiterbildung abgeleitet werden.

Stichworte

Tätigkeitswandel, Ersetzung/Ergänzung durch Technik, Mensch-Maschine Beziehung, capital-skill complementarity, Substitutionspotenziale

Ebene(n)

Mikro (Beschäftigte), Meso (Betriebe)

Publikationen

Seegers, M.; Ehmann, K. (2021): Arbeitsaufgaben und technischer Wandel: Ein Modell zur Analyse von Substitution und Komplementarität. BIBB Discussion Paper, Version 1.0, Bonn 2021. 
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