Zukunft Holzbau – Qualifizierungswege für nachhaltiges Bauen
Mit dem Leitprojekt „Zukunft Holzbau“ hat das Bildungszentrum Biberach an der Riß die überbetriebliche Aus- und Weiterbildung um moderne Lernkonzepte, digitale Anwendungen und CNC-Technologien erweitert. Ziel war es, die Qualität und Nachhaltigkeit im Holzbau zu steigern.
Ausgangslage
Gefördert vom Bundesbildungsministerium hat sich das Bildungszentrum Biberach – das „Kompetenzzentrum Energiesparender Holzbau“ – mit seinem Leitprojekt „Zukunft Holzbau – Qualifizierungswege für nachhaltiges Bauen“ seinen fachlichen Schwerpunkt weiter ausgebaut. Hierfür war vor allem die Diskrepanz zwischen der damals gültigen Ausbildungsordnung und den zugehörigen Rahmenlehrplänen zu den technischen, ökologischen und organisatorischen Entwicklungen ausschlaggebend. Ausbildungsinhalte, Lernmethoden und Kursstrukturen sollten grundlegend überarbeitet und an die aktuellen Gegebenheiten der Baubranche angepasst werden.
Ziele und Umsetzung
Das vom Bildungszentrum Holzbau Biberach durchgeführte Projekt „Zukunft Holzbau – Qualifizierungswege für nachhaltiges Bauen“ hatte zum Ziel, die bestehenden Aus- und Fortbildungsangebote im Holzbau an die aktuellen und zukünftigen Anforderungen der Baupraxis anzupassen und so deren Qualität zu steigern. Das Projektteam fokussierte sich dazu auf die inhaltliche und strukturelle Weiterentwicklung der Ausbildungsberufe des Bauhauptgewerbes und berücksichtigte insbesondere die fortschreitende Digitalisierung, neue Bauverfahren sowie nachhaltige Werk- und Baustoffe.
Konkret wurden im Projekt neue didaktische Konzepte, Lernmaterialien sowie analoge und digitale Lern- und Detailmodelle (z. B. Referenzgebäude mit digitalen Nachbildungen, Digitalisierung des PRIMO-Baukastensystems) entwickelt, um die Wissensvermittlung praxisnah und nachhaltig zu gestalten. Ergänzend erstellte das Projektteam Online-Lernsequenzen, die den Lernprozess digital unterstützen und selbstständiges und flexibles Lernen ermöglichen. Die inhaltlichen Schwerpunkte der digitalen und analogen Lernangebote umfassten unter anderem:
- den Einbau technischer Bauelemente (Heizung, Lüftung, Sanitär, Elektro, Fenster) in vorgefertigte Wandmodule,
- die (energetische) Sanierung bestehender Fassaden,
- den hybriden und mehrgeschossigen Holzbau,
- bauphysikalische Aspekte wie Brand-, Schall- und Feuchteschutz,
- den Einsatz nachwachsender Roh- und Dämmstoffe sowie Naturbaustoffe,
- die Einbindung alternativer Energiesysteme in die Haustechnik sowie
- die Auswirkungen und positiven Effekte auf den Klimaschutz.
Zentrale Ergebnisse (Überblick)
Folgende Ergebnisse hat das Leitprojekt erzielt:
- Im Leitprojekt wurden die Kursinhalte der überbetrieblichen Ausbildung (ÜBA) modernisiert und erweitert sowie neue Weiterbildungsformate entwickelt. Die Expertise wurde zudem aktiv in die Neuordnung und der Überarbeitung der Rahmenlehrpläne für die Ausbildung zum Zimmerer/ zur Zimmerin eingebracht.
- Das Projektteam hat 47 Online-Lernsequenzen entwickelt (u. a. Lernaufgaben, Youtube-Videos und Quizformate) und diese online frei zugänglich gemacht.
- Das Projektteam hat einen digitalen Kompetenzspeicher, die „kursm.app“, für die überbetriebliche Aus-, Fort- und Weiterbildung entwickelt.
- Das Projektteam hat digitale Werkstattmodelle sowie Virtual-, Augmented- und Extended Reality-Anwendungen in die ÜBA eingeführt (VR, AR, XR).
- Im Projekt wurden Exoskelette in der ÜBA erlebbar gemacht.
- Kursunterlagen wie der „Leitfaden Fenstereinbau im Holzbau“ wurden modernisiert oder neu erstellt, z. B. zum Thema mehrgeschossiges Bauen.
Sehen Sie die wichtigsten Meilensteine des Leitprojekts im Imagefilm.
Im Interview: Podcast
Ergebnisse im Detail
Die Kurse der überbetrieblichen Ausbildung (ÜBA) wurden im Hinblick auf die kommende Neuordnung der Bauberufe modernisiert und neue Kursinhalte (z. B. zur energieeffizienten Fassadenmodernisierung, zum Holz-Beton-Verbund oder zum Bauelementeinbau) entwickelt. Dazu hat das Projektteam die notwendigen Kursunterlagen, unter Nutzung umfassender Medientechnologie (z. B. Aufnahmestudio, Mixed-Reality-Brillen) erstellt sowie die erforderlichen Arbeitsmittel, Maschinen (z. B. CNC-Fräsen, Baukran) etc. beschafft. Lernunterlagen wurden in ein querformatiges Layout überführt, um eine optimale Nutzung auf Bildschirmen zu gewährleisten, und über die kursm.app (s. unten) digital bereitgestellt. Außerdem wurden sie mit QR-Codes versehen, die die Lernenden direkt zu den passenden Online-Lernsequenzen und 3D-Modellen in der WebXR-Anwendung (s. unten) führen. Damit wird ein geschlossener digitaler Lernprozess ermöglicht.
Zudem wurden auch neue Weiterbildungsformate entwickelt und umgesetzt, z. B. das berufsbegleitende Seminar „Biberacher Holzbau Konstrukteur“ und das Seminar zur „Seriellen Sanierung“. Beide Angebote dienen der gezielten Weiterqualifizierung von Fachkräften im Holzbau. Die Seminare sollen den steigenden Anforderungen durch moderne Bauweisen, digitale Planungsprozesse und komplexe Projektabläufe begegnen.
Das Projektteam hat insgesamt 47 Online-Lernsequenzen (OLS) erstellt. Sie dienen der Vor- und Nachbereitung von Kursen und Seminaren sowie der begleitenden Wissensvermittlung während der Lehrveranstaltungen. Die Themen der OLS sind breit gefächert und reichen über Dachformen, Schallschutz, Gebäudeklassen bis hin zu Drohnenanwendung und Holzrahmenbau. Die Lernenden können mit den OLS individuell, orts- und zeitunabhängig üben. Die verschiedenen Formate – Video, Bild, Ton, Planunterlagen, 2D- und 3D-Elemente – sprechen dabei unterschiedliche Lernstile und Lerngeschwindigkeiten an.
Alle OLS sind online frei verfügbar und können auf sämtlichen Endgeräten abgespielt werden.
Zu den OLS im Tool Online lernen
Die OLS, die kursm.app und die WebXR-Anwendung stellte das Projekt auf der Veranstaltung „Digitale Tools in der ÜBA“ vor. Weitere Informationen, inkl. Präsentationen und Videomitschnitte, finden Sie in unserer Veranstaltungsdoku Digitale Tools in der ÜBA und den Mitschnitten der Veranstaltung

© Bildungszentrum Biberach
Mit der „kursm.app“ entwickelte das Projektteam einen plattformunabhängigen digitalen Kompetenzspeicher für die Lernenden. In der browserbasierten Anwendung können die Nutzerinnen und Nutzer für die Aus-, Fort- und Weiterbildung relevante Materialien und Unterlagen ablegen und verwalten. Zudem können sie über die „kursm.app“ Termine organisieren und auf alle wichtigen Lerninhalte zugreifen, z. B. auf die Online-Lernsequenzen, das digitale Berichtsheft BLok oder auf (selbst angelegtes) Fachwissen. Gespeist wird das Tool einerseits von den Ausbilderinnen und Ausbildern des Bildungszentrums, andererseits können die Nutzerinnen und Nutzer auch eigene Dokumente hochladen.
Die „kursm.app“ muss nicht installiert und kann auf allen Endgeräten genutzt werden. Alle Daten werden sicher auf Servern in Deutschland gespeichert. Beim Wettbewerb „Auf IT gebaut 2026“ wurde die kursm.app mit dem 3. Platz in der Kategorie „Handwerk und Technik“ prämiert.
„WebXR“ ist eine Extended-Reality-Anwendung, die über die kursm.app verwaltet wird und damit ebenfalls browserbasiert – ohne zusätzliche Soft- Hardware – funktioniert. Sie ermöglicht Ausbildenden wie Auszubildenden je nach Endgerät die Darstellung bereitgestellter oder selbst erstellter 3D-Modelle in Virtual Reality (VR), Augmented Reality (AR) oder Mixed Reality (MR). Ausbildende können mit der Anwendung sowie einer CAD- und CAM-Software eigenständig komplette Lernszenarien erstellen und den Lernenden bereitstellen. Die Auszubildenden können dagegen ihre selbst gebauten Werkstattmodelle mit den digitalen Varianten vergleichen. Zudem können die Modelle nicht nur betrachtet, sondern auch geteilt und kommentiert werden.
Mit der WebXR-Anwendung hat das Bildungszentrum Holzbau den Immersive Learning Award 2025 gewonnen.
zum Artikel auf bibb.de
Eng verknüpft mit der WebXR-Anwendung ist das Teilprojekt „Referenzgebäude“. Hierbei wurde ein bereits bestehendes analoges Referenzgebäude um acht digitale Nachbildungen, sogenannte digitale Zwillinge, ergänzt. Die digitalen Zwillinge bilden das bestehende Referenzgebäude maßstabsgetreu und in allen Details ab. Zudem wurden sie in Virtual- und Augmented-Reality-Formate überführt, sodass Auszubildende das Gebäude immersiv erkunden können.
Das Zusammenspiel aus analogem und digitalem Modell ermöglicht eine ganzheitliche Darstellung des Bauprozesses – vom digitalen Aufmaß über die Modellierung bis hin zum realen Bauzustand. Damit können Lernende den kompletten Workflow praxisnah nachvollziehen und den direkten Bezug zwischen realer Baupraxis und digitaler Planung erfahren.
Ebenfalls im Bereich der digitalen Werkstattmodelle ist die Digitalisierung des PRIMO-Baukastensystems zu PRIMO-3D und PRIMO-4D anzusiedeln. „PRIMO“ kommt häufig in Neubau- und Modernisierungskursen zum Einsatz. Dabei handelt es sich um einen Modellbauwagen, über den Dach-, Wand oder Deckenaufbauten aufgebaut werden können – nun auch digital in PRIMO-3D. Erstellte Aufbauten können schließlich in PRIMO-4D in verschiedenen Szenarien miteinander verschnitten werden, z. B. Übergänge an Ecken Schicht für Schicht geplant werden. „PRIMO“ ist ein etabliertes Lernmedium, das seit der Weiterentwicklung des Bildungszentrum Biberach zum „Kompetenzzentrum Energiesparender Holzbau“ Bestandteil der ÜBA ist.
Mehr zu PRIMO
Die Online-Lernsequenzen, die kursm.app und die WebXR-Anwendung stellte das Projekt auf der Veranstaltung „Digitale Tools in der ÜBA“ vor. Weitere Informationen, inkl. Präsentationen und Videomitschnitte, finden Sie in unserer Veranstaltungsdoku Digitale Tools in der ÜBA und den Mitschnitten der Veranstaltung
Das Heben von schweren Lasten oder Tätigkeiten, bei denen Personen lange über Kopf oder nach vorne gebeut arbeiten, beanspruchen den Körper und sind auf dem Bau keine Seltenheit. Exoskelette können hier sinnvoll unterstützen und ergonomisches Arbeiten ermöglichen. Sie können dabei helfen, die Belastung stark beanspruchter Körperregionen zu reduzieren, physische Ermüdung zu verzögern oder die Körperhaltung optimieren. Das Projektteam hat diverse Exoskelette mittels verschiedener Anwendungsfälle (Zimmerer/Zimmerin; Holzbau) in den Werkstätten der überbetrieblichen Aus-, Fort- und Weiterbildung erlebbar gemacht.
Zum Beitrag Exoskelette am Bau – ein Einblick für Auszubildende

© Bildungszentrum Biberach
Das Projektteam hat zahlreiche Kursunterlagen gesichtet, überarbeitet oder neu entwickelt. Besonders hervorzuheben dabei ist der neue Leitfaden Fenstereinbau im Holzbau, der die wichtigsten Hinweise und Vorgaben zum Fenstereinbau in Holzbauwänden praxisnah zusammenfasst. Er ist sowohl für Neubauten als auch Sanierungen interessant.