Marokko: Faire Migration durch Anerkennung der Qualifikation
Im Rahmen der Kooperation mit der GIZ hat das BIBB in Marokko über Einwanderungsmöglichkeiten und die Anerkennung von Berufsqualifikationen informiert. Ziel ist es, Verfahren transparenter zu machen und Strukturen weiter zu stärken.
Zum zweiten Mal in zwei Jahren informierte der Arbeitsbereich 3.3 als Informations- und Fachstelle zur Berufsanerkennung in Marokko über die verschiedenen Möglichkeiten der Einwanderung nach Deutschland für beruflich qualifizierte Personen.
Im Rahmen der aktuellen Kooperation zwischen dem BIBB und dem GIZ-Vorhaben THAMM Plus tauschte man sich mit der Berufsbildungsagentur OFPPT, der Arbeitsverwaltung ANAPEC und dem Ministerium für wirtschaftliche Integration und Beschäftigung MIEPEEC aus.
Fokusland der Fachkräftegewinnung
Marokko ist seit mehreren Jahren ein enger Kooperationspartner Deutschlands im Bereich der Fachkräfteeinwanderung. Auch vor dem Hintergrund der Tatsache, dass der UN-Migrationspakt 2018 in Marrakesch unterzeichnet wurde, überrascht es nicht, dass Marokko und Deutschland 2024 eine Migrationspartnerschaft vereinbart haben, die seitdem vertieft wurde. Diese Partnerschaft steht im Einklang mit den migrationspolitischen Prioritäten der Europäischen Union sowie mit den entwicklungspolitischen Zielen der Bundesregierung im Bereich regulärer und fairer Arbeitsmigration. In diesem Rahmen spielt insbesondere die Verfestigung der Strukturen für eine geregelte Arbeits- und Ausbildungsmigration aus Marokko nach Deutschland eine zentrale Rolle.
Die Statistiken belegen eine dynamische Entwicklung: 2024 stieg Marokko als Herkunftsland von Berufsqualifikationen bei Verfahren zur Anerkennung ausländischer Berufsqualifikationen erstmals in die TOP 10 auf. Auch im Bereich von Auszubildenden, die zielgerichtet für eine Ausbildung nach Deutschland kommen, ist Marokko seit mehreren Jahren unter den häufigsten Herkunftsstaaten.
Mit den Vorhaben THAMM Plus sowie den Zentren für Migration und Entwicklung (ZME) schafft die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) Blaupausen für nachhaltige Rahmenbedingungen und faire Prozesse für die selbstgesteuerte Erwerbsmigration. Dabei übernimmt die GIZ in Marokko eine strategische Rolle als Vermittlerin zwischen politischen Prioritäten auf deutscher und europäischer Ebene und den zuständigen Institutionen im Partnerland und fungiert als institutionelle Schnittstelle zwischen Arbeitsmarkt-, Berufsbildungs- und Migrationsakteuren. Seit 2024 berät das Projekt ProRecognition in Marokko vor Ort zur Anerkennung.
Nach langjährigem Austausch zwischen BIBB und dem Vorgängervorhaben THAMM bzw. dem aktuellen Vorhaben THAMM Plus wurde die Zusammenarbeit im Dezember 2025 durch eine formale Kooperation verfestigt, bei der das BIBB die GIZ in Ägypten, Marokko und Tunesien zu verschiedenen Möglichkeiten der Optimierung der Anerkennung in Deutschland berät. Das Projekt THAMM Plus wird vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) und von der Europäischen Union (EU) ko-finanziert.
Partnerschaft zur Fachkräftesicherung zwischen Niedersachsen und der Region Tanger – Tétouan – Al Hoceïma
Vom 26. bis 30. Januar fand in Tanger außerdem eine von der GIZ organisierte Themenwoche zum einjährigen Bestehen der Partnerschaft zwischen der deutschen und marokkanischen Region statt. Das Programm reichte von thematischen Panels über Besuche in Berufsbildungseinrichtungen zu gemeinsamen Austauschformaten zur weiteren Ausgestaltung der Partnerschaft. Zu Beginn ihrer Reise konnten sich Frau Rohr und Herr Studthoff im Rahmen der Themenwoche mit den Akteuren aus Niedersachsen und der Region TTA vernetzen und zu Erfahrungen aus der Praxis austauschen.
Austausch mit marokkanischen Akteuren der Berufsbildung und Karriereberatung
Im zweiten Teil der Reise trafen sich die BIBB-Experten Nora Rohr und Alexander Studthoff im Rahmen der Kooperation mit THAMM Plus in mehreren Terminen mit Vertreterinnen und Vertretern des Office de la formation professionnelle et de la promotion du travail (OFPPT), der Agence Nationale de Promotion de l'Emploi et des Compétences (ANAPEC) sowie des Ministère de l'Inclusion économique, de la Petite Entreprise, de l'Emploi et des Compétences (MIEPEEC) in Casablanca und Rabat.
Ein Schwerpunkt der Austauschtreffen lag auf den verschiedenen Zuwanderungsmöglichkeiten nach Deutschland für Personen mit Berufsqualifikationen, immer mit den Kernfragen: Welche mittel- und langfristigen Vorteile bietet die Anerkennung der Berufsqualifikationen in Deutschland? Und wie können interessierte Personen in Marokko frühzeitig darüber informiert werden?
Im Austausch mit dem OFPPT in Casablanca lag ein Fokus auf der Bedeutung des deutschen Berufsbildungssystems mit seinen beruflichen Standards sowie der Rolle des BIBB innerhalb dieses Systems. Da das OFPPT auch die Umsetzung beruflicher Bildung in Marokko verantwortet, lag ein Interessenschwerpunkt auf den Aufgaben des BIBB, Prozessen zur Modernisierung von Berufen und Möglichkeiten vertiefter Zusammenarbeit der beiden Institutionen. Der Austausch wird durch mehrere Online-Schulungen des BIBB für die Berufsberatenden der OFPPT fortgeführt, die künftige Absolventinnen und Absolventen zu Karrieremöglichkeiten – bei Interesse auch in Deutschland – beraten sollen.
Ebenfalls in Casablanca fand der Termin in der Zentrale der ANAPEC statt. Vor dem Hintergrund der engen Zusammenarbeit von GIZ sowie Bundesagentur für Arbeit mit der ANAPEC hat diese schon zahlreiche Erfahrungen in der Vermittlung von marokkanischen Auszubildenden und Fachkräften nach Deutschland gesammelt. Ein zentrales Thema des Austauschs: Aus Marokko kommen viele Auszubildende nach Deutschland. Auch wenn die Visa-Zahlen in Marokko für Fachkräfte oder Verfahren zur Anerkennung ausländischer Berufsqualifikationen in den letzten Jahren ebenfalls stark zugenommen haben, identifizierte man gemeinsam Handlungsbedarf, um schon qualifizierte Personen aus Marokko frühzeitig und gezielt über die Möglichkeiten zur Anerkennung dieser Qualifikation zu informieren. Auch mit der ANAPEC werden deshalb Online-Schulungen stattfinden, damit die Berufs- und Karriereberater/-innen schon in Marokko noch besser über die Möglichkeiten und Voraussetzungen der Anerkennung in Deutschland informieren können.
Abschließend tauschte man sich im MIEPEEC in Rabat ebenfalls zu zentralen rechtlichen Aspekten des deutschen Fachkräfteeinwanderungsgesetzes im Bereich von Berufsqualifikationen aus und erläuterte die weitere Zusammenarbeit mit OFPPT und ANAPEC für die digitalen Schulungen. Für die Mitarbeiter/-innen des Ministeriums waren insbesondere Aspekte der Governance zum Berufsbildungssystem Deutschlands mit seiner föderalen Prägung und entsprechende Auswirkungen auf Fragen der Anerkennung und Fachkräfteeinwanderung von Interesse.
Wie geht es weiter?
Bei den Terminen stellte man fest, dass die verschiedenen Möglichkeiten der nachhaltigen Einwanderung und Integration für qualifizierte Personen aus Marokko noch bekannter gemacht werden sollen. Dazu werden insbesondere die im Rahmen der Kooperation mit THAMM Plus umgesetzten digitalen Schulungen des BIBB für OFPPT und ANAPEC beitragen.
Insgesamt ließ sich in Marokko eine große wirtschaftliche Dynamik beobachten, die sich auch auf die Ausgestaltung der dortigen beruflichen Qualifizierung auswirkt. Im Rahmen der vertieften Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Marokko im Bereich der Fachkräfteeinwanderung bietet sich daher auch ein verstärkter Austausch zur Berufsausbildung an.