Green Skills in Lagos
BIBB unterstützt die Qualifizierung von Ausbildungspersonal
15.06.2026
Nigeria befindet sich in einer ökologischen Transformation: Experten des BIBB haben Ausbildungspersonal zu Green Skills geschult, um das nigerianische Berufsbildungssystem auf diese Herausforderungen vorzubereiten.
Im Rahmen des GIZ-Projekts Skills and Youth Employment (SKYE) in Nigeria haben BIBB-Expertinnen und -Experten in Lagos die erste Kohorte von Ausbildenden für Green-Skills-Kurse qualifiziert — bevor das Thema am darauffolgenden Tag auf einer nationalen Berufsbildungskonferenz eine breitere Bühne erhielt.
Nigeria befindet sich mitten in einem grünen wirtschaftlichen Wandel. Industrien passen sich an, Berufsbilder verändern sich, und die Nachfrage nach Fachkräften mit grünen Kompetenzen wächst — in der Bauwirtschaft, im verarbeitenden Gewerbe, im Energiesektor und darüber hinaus.
Um das Berufsbildungssystem auf diese Anforderungen vorzubereiten, braucht es nicht nur neue Curricula, sondern vor allem Ausbildungspersonal, das diese sicher und kompetent vermitteln kann. Anfang Juni hat das BIBB einen wichtigen Schritt nach vorn gemacht.
Ein Meilenstein: Vom Curriculum in die Praxis
In den vergangenen sechs Monaten hat das BIBB das GIZ-SKYE-Projekt in Nigeria dabei unterstützt, einen Basismodulkurs zu Green Skills an den nigerianischen TVET-Kontext anzupassen. Der Kurs umfasst drei Module:
- effizienter Einsatz von Ressourcen und Energie,
- Abfallmanagement sowie
- der sachgerechte Umgang mit Gefahrstoffen.
Anschließend wurde die erste Gruppe von Ausbildenden auf die Kursdurchführung vorbereitet:
Am 8. und 9. Juni 2026 führten die BIBB-Experten Luca Jelic und Michael Schwarz in Lagos einen zweitägigen Train-the-Trainer-Workshop durch. 18 Teilnehmende aus TVET-Einrichtungen und anderen Ausbildungsinstitutionen in Nigeria nahmen daran teil — ein Meilenstein, der den Übergang von der Curriculumentwicklung zur praktischen Umsetzung markiert.
Lernen durch Tun und Unterrichten – die Schneeballmethode
Der Workshop war bewusst auf aktive Beteiligung ausgerichtet.
Am ersten Tag schlüpften die Teilnehmenden in die Rolle der Lernenden und erlebten die Kursmethoden und -übungen aus erster Hand. Am zweiten Tag wechselte die Perspektive: Die Teilnehmenden übernahmen die Rolle der Ausbildenden, bereiteten kurze Lehrproben vor und führten diese vor ihren Peers durch.
Zu den erprobten Methoden gehörte die Schneeballmethode — ein strukturiertes Gruppengesprächsformat, bei dem die Teilnehmenden zunächst einzeln arbeiten, dann in Zweier- und anschließend in größeren Gruppen, um die Ergebnisse schrittweise weiterzuentwickeln, bevor sie im Plenum präsentiert werden. Diese methodische Herangehensweise wurde zu einem der Höhepunkte der zwei Tage: Sie erzeugte Energie, brachte zurückhaltendere Teilnehmende ins Gespräch und lieferte reichhaltigere Ergebnisse als eine herkömmliche Gruppenarbeit.
Ein weiterer Höhepunkt war eine praktische Erkundung des Veranstaltungsgebäudes. Aufgeteilt in zwei Gruppen untersuchten die Teilnehmenden das Gebäude auf seinen Energie- und Wasserverbrauch, sowie auf seine Abfallmanagementpraktiken . Die Ergebnisse waren konkret und praxisnah — und mündeten in handfeste Empfehlungen an das GIZ-Team vor Ort.
„Sie haben viel gearbeitet", so Michael Schwarz. „Und genau das war das Ziel."
Green Skills auf der Konferenzbühne
Einen Tag nach dem Workshop betraten vier der frisch ausgebildeten Trainer/-inneneine größere Bühne. Im Rahmen einer nationalen TVET-Konferenz nahmen sie an einer Paneldiskussion in der Session „Green Jobs for Inclusive Economic Growth: Trends, Projections and Skill Implications for Nigeria" teil.
Das BIBB-Team eröffnete die Session mit einem Input zu
- globalen Qualifizierungs- und Umschulungsbedarfen,
- den klimapolitischen und wettbewerblichen Argumenten für Green Skills sowie
- Projektionen darüber, wie sich Berufe im Zuge der grünen Wirtschaft verändern werden — mit Blick auf Deutschland als Referenzpunkt.
Abschließend wurde der Basismodulkurs vorgestellt.
In der anschließenden Paneldiskussion standen einige der drängendsten Fragen im Mittelpunkt, mit denen Nigerias Berufsbildungssystem konfrontiert ist:
- Warum sind Green Skills im nigerianischen Kontext relevant?
- Wie lässt sich ein solcher Kurs in bestehende Curricula integrieren?
- Welchen konkreten Nutzen haben Einzelpersonen und Unternehmen davon?
Zum Nutzen äußerten sich die Podiumsteilnehmenden klar: Für Einzelpersonen verbessern Green Skills die Beschäftigungsfähigkeit auf einem Arbeitsmarkt, auf dem die Nachfrage nach diesen Kompetenzen wächst. Für Unternehmen schlägt sich eine Belegschaft, die in Ressourceneffizienz, Abfallreduzierung und im sicheren Umgang mit Gefahrstoffen geschult ist, direkt in gesteigerter Wettbewerbsfähigkeit nieder.
Zur Frage der Bereitschaft fasste eine Teilnehmerin die Stimmung mit charakteristischer Deutlichkeit zusammen: „Wir sind bereit. Aber wir brauchen die richtige Ausbildungsinfrastruktur und eine bessere Verzahnung zwischen dem, was wir lehren, und dem, was Unternehmen tatsächlich brauchen."
Ausblick: Vom Pilotversuch zur landesweiten Integration
Der in Lagos erzeugte Schwung soll nicht dort verbleiben: Der Basismodulkurs zu Green Skills soll voraussichtlich als Kompetenzeinheit in Curricula und Berufsstandards integriert werden, die derzeit in Nigeria überarbeitet werden. Geplant ist zunächst ein Pilotprojekt in ausgewählten Bundesstaaten, dem bei Erfolg eine bundesweite Ausweitung folgen soll — ein gestuftes Vorgehen, das sowohl den Anspruch des Programms als auch die Komplexität einer nachhaltigen Verankerung in bestehende Strukturen widerspiegelt.
Für das BIBB ist der Workshop in Lagos Teil eines langfristigen Engagements zur Unterstützung des nigerianischen Berufsbildungssystems in einem entscheidenden Moment. Wenn Green Skills den Weg von der bildungspolitischen Absicht zur Ausbildungsrealität finden sollen, sind gut vorbereitete, kompetente Ausbildende der unverzichtbare erste Schritt.
Die BIBB-Experten beraten im Rahmen des GIZ-Projekts „Skills and Youth Employment“ (SKYE) in Nigeria von September 2025 bis Oktober 2026.