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Umsteigen: Vom Studienausstieg zum Berufsabschluss

Unter reziproker Durchlässigkeit wird die Möglichkeit des wechselseitigen Übergangs zwischen beruflicher und akademischer Bildung verstanden. Dabei gewinnen auch Formen des Übergangs von der akademischen in die berufliche Bildung zunehmend an Bedeutung.

Inzwischen beginnen nahezu 50 Prozent einer Alterskohorte ein Studium. Auch wenn die Studienabbruchquoten für Bachelorstudierende in Deutschland mit rund 29 Prozent in den letzten Jahren stabil bleiben, weisen sie doch darauf hin, dass die Aufnahme eines Studiums nicht immer die individuell optimale Wahl zu sein scheint. Es stellt sich die Frage, welche Optionen Studienzweifelnde bzw. Studienabbrecherinnen und Studienabbrecher haben, in eine berufliche Ausbildung zu wechseln und inwiefern sie dabei unterstützt werden.

Zudem entscheiden sich viele Hochschulabsolventinnen und -absolventen nach dem Studium nicht für eine wissenschaftliche Karriere, sondern schlagen andere berufliche Wege ein. Eine kontinuierliche Weiterbildung im Zuge der beruflichen Laufbahn ist dabei heute unabdingbar. Dementsprechend sind ebenfalls Übergangswege zu beleuchten, die im Anschluss an das Studium eine berufliche Aufstiegsfortbildung ermöglichen.

Übergänge für Studienzweifler/-innen bzw. Studienabbrecher/-innen

Aus formaler Perspektive ist ein Wechsel von Studienabbrecherinnen und -abbrechern in Angebote der beruflichen Bildung weitestgehend unproblematisch. So ist i. d. R. davon auszugehen, dass Studierende die Voraussetzungen für die Aufnahme einer dualen oder schulischen Ausbildung erfüllen. Dazu kommt, dass es für Studienabbrecher/-innen besondere Verkürzungs- und Anrechnungsmöglichkeiten in der beruflichen Aus- und Fortbildung gibt. So können unter bestimmten Voraussetzungen schulische und akademische Vorleistungen berücksichtigt werden. Im Detail werden die verschiedenen Möglichkeiten im Berufsbildungsgesetz (BBiG) und in der Handwerksordnung (HwO) geregelt.

Neue Wege in der beruflichen Bildung: Chancen für Studienabbrecher/-innen

In vielen Regionen wurde das Potenzial von Studienzweifelnden bzw. Studienabbrecherinnen und -abbrechern für die regionale Wirtschaft erkannt. Studienabbrecher/-innen sind zunehmend bei Unternehmen, z. B. als zukünftige Führungskräfte, gefragt. Daher haben es sich verschiedene Programme zur Aufgabe gemacht, Studienzweifelnde durch fachkundige Beratung in der Region zu unterstützen.

JOBSTARTER plus rückt die Zusammenführung von Studienabbrecher/-innen und KMU in den Fokus. Ziel der Aktivitäten ist es, den jungen Erwachsenen die vielfältigen Möglichkeiten aufzuzeigen, die ihnen eine duale Berufsausbildung bietet.

Das Online-Portal „Studienabbruch – und dann?“ bietet die Möglichkeit, die eigene Entscheidungsfindung systematisch anzugehen. Zudem wird eine Datenbank mit regionalen Beratungs- und Vermittlungsstellen zur Verfügung gestellt.

Die Entscheidung für einen Studienabbruch ist für den Einzelnen nicht einfach. Besonders drängend stellt sich die Frage, was danach kommt. Abseits eines Studienfachwechsels stellt der Beginn einer beruflichen Ausbildung eine interessante Alternative zum Studium dar. Dies zeigen auch aktuelle Erhebungen: Ein halbes Jahr nach Exmatrikulation haben insgesamt 43 Prozent der Studienabbrecherinnen und -abbrecher eine Berufsausbildung aufgenommen1. Allerdings ist aus der bisherigen Forschung wenig über die Perspektive von Studierenden auf die berufliche Bildung bekannt. Dieser Lücke in der bisherigen Forschung widmet sich die wissenschaftliche Arbeit des BIBB zur Attraktivität der beruflichen Bildung bei Studierenden. So zeigen die Ergebnisse beispielsweise, dass ein Großteil der Studienzweifelnden im Falle eines Studienabbruchs eher unmittelbar in den Arbeitsmarkt einmünden und eine Beschäftigung aufnehmen würde, als über eine duale Ausbildung einen ersten berufsqualifizierenden Abschluss zu erwerben.

Attraktivität der beruflichen Bildung bei Studierenden

Wie bewerten Studierende als potenzielle Zielgruppe der beruflichen Bildung das Image des deutschen Berufsbildungssystems? Wie attraktiv sind betriebliche Aus- und Weiterbildungsangebote für die individuellen Bildungsbiografien der Studierenden? Diesen und weiteren Fragen wurde im Rahmen einer repräsentativen Studie, die 2015 vom Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) in Kooperation mit der Maastricht University durchgeführt wurde, empirisch nachgegangen.

Das BIBB hat hierzu das Wissenschaftliche Diskussionspapier "Attraktivität der beruflichen Bildung bei Studierenden" (Heft-Nr.: 183) veröffentlicht.

Aufstiegsfortbildung nach dem Bachelorstudium

Der Übergang in eine Aufstiegsfortbildung im Anschluss an ein Bachelorstudium wird aktuell kaum diskutiert. Es gibt aber Indizien dafür, dass dieser Option in Zukunft mehr Bedeutung zukommen wird. Auch wenn aktuell noch etwa zwei Drittel der Bachelorabsolventinnen und -absolventen direkt im Anschluss ein Masterstudium beginnen, so ist davon auszugehen, dass zukünftig der direkte Einstieg in eine berufliche Tätigkeit nach dem Bachelor zur Regel wird. Im angelsächsischen Raum entscheiden sich viele nach dieser ersten Praxisphase für die Aufnahme eines Masterstudiums. In Deutschland wiederrum stellt eine Aufstiegsfortbildung aufgrund ihrer Praxisnähe (im Vergleich zum Masterstudium) eine attraktive Alternative der beruflichen Weiterbildung dar.

Staatlich anerkannte Fortbildungen sind bundeseinheitlich im Sinne des Berufsbildungsgesetzes (BBiG) über Fortbildungsordnungen geregelt. Da Aufstiegsfortbildungen zumeist auf entsprechenden Ausbildungsberufen des dualen Systems aufbauen, wird praktisch eine fachliche Nähe von Studienfach und Fortbildung vorausgesetzt. Ferner verlangt die Aufnahme einer Aufstiegsfortbildung in einigen Fällen eine einschlägige Berufserfahrung (mind. 1 Jahr).

Als bildungspolitisches Signal der zunehmenden Relevanz des Übergangs von der akademischen in die berufliche Bildung wird die Modernisierung des Aufstiegsfortbildungsförderungsgesetzes (AFBG) angesehen. Eine finanzielle Förderung der Aufstiegsfortbildung über das sog. „Meister-BAföG“ konnten bis dato nur Personen mit abgeschlossener Berufsausbildung beantragen. Seit 1. August 2016 haben auch Bachelorabsolventinnen und -absolventen grundsätzlich die Möglichkeit, sich staatlich gefördert auf einen beruflichen Fortbildungsabschluss (z. B. Meister, Techniker) vorzubereiten. Voraussetzung ist, dass der Bachelorabschluss der höchste erworbene akademische Abschluss ist.

Aufstiegsfortbildungen in Deutschland

Das Angebot an Aufstiegsfortbildungen nimmt immer mehr zu. Anbieter sind neben den Kammern (IHK, HWK, LWK) insbesondere Fachschulen und Fachakademien. Inzwischen werden Aufstiegsfortbildungen aber auch von staatlichen oder privaten Hochschulen sowie freien Bildungsdienstleistern angeboten.

Weiterführende Informationen zu anerkannten Aufstiegsfortbildungen bietet das Portal des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB).

Attraktivität der beruflichen Bildung bei Studierenden: Ergebnisse einer bundesweiten Erhebung

Bergerhoff, Jan N.; Hemkes, Barbara; Seegers, Philipp K.; Wiesner, Kim-Maureen | Bonn. - (2017) - ISBN: 978-3-945981-75-7 | 2017

Durchlässigkeit im Bildungssystem – Möglichkeiten zur Gestaltung individueller Bildungswege

Vogel, Christian | 2017

Informationen aus dem BIBB. Bundesinstitut für Berufsbildung (Hrsg.). Bonn. - (2017)

Durchlässigkeit in der beruflichen Bildung

Heister, Michael; Hemkes, Barbara; Wilbers, Karl (Hrsg.) | 2017

Studienzweifelnde und ihre Sicht auf die berufliche Bildung: Ergebnisse einer Studierendenbefragung

Hemkes, Barbara; Wiesner, Kim-Maureen | 2016

Berufsbildung in Wissenschaft und Praxis : BWP. - 45 (2016), H. 3, S. 18-21

Attraktivität der dualen Berufsausbildung aus Sicht von Studierenden – Ergebnisse einer Online-Befragung

Hemkes, Barbara; Wiesner, Kim-Maureen | 2016 | Datenreport zum Berufsbildungsbericht 2016 – Informationen und Analysen zur Entwicklung der beruflichen Bildung / Bundesinstitut für Berufsbildung [Hrsg.]. Bonn. - (2016), S. 402-408

Information und Beratung von Studienabbrechern und Studienabbrecherinnen zum Übergang von der Hochschule in die duale Berufsausbildung

Wiesner, Kim-Maureen | 2016 | Datenreport zum Berufsbildungsbericht 2016 – Informationen und Analysen zur Entwicklung der beruflichen Bildung / Bundesinstitut für Berufsbildung [Hrsg.]. Bonn. - (2016), S. 416-418

  • 1 HEUBLEIN, Ulrich u. a.: Zwischen Studienerwartungen und Studienwirklichkeit: Ursachen des Studienabbruchs, beruflicher Verbleib der Studienabbrecherinnen und Studienabbrecher und Entwicklung der Studienabbruchquote an deutschen Hochschulen. Forum Hochschule 1/2017, S. 2017