X

Sie verwenden einen veralteten Browser, mit dem nicht alle Inhalte des Internetauftritts www.bibb.de korrekt wiedergegeben werden können. Um unsere Seiten in Aussehen und Funktion in vollem Umfang nutzen zu können, empfehlen wir Ihnen, einen neueren Browser zu installieren.

Studium und Beruf kombinieren

Duale Studiengänge stellen derzeit das bekannteste hybride Bildungsformat dar, das eine curriculare Verbindung von Hochschulbildung und betrieblichen Lernphasen schafft.

Als duales Studium wird ein Studium an einer Hochschule (Fachhochschule oder Universität) oder Berufsakademie mit integrierter Berufsausbildung bzw. Praxisphasen in einem Unternehmen bezeichnet. Damit haben Hochschulen (Aus Gründen der besseren Lesbarkeit werden alle Hochschultypen und die Berufsakademien sprachlich unter dem Begriff „Hochschule“ zusammengefasst) und Praxispartner ein Format etabliert, das den Erwerb von wissenschaftlichen mit berufspraktischen Kompetenzen verbindet. Es werden vier Formate unterschieden: in der beruflichen Erstausbildung das ausbildungsintegrierende und praxisintegrierende Format und in der beruflichen Weiterbildung das praxisintegrierende und berufsintegrierende Format. Von klassischen Studiengängen unterscheidet es sich insbesondere durch den verstärkten Praxisbezug. Kennzeichnend ist außerdem, dass das duale Studium mindestens an zwei Lernorten – Hochschule und Betrieb – stattfindet.

Relevanz dualer Studiengänge für die Berufsbildung und im Durchlässigkeitskontext

Lange Zeit herrschte eine strikte Trennung akademischer und beruflicher Bildungswege in Deutschland. Im Zuge der verstärkten Bemühungen um ein durchlässigeres Bildungssystem entstehen neue Bildungsformate, die akademische und berufliche Bildungswege miteinander verknüpfen (sog. hybride Bildungsformate), so z. B. duale Studiengänge. Die zunehmende Beliebtheit dualer Studiengänge bei Studierenden, Unternehmen und Hochschulen hat wiederum eine wachsende Integration betrieblicher Bildung in die Hochschulen zur Folge.

Das Fachportal „AusbildungPlus“

Das BIBB stellt mit dem datenbankbasierten Informationssystem „AusbildungPlus“ Informationen zu den Themen „duale Studiengänge“ und „Zusatzqualifikationen in der beruflichen Erstausbildung“ bereit. Kernstück des Fachportals ist eine umfangreiche Datenbank, die fortlaufend aktualisiert wird. Das Fachportal bietet seit 2001 einen Überblick über bundesweite Ausbildungsangebote mit Zusatzqualifikationen und dualen Studiengängen. Der Datenbestand in der „AusbildungPlus“-Datenbank umfasst auch private Hochschulen und Berufsakademien, die in anderen Statistiken nicht erfasst werden. Das besondere Merkmal von „AusbildungPlus“ ist, dass sowohl der Lernort Hochschule als auch der Lernort Betrieb abgebildet werden. Die Nutzerinnen und Nutzer erhalten bei den Suchmöglichkeiten detaillierte Informationen von den anbietenden Hochschulen darüber hinaus analog von den kooperierenden Betrieben/Praxiseinrichtungen. „AusbildungPlus“ liefert bundesweit die umfassendsten Daten über das bestehende Angebot an dualen Studiengängen. Die Erfassung beruht auf freiwilligen Angaben der Anbieter. Daher ist der Anspruch auf eine Vollerhebung der dualen Studiengänge in Deutschland zwar nicht erfüllt, jedoch ist die Auswertung der Daten als Indikator für die Entwicklungen für das duale Studium zu sehen.

Aktuelle Datenlage

Verteilung dualer Studienformate der Erstausbildung bis 2016

Seit 2014 konzentriert sich die jährliche Auswertung der Datenbank „AusbildungPlus“ im BIBB auf den erstausbildenden Bereich. Die Auswertung bezieht sich demzufolge auf die ausbildungs- und praxisintegrierenden Studienangebote, inklusive umfassender Informationen zu den Studiengängen sowie den jeweiligen Kooperationsunternehmen.Von den in der Datenbank „AusbildungPlus“ insgesamt erfassten 1.592 dualen Studiengängen für den Bereich Erstausbildung im Jahr 2016 (Stichtag: Januar 2017) zählen 565 Studiengänge zum ausbildungsintegrierenden Format, 805 Studiengänge zum praxisintegrierenden Format und 222 Studiengänge, die sich verschiedenen Formaten zuordnen lassen (sog. Mischformen).2016 hat die Anzahl der in der Datenbank „AusbildungPlus“ erfassten dual Studierenden die 100.000er-Marke erreicht: Seit dem Jahr 2004 ist diese Zahl beginnend mit rund 41.000 Studierenden kontinuierlich gestiegen. In der letzten Aktualisierungsrunde der Datenbank (Oktober 2016 bis Januar 2017) gaben die Hochschulen über 47.000 Kooperationsunternehmen an, die das duale Studium unterstützen. Die Zahl der dualen Studiengänge hat sich von rund 500 im Jahr 2004 bis heute mehr als verdreifacht.

Bildungspolitische Entwicklungen

Quelle: eigene Darstellung nach WISSENSCHAFTSRAT 2013, S. 9

In den vergangenen Jahren hat sich das duale Studium als hybrides Format in der Bildungslandschaft etabliert und rückt als ein möglicher Weg zur nachhaltigen Fachkräftesicherung in den Blick. Mittlerweile beschäftigt sich die Bildungspolitik ebenso wie die Medien und nicht zuletzt die Bildungsforschung verstärkt mit diesem Ausbildungsformat. Die Weiterentwicklung dualer Studiengänge wird durch die beteiligten Akteure aus Politik, Wissenschaft und Wirtschaft unterstützt. Für Unternehmen liegen die Vorteile des dualen Studiums insbesondere in der Möglichkeit, hochqualifizierte Nachwuchskräfte zu erhalten und damit Fachkräfte und künftige Leistungsträger/-innen frühzeitig an ihr Unternehmen zu binden. Für die Zielgruppe der Studierenden machen die hohe Beschäftigungssicherheit, die Praxisorientierung sowie die bereits während dieser Zeit gewährte Ausbildungsvergütung die Attraktivität aus. Bereits 2013 hat sich der Wissenschaftsrat mit den „Empfehlungen zur Entwicklung des dualen Studiums“ zu diesem Bildungsformat positioniert. Thematisiert sind u. a. die strukturelle Verzahnung zwischen den Lernorten, der zeitliche Umfang der Lehrveranstaltungen an den Hochschulen sowie die Verteilung der Leistungspunkte an beiden Lernorten.
Der BIBB-Hauptausschuss hat im Juni 2017 ebenfalls ein Positionspapier zum dualen Studium beschlossen, in dem duale Studiengänge als innovative Bildungsangebote zur Fachkräftesicherung und Gestaltung individueller Bildungsbiografien hervorgehoben und „Empfehlungen zu den Qualitätsdimensionen für duale Studiengänge als Praxisanregungen/Orientierungshilfe“ formuliert werden. Bereits 2016 hat er im Dialog mit dem Akkreditierungsrat Anregungen für die Überarbeitung der „Regeln für die Akkreditierung von Studiengängen und für die Systemakkreditierung“ formuliert. Diese beinhalten die Integration von Betrieben und vergleichbare Einrichtungen als zweiten Lernort neben der Hochschule und die strukturierte und curriculare Verzahnung zwischen Theorie und Praxis. Als besonderes Kriterium für die ausbildungsintegrierenden dualen Studiengänge ist das Vorliegen eines Ausbildungsvertrages oder einer vergleichbaren vertraglichen Rechtsbeziehung vorgegeben, die nicht nach BBiG/HwO oder landesgesetzlich geregelt sind. Im Einklang mit dem Wissenschaftsrat werden zukünftig begleitende Formate nicht mehr als „dual“ verstanden.

Forschungsarbeiten zum dualen Studium

Bisherige Forschungsaktivitäten beschäftigen sich vorwiegend mit folgenden Aspekten: die quantitative Erfassung von dualen Studienangeboten und dual Studierenden in Deutschland, die Interessen- und Motivlagen von Unternehmen und Studierenden sowie die strukturelle Verzahnung und Lernortkooperationen. Hinsichtlich der konkreten Gestaltung des betrieblichen Lernorts und damit verbundener Qualitätsaspekte fehlt es bisher an einer empirischen Basis.
Um diese Forschungslücke zu schließen und Erkenntnisse darüber zu erlangen, wie sich der betriebliche Lernort in dualen Studiengängen gestaltet, hat das BIBB 2017 ein dreijähriges Forschungsprojekt zur didaktischen Gestaltung der Praxisphasen innerhalb dualer Studiengänge aufgelegt.

Forschungsprojekt „Betriebliche Ausbildung unter dem Vorzeichen akademischer Bildung – Die didaktische Gestaltung der Praxisphasen innerhalb dualer Studiengänge am Beispiel technischer Berufe“ (Laufzeit: I/2017 bis I/2020)

Um Erkenntnisse darüber zu erlangen, wie sich der betriebliche Lernort in dualen Studiengängen gestaltet und ob sich die klassische duale Berufsausbildung mit einem parallelen Angebot dualer Studiengänge verändert, wird im Rahmen des dreijährigen Forschungsprojekts die didaktische Gestaltung des Lernorts Betrieb für dual Studierende in technischen Berufen in den Blick genommen und zu der klassischen dualen Ausbildung in Bezug gesetzt werden. Damit zielt das Projekt vorrangig auf eine Beschreibung der didaktischen Ausbildungsgestaltung im Kontext eines Hochschulstudiums.

AusbildungPlus: Duales Studium in Zahlen 2016. Trends und Analysen

Hofmann, Silvia; König, Maik | 2017

Bundesinstitut für Berufsbildung [Hrsg.]. Bonn. - (2017). - ISBN 978-3-96208-011-2

Duale Studiengänge

Hofmann, Silvia | 2017

Datenreport zum Berufsbildungsbericht 2017 – Informationen und Analysen zur Entwicklung der beruflichen Bildung / Bundesinstitut für Berufsbildung [Hrsg.]. Bonn. - (2017), S. 208-211 - ISBN: 978-3-945981-89-4

Attraktivität der beruflichen Bildung bei Studierenden – Ergebnisse einer bundesweiten Erhebung

Bergerhoff, Jan N.; Hemkes, Barbara; Seegers, Philipp K.; Wiesner, Kim-Maureen | 2017

Bundesinstitut für Berufsbildung (Hrsg.). Bonn. - (2017) - ISBN: 978-3-945981-75-7

Ergebnisse aus der ANKOM-Initiative – Potenziale für eine Weiterentwicklung dualer Studiengänge!?

Wiesner, Kim-Maureen; Winkler, Antje | 2016

Verzahnung beruflicher und akademischer Bildung – Duale Studiengänge in Theorie und Praxis / Uwe Faßhauer [Hrsg.]; Eckart Severing [Hrsg.]. Bielefeld. - (2016), S. 81-96 - ISBN: 978-3-7639-1183-7

Zwei Lernorte sollten reichen: Inhaltliche Verzahnung von Theorie und Praxis

Heister, Michael | 2015

Qualitätsentwicklung im dualen Studium: Ein Handbuch für die Praxis / Volker Meyer-Guckel u. a. [Hrsg.]. Essen. – (2015), S. 100-101 - ISBN: 978-3-922275-64-0

Integration von beruflicher und hochschulischer Bildung in dualen Studiengängen. In: Berufsbildung in Wissenschaft und Praxis: BWP. - 44 (2015), H. 3, S. 40-41

Leichsenring, Antje | 2015