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Wie gelingt Integration in berufliche Ausbildung?

21.06.2018 | Ergebnisse eines gemeinsamen Workshops von Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) und Friedrich-Ebert-Stiftung (FES)

Expertinnen und Experten aus Wissenschaft, Praxis und Politik diskutierten einen Tag lang die bestehenden Herausforderungen bei der Bereitstellung beruflicher Ausbildungsangebote für Geflüchtete, um Lösungsstrategien zu beraten. Das Fazit: Bessere Rahmenbedingungen, flexible Regelangebote und eine stärkere Koordinierung auf kommunaler Ebene werden benötigt.

Wie gelingt Integration in berufliche Ausbildung?
BIBB-Mitarbeiter Frank Neises beim Vortrag

Zwischen 2015 und 2017 kamen rund 1,4 Millionen Menschen nach Deutschland und stellten einen Asylantrag. Viele von ihnen sind aus Konflikt- und Bürgerkriegsländern geflüchtet. Eine Rückkehr in absehbarer Zukunft scheint unwahrscheinlich. Für diejenigen unter ihnen, die noch Jugendliche oder junge Erwachsene sind, ist eine Berufsausbildung eine der Möglichkeiten ihr Leben zu gestalten und eine berufliche Perspektive in Deutschland zu entwickeln. Gleichzeitig beklagen viele Betriebe, dass sie zu wenige Auszubildende fänden. Die Herausforderungen beginnen jedoch bei der Bereitstellung eines individuell passenden Bildungsangebotes für die sehr heterogene Gruppe der Geflüchteten.

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BIBB-Mitarbeiterin Dr. Mona Granato (rechts) moderiert während des Workshops

Wie kann also sichergestellt werden, dass möglichst viele junge Geflüchtete, die eine Ausbildung machen möchten, eine Möglichkeit dazu finden und ihre Ausbildung dann auch abschließen können? Am 19.06.2018 widmete sich das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) gemeinsam mit der Friedrich-Ebert-Stiftung (FES) dieser Frage. Mit mehr als 60 Expertinnen und Experten aus Wissenschaft, Praxis und Politik wurden wissenschaftliche Befunde und Praxisberichte vorgestellt, Handlungsbedarfe konkretisiert und verschiedene Lösungsansätze diskutiert. Der Fokus lag dabei bei den Zugangsmöglichkeiten zu einer dualen Berufsausbildung, der Beschulung und den Vorbereitungsangeboten an Berufsschulen sowie der Steuerung und Zusammenarbeit auf lokaler Ebene.

Im Ergebnis lässt sich festhalten, dass

  • Geflüchtete häufig eine hohe Bildungsaspiration aufweisen und hohe Bedarfe an Angeboten haben, um einen beruflichen Abschluss zu erwerben oder sich beruflich nach zu qualifizieren.
  • die Heterogenität der Geflüchteten bezüglich ihrer Vorbildung eine große Herausforderung darstellt, genügend passgenaue Angebote zur Verfügung zu stellen und einen Zugang zu beruflicher Ausbildung zu ermöglichen.
  • eine persönliche Begleitung durch Mentorinnen/Mentoren und betriebliche Praktika wie Einstiegsqualifizierung oder Hospitationen als besonders effektiv gelten, um Wege in die Ausbildung für Geflüchtete und ausbildende Betriebe zu ebnen. Eine bedeutende Rolle kommt hierbei den Konzepten der Berufsorientierung und -vorbereitung zu, wobei es besonders wichtig ist, diese mit Sprachförderung und der Vermittlung grundlegender Kenntnisse des deutschen Berufsbildungssystems zu kombinieren.
  • für ein gutes Lernumfeld Ausbilder/innen, Lehrer/innen, Mentoren und Mentorinnen praxisnahe Weiterbildungsangebote benötigen, um mit den individuellen Bedarfen der Geflüchteten umgehen zu können.
  • rechtliche, institutionelle, organisatorische, finanzielle und räumliche Rahmenbedingungen für Schulen, Betriebe, Träger und Verwaltung verbessert werden müssen, um die Herausforderung zu stemmen. In diesem Kontext wurde besonders auch eine Verlängerung der Ausbildungsdauer um bis zu zwei Jahre, der Ausbau von Angeboten der Teilzeitausbildung sowie eine einheitliche und extensive Anwendung der Ausbildungsduldung diskutiert. Die ersten beiden Ansätze bieten unter anderem die Möglichkeit, Sprachförderung besser in die Ausbildung zu integrieren.
  • gegenüber Bildungsangeboten mit kurzer Laufzeit Regelstrukturen und Angebote, die eine hohe Qualität aufweisen, ganzheitlicher ausgerichtet sind und dabei eine kontinuierliche Begleitung sicherstellen, ausgebaut und gefördert werden sollten. Der Fokus sollte auf der Schaffung verlässlicher Lern- und Entwicklungsräume liegen.
  • die kommunale Steuerung und rechtskreisübergreifende Zusammenarbeit vor Ort für gelingende Bildungsübergänge entscheidend sind. Es ist besonders wichtig, die Konzepte der kommunalen Koordinierung kontinuierlich durch den Austausch und die Verbreitung guter Praxisbeispiele weiterzuentwickeln.
  • es bei der beruflichen Ausbildung junger Geflüchteter immer auch um die Integrations- und Zukunftsfähigkeit des beruflichen Bildungssystems geht und darum, berufliche Bildungsangebote so weiterzuentwickeln, dass sie für alle Jugendlichen und jungen Erwachsenen einen Gewinn darstellen.

Im Anschluss wurden die Ergebnisse des Workshops in einer öffentlichen Diskussion aufgegriffen. In diesem Rahmen gaben unter anderem Stephanie Matthes vom BIBB, der Bundestagsabgeordnete, Klaus Mindrup, und Khaled Davrisch, Ausbilder im Pflege- und Gesundheitsbereich mit eigenem Fluchthintergrund, Einblick in ihre Erkenntnisse und Erfahrungen, wie junge Geflüchtete zu einer für sie passenden Ausbildung finden können.

Integration Geflüchteter in Ausbildung und Arbeit

Matthes, Stephanie; Christ, Alexander; Neuber-Pohl, Caroline; Niemann, Moritz | In: Bundesinstitut für Berufsbildung (Hrsg.) | 2018

Datenreport zum Berufsbildungsbericht 2018, S. 323-333 (Vorversion vom 18.04.2018)

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Junge Geflüchtete auf dem Weg in Ausbildung : Ergebnisse der BA/BIBB-Migrationsstudie 2016

Matthes, Stephanie; Eberhard, Verena; Gei, Julia u.a. | 2018

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Geflüchtete und berufliche Bildung

Granato, Mona [Hrsg.]; Neises, Frank [Hrsg.]; Bundesinstitut für Berufsbildung [Hrsg.] | 2017

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