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Ansätze der höheren dualen Berufsbildung in Deutschland und Südkorea

Bei einem Besuch am BIBB und der Hochschule Koblenz tauschten sich südkoreanische Forscher/innen über die aktuellen Entwicklungen des dualen Studiums in Deutschland und neue Ansätze der höheren beruflichen Bildung in Südkorea aus.

Ansätze der höheren dualen Berufsbildung in Deutschland und Südkorea

Am 28. und 29. August 2018 besuchten Forscher/innen des Korea Research Institutes for Vocational Education and Training (KRIVET) das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) und die Hochschule Koblenz, um den fachlichen Austausch zu aktuellen Entwicklungen, Chancen und Herausforderungen der beruflichen Bildung im Tertiärbereich in Deutschland und Südkorea zu suchen und Praxiseinblicke zu gewinnen.

Duale Studiengänge in Deutschland im Aufwärtstrend

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Vertreter/innen von KRIVET mit Frau Wiesner und Herrn König vom BIBB.

Expert/innen des BIBB informierten die Gäste über aktuelle Formen und Entwicklungen dualer Studiengänge in Deutschland, welche ein akademisches Studium mit Formen betrieblichen Lernens im Rahmen einer beruflichen Ausbildung oder betrieblichen Praxisphasen verbinden.

Insgesamt verzeichnen duale Studiengänge in den letzten Jahren einen erheblichen Zuwachs in Deutschland: Wie die Auswertungen der Datenbank AusbildungPlus des BIBB zeigen, hat sich die Zahl dualer Studiengänge von 2004 bis 2017 mehr als verdreifacht. Von den bis 2017 knapp 1600 verzeichneten Studiengängen stellen Fachhochschulen zwei Drittel solcher Bildungsangebote im Bereich der akademischen Erstausbildung bereit.

Die Fachvorträge und Diskussionen zeigten, dass im Unterschied zu rein akademisch orientierten Studiengängen das Angebot dualer Studiengänge in Deutschland stärker durch den Bedarf auf Seite der Unternehmen bestimmt ist. Dies gilt insbesondere für Studiengänge, die eine berufliche Erstausbildung mit einem Hochschulabschluss verbinden. In Südkorea werden duale Berufsbildungsangebote im Sekundar- und Hochschulbereich bislang von staatlicher Seite entwickelt und gefördert.

Vielfältige Vorteile des dualen Studiums aus Sicht von Betrieben und Hochschulen

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Am Folgetag besuchte die südkoreanische Delegation die Hochschule Koblenz, welche in Kooperation mit Unternehmen in der Region Rheinland-Pfalz derzeit in zwölf dualen Bachelor-Studiengängen Qualifizierungsperspektiven für aktuell 781 Studierende bietet.

Am Beispiel von ausbildungsintegrierenden Bachelor-Studiengängen im Fachbereich Ingenieurwesen erläuterte der Prodekan Prof. Dr. Helmut Bollenbacher den Gästen die organisatorische und inhaltliche Verzahnung der Studieninhalte mit der betrieblichen Ausbildung. Studierende können so über einen Zeitraum von knapp fünf Jahren ein duales Studium absolvieren und halten bei erfolgreichem Bestehen einen beruflichen und akademischen Abschluss in den Händen.

Im Gespräch mit Vertretern des Dachverbandes Duale Hochschule Rheinland-Pfalz, der Industrie- und Handelskammer Koblenz und der Firma Stabilus wurde deutlich, dass duale Studiengänge für Unternehmen zunehmend an Attraktivität gewinnen. Während gerade kleine und mittlere Betriebe mit dem Konzept der betrieblichen Ausbildung vertraut sind, gewinnt der Erwerb eines akademischen Titels unter Schulabsolvent/innen an Bedeutung. Mit dualen Studienangeboten können Unternehmen angehenden Fachkräften langfristige Perspektiven und Aufstiegschancen eröffnen. Dementsprechend beliebt sind die Studienangebote unter den Bewerber/innen. Da ein duales Studium hohe zeitliche wie auch fachliche Anforderungen an die Studierenden stellt, treffen Unternehmen eine sorgfältige Auswahl. „Für einen dualen Bachelor of Engineering müssen Mathe und Physik Leistungskurs jenseits der 10 Punkte schon sein“, betonte der Vertreter der Firma Stabilus.

In der gemeinsamen Diskussion betonte die Vizepräsidentin der Hochschule Koblenz Frau Prof. Dr. Daniela Braun, dass vor allem die Qualität dualer Studiengangkonzepte entscheidend für den Erfolg sei. Insbesondere müssen die akademischen und betrieblichen Inhalte eines dualen Studiums sinnvoll aufeinander bezogen sein und eine zeitlich angemessene Gliederung aufweisen. Zielsetzung sei es, akademische und berufspraktische Inhalte an den Bedarfen der Unternehmen zu orientieren, gleichzeitig aber auch sicherzustellen, dass ein solches Pensum für die Studierenden auch zu leisten ist.

Südkorea: Fachliche Höherqualifizierung ermöglichen und Praxisbezug im Hochschulbereich stärken

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In Südkorea wurden in den letzten Jahren verschiedene Pilotinitiativen gestartet, um Elemente dualer beruflicher Bildung mit Bildungsangeboten im postsekundären und hochschulischen Bereich zu verbinden. Damit soll die Attraktivität des beruflichen Bildungsbereichs weiter gestärkt, und auf steigende Qualifikationsanforderungen im Arbeitsmarkt reagiert werden. Ein besonderes Augenmerk liegt in Südkorea auf einer praxisnahen und bedarfsorientierten Qualifizierung, um die fehlende Passung zwischen akademisch Qualifizierten und den Bedarfen der Unternehmen zu reduzieren.

Die seit dem Jahr 2000 bestehende Kooperationsvereinbarung zwischen dem Korea Research Institute for Vocational Education and Training (KRIVET) und dem BIBB wurde Anfang 2018 mit Fokus auf die vergleichende Forschung und dem bildungspolitischen Fachdialog zu aktuellen Fragestellungen erneuert. Deutschland gilt aus südkoreanischer Sicht aufgrund seines hochwertigen beruflichen Ausbildungssystems und starken wirtschaftlichen Mittelstandes als Vorbild.