Leitprojekt InnoBB – Innovationsförderung in der beruflichen Bildung
Das Leitprojekt „InnoBB“ zielt darauf ab, die Qualifizierung von Fachkräften im Bereich der energetischen Gebäudesanierung zu stärken, u. a. durch neue Lernformate in der überbetrieblichen Bauausbildung. Drei Kompetenzzentren werden dazu gemeinsam Expertisen und Ressourcen bündeln und den nachhaltigen Transfer der Projektergebnisse fördern.
In der Baubranche besteht ein erhöhter Bedarf an Fachkräften, die für ressourcenschonende, klimafreundliche Bauprojekte qualifiziert sind. Klimaschutzvorgaben für die Energieeffizienz von Gebäuden, innovative Techniken des Bauhandwerks, neue Werkstoffe und die Digitalisierung verändern die Branche und nicht zuletzt die Anforderungen für Ausbildungsberufe.
In der bauwirtschaftlichen Ausbildung wächst daher die Notwendigkeit, angehende Fachkräfte für die Themen nachhaltiges Bauen und energieeffiziente Gebäudesanierung auszubilden. Besonders in der energetischen Sanierung von Bestandsgebäuden besteht erhöhter Bedarf der Kompetenzvermittlung, an der Schnittstelle zwischen Ausbauhandwerk (z. B. Ausbauarbeiten an Gebäuden) und Versorgungstechnik (z. B. die energetische Versorgung von Gebäuden). Im Rahmen von Sanierungs- und Ausbauarbeiten werden beispielsweise Abstimmungsprozesse bezüglich der Entwicklung und Installation von Energieeffizienztechniken, Anlagen, Rohrleitungen, Aggregaten o.Ä. notwendig.
Hier setzt das Leitprojekt InnoBB an: Bestehende Ausbildungsinhalte im Bau- und Ausbaugewerbe sollen praxisnah und zukunftsorientiert durch Zusatzlehrgänge erweitert werden. Dazu wird das Projektteam neue überbetriebliche Ergänzungslehrgänge entwickeln, erproben und implementieren. Auszubildende sollen zusätzliche Module an die Hand bekommen, um Fachkenntnisse und Fertigkeiten zu erwerben, die über die reguläre Ausbildung hinausgehen.
Drei überbetriebliche Bildungsstätten (ÜBS) schließen sich für die Umsetzung dieses Leitprojekts zusammen und bilden damit die fachlichen Schwerpunkte ihrer anerkannten Kompetenzzentren weiter aus.
Bündelung von Expertisen und Ressourcen
Drei überbetriebliche Bildungsstätten (ÜBS) schließen sich für die Umsetzung dieses Leitprojekts zusammen und bilden damit die fachlichen Schwerpunkte ihrer anerkannten Kompetenzzentren weiter aus:
Kompetenzzentrum Ausbau und Fassade
Berufsförderungsgesellschaft des baden-württembergischen Stuckateurhandwerks mbH
Kompetenzschwerpunkt: Ausbau/ Gebäudehülle
Schwerpunkt im Leitprojekt: Digital-gestützte Didaktik/ KI-gestützte Lernsysteme
Kompetenzzentrum des Zimmerer- und Holzbaugewerbes
Bundesbildungszentrum des Zimmerer- und Ausbaugewerbes GmbH (bubiza)
Kompetenzschwerpunkt: Altbausanierung
Schwerpunkt im Leitprojekt: Digitale Lerninhalte und Plattformen
Kompetenzzentrum Versorgungstechnik
Handwerkskammer Osnabrück-Emsland-Grafschaft Bentheim, Berufsbildungs- und TechnologieZentrum (BTZ Osnabrück)
Kompetenzschwerpunkt: Versorgungstechnik
Schwerpunkt im Leitprojekt: Kollaboratives, praxisnahes Arbeiten mit modernen Technologien (Extended Reality (XR)/ Augmented Reality (AR)-Tools)
„Freiwillige Wochen“
Zentrales Ziel des Projektes: Auszubildende lernen in zusätzlichen, freiwilligen überbetrieblichen Ausbildungs- und Projektwochen gemeinsam mit verschiedenen Gewerken des Ausbauhandwerks. Mit den „Freiwilligen Wochen“ sind dabei zusätzliche freiwillige Wahlwochen im Rahmen der neu geordneten Bauausbildung gemeint: Neben der verpflichtenden überbetrieblichen Ausbildung können Betriebe ab dem 1. August 2026 zusätzliche Kurse im Umfang von bis zu neun Wochen mit den überbetrieblichen Ausbildungsstätten vereinbaren.
Gelernt wird dabei anhand komplexer Praxisfälle, die dazu dienen die berufliche Handlungskompetenz der Auszubildenden zu vertiefen, neue Technologien zu erproben und im gemeinsamen Projekt mit den beteiligten Fachrichtungen zu arbeiten. In der beruflichen Praxis spielt die gewerkeübergreifende Zusammenarbeit insbesondere in komplexen Sanierungsprojekten eine zentrale Rolle.
Die Auszubildenden erwerben in den Praxiswochen fundiertes Wissen im Bereich der energetischen Gebäudesanierung, u. a. zu den Themen „Energieeffizienz“, „erneuerbare Energien“ und „moderne Anlagentechnik“.
Alle drei Kompetenzzentren arbeiten partnerschaftlich an der Konzeption und Umsetzung der „Freiwilligen Wochen“. Die Erprobung erfolgt praxisnah an allen drei Projektstandorten.
Das geplante Vorhaben verknüpft die unterschiedlichen Schwerpunkte und Fachkompetenzen der drei ÜBS im Bereich energetische Gebäudesanierung in neuartiger Weise miteinander, sodass sie die gesamte Bandbreite des Themenfelds abdecken.
Das Lernformat: modern, innovativ, digital
Im Projekt angedacht: Ein Blended Learning-Format, das Auszubildenden sowohl Präsenz- als auch Onlineangebote ermöglichen soll, damit sie flexibel und nach ihrem individuellen Bedarf lernen können. Dazu wird den Auszubildenden eine bestehende digitale Lernumgebung bereitgestellt, die den Fokus auf praxisnahe Anwendungsfälle mit konkreten betrieblichen Fragestellungen richtet.
Die Lernplattform bietet dabei auch eine kollaborative Arbeitsumgebung, die standortübergreifend in allen drei Bildungszentren für den digitalen Austausch u. a. von Lehrmaterialien genutzt werden kann.
KI-gestützte Lernassistenz: Es wird eine intelligente digitale Lernassistenz entwickelt und implementiert, welche das Lernverhalten der Auszubildenden analysiert, Kompetenzprofile erkennt und die Lernenden gezielt dabei unterstützt, ihr Wissen zu reflektieren und weiterzuentwickeln.
Immersive Lerntechnik: Zur praxisnahen Veranschaulichung von Bauprozessen werden u. a. bestehende Augmented Reality (AR)-Tools weiterentwickelt, anhand derer Auszubildende digital Arbeitsschritte üben können.
Nachhaltiger Transfer der Projektergebnisse
Die Projektergebnisse werden nachhaltig in der Bildungsarbeit der Zentren verankert. Zudem wird ein standortübergreifender Wissenstransfer und Austausch sichergestellt und Multiplikatoren sowie die Fachöffentlichkeit werden fortlaufend informiert. Begleitet durch einen Projektbeirat, der die Expertise von Stakeholdern, Partnern aus der Wissenschaft und Expert/-innen der ÜBA bündelt. Dieser berät das Projektkonsortium hinsichtlich der praxisbezogenen Umsetzung der Projektergebnisse und hilft, diese zu übertragen.