Berufsbildung gemeinsam gestalten
Fachkonferenz zur internationalen Berufsbildungszusammenarbeit
06.10.2026
Digitalisierung, Klimawandel und Fachkräftesicherung stellen viele Länder vor ähnliche Herausforderungen. Rund 110 Fachleute diskutierten im BIBB, wie internationale Zusammenarbeit in der Berufsbildung Lösungen voranbringen kann – und warum Deutschland dabei stärker vom Ausland lernen sollte.
Unter dem Titel „Berufsbildung international gemeinsam gestalten“ fand am 1. Oktober im Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) in Bonn eine Fachkonferenz mit rund 110 Vertreterinnen und Vertretern aus Bundesressorts, Ländern, Sozialpartnern, Kammerorganisationen, Durchführungsorganisationen und weiteren Akteuren der internationalen Berufsbildungszusammenarbeit statt. Im Mittelpunkt der von GOVET organisierten Fachkonferenz standen die Beiträge der internationalen Berufsbildungszusammenarbeit (iBBZ) zur Gestaltung zentraler Transformationsthemen – von Digitalisierung und Künstlicher Intelligenz, über Klimawandel, Energiewende und Nachhaltigkeit bis hin zur Sicherung von Fachkräften. Durch das Programm führte Julia Olesen, GOVET-Projektleiterin.
Berufsbildung als gemeinsame Gestaltungsaufgabe
Eröffnet wurde die Fachkonferenz von BIBB-Präsidentin Dr. Sandra Garbade und Stefan Schneider, Referatsleiter Erasmus, Internationale Zusammenarbeit in der Berufsbildung im Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMBFSFJ).
Dr. Sandra Garbade stellte in ihrer Begrüßung die Bedeutung des gegenseitigen Lernens und des internationalen Austauschs für die Weiterentwicklung der beruflichen Bildung in den Mittelpunkt.
Viele der aktuellen Herausforderungen wie der demografische Wandel und der sich damit verschärfende Fachkräftebedarf, Digitalisierung und Künstliche Intelligenz sowie die ökologische Transformation sind nicht nur in Deutschland hoch relevant. „Die internationale Zusammenarbeit und Kooperationen dienen der Weiterentwicklung des Berufsbildungssystems. Und es geht darum, gemeinsam Lösungen zu finden“, betonte Dr. Sandra Garbade. „Internationale Zusammenarbeit ist keine Einbahnstraße. Wir bringen unsere Erfahrungen ein und schauen auch auf die Länder und die besonderen Herausforderungen. Und was deutlich wird, ist: Wir beschäftigen uns mit ähnlichen Fragen und der Kern guter internationaler Zusammenarbeit ist dann gegeben, wenn dieser Dialog gelingt“, so Dr. Garbade.
Auch ging sie auf das Thema der Erwerbsmigration ein und hob hervor, dass berufliche Bildung attraktiv, durchlässig und anschlussfähig bleiben müsse und für unterschiedliche Bildungsbiografien gelten müsse, „egal ob Sie in Deutschland die Schullaufbahn durchlaufen haben und erste berufliche Erfahrungen gesammelt haben oder sich im Ausland qualifiziert haben.“
Im BIBB sei diese internationale Perspektive fester Bestandteil der Arbeit, über alle Abteilungen hinweg. Internationales Agieren werde neben der übrigen Arbeit des BIBB stehen. Es sei mit Forschung, Ordnungsarbeit, Politikberatung und Transfer verbunden.
Stefan Schneider, Referatsleiter für internationale Berufsbildungszusammenarbeit, ordnete die Fachkonferenz aus Sicht des BMBFSFJ in die aktuellen Entwicklungen der internationalen Berufsbildungszusammenarbeit (iBBZ) ein. Dabei ging er insbesondere auf die laufende Weiterentwicklung der Strategie der Bundesregierung zur internationalen Berufsbildungszusammenarbeit ein. Die beteiligten Bundesministerien wären aktuell dabei, eine Aktualisierung der Strategie mit Blick auf das Thema Fachkräfte Einwanderung zu prüfen und zu diskutieren.
Schneider hob hervor, dass sein Referat sich seit mehreren Jahren mit der Frage befasse, „wie können wir iBBZ und Fachkräfte sowie Fachkräftegewinnung stärker und integrierter zusammendenken, ohne den Markenkern der etablierten iBBZ zu gefährden?“
Auch er betonte die Bedeutung des Voneinander-Lernens in der internationalen Berufsbildungszusammenarbeit. Wichtig sei es, Erfahrungen aus internationalen Projekten stärker in Politik und Praxis in Deutschland zurückfließen zu lassen und internationale Berufsbildungszusammenarbeit und Berufsbildung in Deutschland noch enger zusammenzudenken.
Die Beiträge zum Auftakt machten deutlich: Internationale Berufsbildungszusammenarbeit lebt vom Dialog und davon, Erfahrungen unterschiedlicher Länder, Institutionen und Akteure zusammenzuführen. Die Fachkonferenz bot hierfür eine gemeinsame Plattform.
Vielfältige Perspektiven auf die internationale Berufsbildungszusammenarbeit
Im weiteren Verlauf der Fachkonferenz standen unterschiedliche politische, wissenschaftliche und praktische Perspektiven im Mittelpunkt. In einer Paneldiskussion stellten Vertreterinnen und Vertreter des Auswärtigen Amtes, des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie, des Bundesministeriums für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMBFSFJ), des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales und des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung aktuelle regionale und thematische Schwerpunkte ihrer internationalen Berufsbildungszusammenarbeit vor. Die Runde der Ministerien machte deutlich: Berufsbildung ist und bleibt ein Topthema der internationalen Beziehungen. Dreizehn Jahre koordinierte iBBZ bieten ein Muster dafür, wie eng und wirksam Ressorts und Umsetzungsakteure zusammenarbeiten können. Die Erfahrungen gilt es zu nutzen und weiterzuentwickeln, um neue Themen zu integrieren und wirksame Berufsbildungsdiplomatie auch in einem veränderten internationalen Gefüge zu gestalten.
Der VET-Slam gab anschließend Einblicke in aktuelle Themen der Berufsbildungsforschung des BIBB mit Beiträgen zu Künstlicher Intelligenz, Weiterbildung und digitalen Lernangeboten. In der Warp-Konferenz präsentierten Akteure der internationalen Berufsbildungszusammenarbeit konkrete Projekte und Kooperationen aus unterschiedlichen Ländern und Regionen.
Den Blick auf kommende Herausforderungen richtete eine Paneldiskussion mit Vertreterinnen und Vertretern aus dem BIBB, dem Deutschen Gewerkschaftsbund, der Deutsch-Baltischen Handelskammer, der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit und dem Zentralverband des Deutschen Handwerks. Im Mittelpunkt standen Zukunftsthemen der internationalen Berufsbildungszusammenarbeit und die Frage, wie Politik, Wissenschaft, Wirtschaft, Sozialpartner und Durchführungsorganisationen ihre unterschiedlichen Perspektiven weiterhin gewinnbringend zusammenführen können. Mit Blick auf das Thema Fachkräfteeinwanderung hob Birgit Thomann, Abteilungsleiterin International im BIBB, die Bedeutung der Anerkennung beruflicher Qualifikationen im Zusammenhang mit der Fachkräfteeinwanderung hervor.
Zum Abschluss fasste Dr. Ralf Hermann, Leiter von GOVET, zentrale Impulse und Ergebnisse der Konferenz zusammen.
Eine ausführliche Berichterstattung zu den einzelnen Programmpunkten findet sich auf der GOVET-Website.