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Duale Berufsbildung als Schlüssel für Ruandas Pharma- und Biotechnologiesektor

Wie lässt sich duale Berufsbildung für den Aufbau einer leistungsfähigen Pharma- und Biotechnologieindustrie in Ruanda nutzen? Ein Studienbesuch in Deutschland und der Schweiz vermittelte Einblicke in bewährte Ausbildungsmodelle, Qualitätssicherung und Zusammenarbeit von Wirtschaft und Bildung.

Gruppenfoto von zehn Personen vor einem BIBB-Schild auf einer Grünfläche.
Die TAG Gruppe zu Besuch beim BIBB in Bonn

Der neuntägige Studienbesuch in Deutschland und der Schweiz hielt viele Impulse und Eindrücke für die Technical Advisory Group (TAG) for TVET in the Pharmaceutical and Biotechnology Sector in Ruanda bereit. Während der deutsche Teil der Reise sich auf Fragen der Zusammenarbeit mit Entscheidungsträgern aus der Politik und Koordination der Gremienarbeit in der Berufsbildung konzentrierte, ging es in der Schweiz um Besuche von Unternehmen der Pharma- und Biotech-Industrie, um zu lernen, wie duale Berufsbildung so organisiert wird, dass Auszubildende als Langzeitinvestition und Talentschmiede für die Zukunft des gesamten Sektors aufgebaut werden.

Der Besuch begann in der ruandischen Botschaft in Berlin. Beim Austausch mit dem ruandischen Botschafter, S.E. Herr Igor César, erörterte die Gruppe Möglichkeiten, wie die Botschaft die TAG beim Aufbau von Netzwerken mit deutschen Akteuren, bei der Stärkung der wirtschaftlichen Zusammenarbeit beider Länder sowie bei der Entwicklung von Berufsbildungsprogrammen für den Pharma- und Biotechnologiesektor in Ruanda unterstützen könnte.

Campus Buch als Benchmark für einen Bioeconomy Hub in Ruanda und Start-up Unternehmen der Lifescience-Industrie

Ruanda baut zurzeit den „Rwanda Bioeconomy Hub“ sowie den Bereich Bioökonomie und Lifescience für Start-up Unternehmen auf. Der Besuch auf dem Campus Buch bei der Berlin BioScience Academy (BBA) ermöglichte der Gruppe einen Einblick, wie die einzelnen Elemente ein funktionierendes Ökosystem bilden.

Mit Dr. Uwe Lohmeier, Leiter der Berlin BioScience Academy (BBA) und Dr. Christina Quensel – Geschäftsführerin der Campus Berlin-Buch GmbH (CBB) konnte sich die Gruppe zu zentralen Aspekten eines LIfescience-Ökosystes austauschen.

Vertiefend folgte ein Austausch mit Dr. Mark Thomet, Co-Founder & Managing Director bei der Berliner Unternehmensberatung Excellere LifeScience Consulting GmbH zum Thema Entrepreneurship in Biotech.

Das Thema GMP-Zertifizierung, insbesondere unter den Aspekten Inhalte, Struktur, internationale Anerkennung, Qualitätssicherung sowie allgemein praktische Schulungen zu Reinraumtechniken diskutierte die Gruppe mit Dr. Michael Buchholz vom Berliner Biotechnologieunternehmen Immutep GmbH.

Über fördernde Rahmenbedingungen für eine erfolgreiche Start-up-Entwicklung konnte die Gruppe mit Dr. Levent Akyüz, Vice President of Project Development & Co-Founder des ansässigen Campus Unternehmens CheckImmune GmbH sprechen.

„Ein Biocampus so wie dieser ermöglicht jungen Forschenden und Start-up-Unternehmern, sich mit etablierten Experten und Firmen an einem Ort zu vernetzen. Das fördert die Entwicklung des gesamten Sektors“, so Dr. Uwe Lohmeier, Leiter der Berlin BioScience Academy.

Dr. Uwe Lohmeier, Leiter der Berlin BioScience Academy

Anschließend hatte die Gruppe die Gelegenheit, sich mit Robert Szabo, dem International Business Development Manager – Certification of Persons bei der TÜV SÜD Akademie, zu Zertifizierungsansätzen des TÜV SÜD auszutauschen. Hintergrund ist die Entwicklung eines Qualitätslabel für Kursprogramme im Bereich Pharmazie und Biotechnologie („Endorsed by Phara Rwanda“) für den ruandischen Kontext.

Steuerung der beruflichen Bildung im Sektor Pharmazie/Biotechnologie in Ruanda

Die noch junge TAG gründete sich im Mai 2026 nach dem Muster des Hauptausschusses des BIBB. Sie soll die berufliche Bildung in Ruanda für den Pharmazie- und Biotechnologiesektor steuern. Ihre Mitglieder sind die Geschäftsführer/-innen privatwirtschaftlicher internationaler/international agierender Unternehmen des Pharma- und Biotechnologiesektors in Ruanda sowie die Leitungsebenen staatlicher (Bildungs-) Institutionen und Regulierungsbehörden.

Wo liegen die Potenziale und Herausforderungen des BIBB-Hauptausschusses aus Arbeitnehmer- und Arbeitgeberperspektive und was lässt sich für die eigene Arbeit als TAG daraus ableiten? Diese Fragen konnte die TAG beim Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) in Berlin im Gespräch mit dem Referatsleiter für Berufsbildungspolitik, Thomas Giessler, sowie am fünften Tag in Bonn mit dem stellvertretenden Geschäftsführer des Kuratoriums der Deutschen Wirtschaft für Berufsbildung e.V. (KWB), Joachim Lapp diskutieren.

Gruppenfoto von 14 Personen in einem Konferenzraum. Im Hintergrund stehen die Flaggen der Europäischen Union, Deutschlands, der Vereinten Nationen und der Afrikanischen Union.
Bei der ruandischen Botschaft in Berlin

Den Abschluss des Berliner Teils des Studienbesuches bildete ein Austausch mit Michael Hennrich, Geschäftsführer Politik bei Pharma Deutschland e.V. Bei diesem Austausch ging es darum, die Struktur, Organisation und Gründung eines Verbandes der pharmazeutischen Industrie zu verstehen und Erfolgsfaktoren für die Gründung und den Fortbestand eines solchen Verbandes erörtern.

„Die Pharmaindustrie in Deutschland, unsere Mitglieder, sind an einer Kooperation mit ruandischen Partnern interessiert“, so Michael Hennrich, Geschäftsführer Politik bei Pharma Deutschland e.V. Dass es auf die Bedarfe der Industrie ausgebildete Fachkräfte für die Produktion sind, stelle einen ausschlaggebenden Erfolgsfaktor für eine zukünftige Kooperation dar.

Michael Hennrich, Geschäftsführer Politik bei Pharma Deutschland e.V.

Ein Microcredentialsystem für Ruanda

Unter den jungen Menschen im Alter von 16 bis 30 Jahren in Ruanda waren 2025 etwa 1,05 Millionen (28,4 %) weder in Beschäftigung noch in Ausbildung oder Weiterbildung (NEET). Um insbesondere dieser Gruppe gerecht zu werden, plant das ruandische Bildungsministerium den Aufbau eines Microcredentialsystems. In einem Workshop im BIBB in Bonn konnte die Gruppe mit der BIBB-Expertin, Christiane Eberhardt, erste Überlegungen zum Aufbau eines solchen Systems diskutieren.

Drei Personen in weißen Laborkitteln und Schutzbrillen stehen in einem Lernlabor vor einem Bioreaktor. Eine Person erklärt gestikulierend die Funktionsweise der Anlage.
Im Lernlabor beim Unternehmen Roche in der Schweiz

Bei dem abschließenden Teil des Studienbesuches in der Schweiz konnte die Gruppe große Unternehmen wie BSL Behring, Novartis und Roche besuchen, die ihr Berufsbildungssystem gemeinsam gestalten und damit ein interessantes Beispiel für die ruandischen Teilnehmer/-innen bilden.

Die ruandische Regierung verfolgt mit der Vision 2050 das Ziel, eine führende Rolle bei der Entwicklung und Anwendung innovativer Technologien in den Sektoren Biotechnologie und Pharmazie in der Region zu übernehmen. Die ruandische Regierung strebt an, diese Sektoren zu Schlüsselindustrien einer wissensbasierten Wirtschaft aufzubauen.

Zurzeit besteht in diesen Sektoren ein Fachkräftemangel in der beruflichen Erst- und Fortbildung. Das BIBB und seine Partnerinstitutionen, Eidgenössische Hochschule für Berufsbildung (EHB, Schweiz) sowie Institut für Bildungsforschung der Wirtschaft (ibw, Österreich), beraten gemeinsam als Alliance for Dual VET die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) von Januar 2026 bis Ende Oktober 2027 im GIZ Projekt “Support to establishing the Rwandan pharma and biotechnology sector” zu Themen der beruflichen Bildung.