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Zukunftsfragen der beruflichen Bildung in Zeiten der Digitalisierung

Zukunftsfragen der beruflichen Bildung werden globaler. In Südkorea referierte der Präsident des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB), Prof. Friedrich Hubert Esser, im Rahmen der 9. Deutsch-Koreanischen Wissenschaftskonferenz sowie der Jubiläumsveranstaltung des koreanischen Partnerinstitutes KRIVET zu den Chancen und Herausforderungen der Digitalisierung für die Berufsbildung.

9. Deutsch-Koreanische Wissenschaftskonferenz

Unter dem Titel „Engineering for our Future“ fand am 17. Oktober die 9. Deutsch-Koreanische Wissenschaftskonferenz im Kimdaejung Convention Center in Gwangju statt. Zentrale Themen der diesjährigen Konferenz waren "Nachhaltige Energie und Elektromobilität", "Robotik und Automatisierung", "Gesundheitsvorsorge und medizinische Technologie" sowie "Smarte Stadtplanung". Die Konferenz wurde von dem früheren koreanischen Premierminister Hwang-Sik Kim eröffnet und deutsche Vertreter aus Politik und Wissenschaft richteten Grußworte an das Publikum.

Berufliche Qualifizierung anpassen, gesellschaftlichen Dialog führen (Prof. Friedrich Hubert Esser)

BIBB-Präsident Friedrich Hubert Esser

In der anschließenden Keynote referierte BIBB-Präsident Esser vor renommierten koreanischen und deutschen Gästen aus Wirtschaft und Wissenschaft zu Chancen und Herausforderungen der Digitalisierung. „Es gibt gute Gründe für die starke Berufsbildung in Deutschland, die insbesondere für den Mittelstand der deutschen Wirtschaft attraktiv ist. Gleichzeitig stellt der wirtschaftsstrukturelle Wandel hin zu einer sogenannten „Wirtschaft 4.0“ auch das duale System vor große Herausforderungen. Prozesse der Automatisierung und Digitalisierung dürfen das Erfahrungswissen von Fachkräften nicht entwerten.“ Deshalb müsse die berufliche Aus- und Weiterbildung auf die gewandelten Anforderungen reagieren. „Es gilt, das Verständnis für Systeme und Prozesse sowie die Stärkung der individuellen Entscheidungs- und Problemlösungsfähigkeit verstärkt in den Mittelpunkt beruflicher Qualifizierungsprozesse zu stellen“, so Esser weiter.

Teilnehmer der 9. Deutsch-Koreanischen Wissenschaftskonferenz

Der BIBB-Präsident hob ferner die Bedeutung eines breiten gesellschaftlichen Dialogs über die Ziele des Einsatzes digitaler Technologien hervor. „Das BIBB leistet hier mit aktuellen Studien und Projekten zur Digitalisierung nicht nur einen nationalen Beitrag zur Entwicklung des Berufsbildungssystems, sondern engagiert sich intensiv in der internationalen Zusammenarbeit, die von großer Bedeutung und eine wichtige Grundlage für die Weiterentwicklung der Berufsbildung bildet.“

Treffen mit KRIVET-Präsident Dr. Yong-Soon Lee

Der Besuch des „Korea Research Institute for Vocational Education and Training“ (KRIVET), ansässig in Sejong, bildete die nächste Station der Südkorea-Reise des BIBB-Präsidenten. Anlass war die Feier zum 20-jährigen Bestehen des Forschungsinstituts.

Im Vorfeld der Jubiläumskonferenz fand ein Treffen zwischen dem KRIVET-Präsidenten, Dr. Yong-Soon Lee, und Prof. Esser statt. Im Gespräch wurde die fruchtbare Zusammenarbeit zwischen KRIVET und BIBB in den vergangenen Jahren im Rahmen der Berufsbildungsforschung rekapituliert und zukünftige Projekte und Forschungsschwerpunkte der Institute thematisiert. Beide Präsidenten betonten den Stellenwert der deutsch-koreanischen Zusammenarbeit für die beiden Institute im Rahmen der seit dem Jahr 2000 bestehenden Partnerschaft.

Jubiläumsveranstaltung zum 20jährigen Bestehen des KRIVET

In seiner Rede im Rahmen der Festveranstaltung betonte Präsident Esser die Schlüsselrolle von Unternehmen und die Zusammenarbeit aller beteiligten Akteure, um die Zukunftsfähigkeit der Berufsbildung zu sichern: „Die sich im Zuge der Digitalisierung ergebenden Gestaltungsspielräume müssen aktiv genutzt werden, indem Unternehmen ihre beruflichen Qualifikationsbedarfe benennen und das Berufsbildungssystem flexibel auf veränderte Anforderungen reagiert. Gleichzeitig eröffnet die Vielfalt, Individualität und Leistungsstärke digitaler Medien neue Chancen für berufliches Lehren und Lernen. Es gilt, bewährte Konzepte einer prozessorientierten Ausbildung sinnvoll mit neuen Medien und Technologien zu verbinden.“

Die Jubiläumsveranstaltung anlässlich des 20-jährigen Bestehens des KRIVET fand am 18. Oktober im neuen Hauptsitz des KRIVET in Sejong unter dem Motto „The Future of Work and TVET“ für geladene Regierungsvertreter und Vertreter aus Berufsbildungsforschung und -praxis statt. Nach der feierlichen Eröffnung durch den KRIVET-Präsidenten richteten der Vorsitzende des Nationalen Rats für Wirtschafts-, Human- und Sozialwissenschaften, Jun Young Kim, sowie der stellvertretende Premierminister und Bildungsminister, Sang-Kon Kim, und Minister für Beschäftigung und Arbeit, Young-Joo Kim Grußworte an die Gäste. Neben dem BIBB-Präsidenten waren internationale Experten der OECD und ILO anwesend, um Perspektiven zur Zukunft der Arbeit und Berufsbildung zu erörtern.

Zum Hintergrund

Südkorea ist eine leistungsstarke und moderne Volkswirtschaft; international führende koreanische Technologiekonzerne wie beispielsweise Samsung, Hyundai und LG gelten als Aushängeschilder. Das Land verfügt über leistungsstarke Universitäten, eine hochmoderne Infrastruktur und mit dem ersten Mobilfunknetz der fünften Generation über den schnellsten Internetzugang weltweit. Gleichzeitig steht Südkorea angesichts einer rasch alternden Bevölkerung, des voranschreitenden wirtschaftsstrukturellen Wandels im Zuge der Digitalisierung und hoher Jugendarbeitslosigkeitsraten vor großen Herausforderungen, welche die gegenwärtigen politischen, gesellschaftlichen und akademischen Debatten bestimmen. In der internationalen Zusammenarbeit gilt Deutschland aus südkoreanischer Sicht nicht zuletzt aufgrund seines hochwertigen beruflichen Ausbildungssystems und starken wirtschaftlichen Mittelstandes als Vorbild.

Das Koreanische Forschungsinstitut für Berufsbildung (KRIVET) wurde 1997 als nationales Forschungszentrum gegründet. Es untersteht dem Premierminister und ist dem Nationalen Rat für Wirtschafts-, Human- und Sozialwissenschaften angeschlossen. Neben der Forschung unterstützt das Institut die staatliche Politik im Bereich Berufsbildung. Das KRIVET und das BIBB arbeiten bereits seit dem Jahr 2000 auf der Grundlage einer Kooperationsvereinbarung erfolgreich zusammen. Die Berufsbildungsforschung war bisheriger Schwerpunkt der Zusammenarbeit.

Das 2006 gegründete Alumni-Netzwerk Deutschland-Korea (ADeKo) und der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) veranstalten in Kooperation mit der Deutschen Botschaft Seoul und verschiedenen anderen deutschen und koreanischen Partnern seit mehreren Jahren Wissenschaftskonferenzen, welche u.a. durch das deutsche Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert werden. Die „Joint Korean-German Conferences“ sind eines der bedeutendsten Ereignisse der deutsch-koreanischen Zusammenarbeit, welche jährlich wechselnd in Deutschland und Korea stattfinden.