Deutsch-philippinischer Forschungsdialog
22.01.2026
Mitte Januar waren fünf Fachleute der Technical Education and Skills Development Authority (TESDA) von den Philippinen zu Gast im BIBB. Im intensiven Austausch mit Expertinnen und Experten des BIBB diskutierten sie Forschungsansätze zur Stärkung evidenzbasierter Politikberatung und verschafften sich einen Überblick über die deutsche Berufsbildungsforschung.
Reicht eine Woche, um einen fundierten Überblick über die deutsche Berufsbildungsforschung zu erhalten? Mitte Januar waren fünf TESDA-Fachleute aus den Bereichen betriebliche Ausbildungsprogramme sowie Monitoring und strategische Planung zu diesem Zweck im BIBB. Im Mittelpunkt des Fachaustauschs mit dem BIBB standen die folgenden Fragen:
- Mit welchen Ansätzen können die Berufsbildungsforschungskapazitäten auf den Philippinen verbessert werden?
- Welche Berufsbildungsdaten sind verfügbar und wie können andere Daten selbst erhoben werden?
- Wie können Projektionen in einzelnen Sektoren konzipiert und umgesetzt werden?
- Welche Forschungsprojekte tragen zur Umsetzung bedarfsorientierter Politikansätze bei?
Bei ihrem Programm tauschten sie sich mit zahlreichen Expertinnen und Experten aus und erhielten zudem wertvolle Praxiseinblicke. Am Ende fügten sich die einzelnen Eindrücke und Programmpunkte wie Puzzleteile zu einem stimmigen Gesamtbild der deutschen Berufsbildung allgemein und der Berufsbildungsforschung zusammen. Bereits im Dezember hatten die Gäste zusammen mit TESDA-Mitarbeitenden aus philippinischen Regionalbüros an einem einwöchigen Online-Format zum BIBB-Wissenstransfer teilgenommen.
Christina Maureen DulceLeiterin strategische Planung und Evaluation bei TESDA
„Ich war unter anderem sehr beeindruckt von der Forschungskoordination im BIBB. Auch wir denken darüber nach, eine Art Forschungskommission einzurichten, besetzt mit zentralen Akteuren der Berufsbildungsforschung auf den Philippinen. Eine möglichst breite Beteiligung kann sowohl die Forschung als auch die Politikgestaltung bereichern.“
Das Hauptinteresse der Delegation galt der Forschung und den Forschungsmethoden in der deutschen Berufsbildung. An dem Programm waren die folgenden Expertinnen und Experten des BIBB beteiligt:
- Dr. Sandra Liebscher (Leiterin Stabsstelle „Forschungskoordination"): Strategische Planung, Qualitätssicherung und wissenschaftliche Steuerung des BIBB‑Forschungsprogramms
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Dr. Paula Protsch (Juniorprofessorin für Methoden der sozialwissenschaftlichen Berufsbildungsforschung an der Universität zu Köln – gemeinsame Berufung mit dem BIBB): Methoden-Fachgespräch zu einer jährlich durchgeführten TESDA-Umfrage zur Beschäftigungsfähigkeit
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Dr. Verena Eberhard und Julia Gei (Arbeitsbereich 1.1): Vorstellung des BIBB-Datenreports und Einblicke in die Organisation einer groß angelegten Befragung (BA-BIBB-IAB-Bewerberstudie
Mehr zum Arbeitsbereich 1.1 -
Dr. Tobias Maier (Leitung des Arbeitsbereichs 1.2): Arbeitsmarktprognosen als Teil einer evidenzbasierten Berufsbildungsberatung
- Michael Thiemann (Leitung des Arbeitsbereichs 1.2): BIBB-Projekte zu Qualifikationen, beruflicher Integration und Beschäftigung
- Dr. Ralf Dorau (Arbeitsbereich 1.2): Berufliche Integration nach betrieblicher Ausbildung und Verwertungsperspektiven geschlechtsuntypischer Berufsausbildungen
Mehr zum Arbeitsbereich 1.2 - Dr. Felix Wenzelmann und Carolin Linckh (Arbeitsbereich 1.3): Kosten und Nutzen der betrieblichen Ausbildung
Mehr zum Arbeitsbereich 1.3 - Felix Lukowski und Anett Friedrich (Forschungsdatenzentrum): Aufbereitung und Bereitstellung von Daten
Mehr zum Forschungsdatenzentrum - Dr. Hannelore Mottweiler (Arbeitsbereich 2.2): Die BIBB-Aktivitäten in den thematischen Forschungsclustern
Mehr zum Arbeitsbereich 2.2 - Dr. Inga Schad (Arbeitsbereich 2.3): Analyse von Kompetenzanforderungen und Modernisierung von Ausbildungsberufen im Bereich der gewerblich‑technischen Berufe
Mehr zum Arbeitsbereich 2.3 - Julia Olesen (Zentralstelle der Bundesregierung für internationale Berufsbildungskooperation, GOVET im BIBB): Vorstellung einer internationalen Publikation zu Berufsbildungsstrategien auf der Grundlage von Datenmonitoring (erscheint im April)
Mehr zu GOVET
Anett FriedrichForschungsdatenzentrum des BIBB
„Die Berufsbildungsforschung in Deutschland hat überraschend viele Gemeinsamkeiten mit den Philippinen. Das gilt auch für unsere Herausforderungen. Zum Beispiel fand ich sehr interessant, dass wir in beiden Ländern damit kämpfen, dass die Ausbildungsberufe nicht eindeutig über die jeweilige nationale Berufsklassifikation identifizierbar sind.“
Ergänzt wurde der Austausch durch einen Besuch bei UNESCO-UNEVOC, dem internationalen Zentrum für Berufsbildung der UNESCO mit Sitz in Bonn. Hier wurde die Delegation vom Leiter Friedrich Huebler herzlich willkommen geheißen. Er und sein Team stellten der Delegation die datenbasierte Services von UNEVOC vor, beispielsweise die anschaulich aufbereiteten Länderdaten zur Berufsbildung oder den Global Skills Tracker. Bei letzterem handelt es sich um ein KI-basiertes Tool, das mithilfe von Echtzeit‑Jobdaten zeigt, welche Fähigkeiten weltweit besonders gefragt sind – nach Ländern, Branchen und Berufen.
Wie die deutsche Berufsbildung vor Ort und in der Praxis aussieht, erlebten die philippinischen Gäste bei einem Besuch in einem überbetrieblichen Ausbildungszentrum der Handwerkskammer Koblenz und in einem Autohaus, das aktuell sechs junge Menschen im kaufmännischen Bereich und sieben im Bereich Kfz ausbildet. Geschäftsführer Holger Maria Schwarz betonte bei einem Rundgang die gesamtgesellschaftliche Aufgabe der Ausbildung für den Fachkräfte-Nachwuchs: „Wenn Betriebe in Deutschland nicht mehr ausbilden würden, müsste mein Betrieb in spätestens 15 Jahren schließen“. Die Motivation für Arbeitgeber, sich an der betrieblichen Ausbildung zu beteiligen, ist nur eine der Herausforderungen, vor denen die Berufsbildungssysteme beider Länder aktuell stehen. Insgesamt lieferte der deutsch-philippinische Dialog zahlreiche Impulse zu gemeinsamen Themen sowie zur kritischen Reflexion von möglichen Lösungsansätzen.
Julia GeiBA-BIBB-IAB-Bewerberstudie
„Den Austausch mit den TESDA-Fachleuten haben wir als äußerst konstruktiv und wertschätzend erlebt. Fragen von außen helfen sehr, unsere eigene Arbeit kritisch zu reflektieren. Gleichzeitig hat die Vorstellung unserer Arbeit hoffentlich auch nützliche Ideen für die Initiativen von TESDA geliefert.“