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Steigende Anerkennungszahlen

Wie BIBB und GIZ Fachkräfte in Ägypten, Marokko und Tunesien unterstützen

25.09.2026

Die Anerkennungsstatistik 2025 zeigt: Die Nachfrage nach der Anerkennung ausländischer Berufsqualifikationen steigt weiter. Besonders dynamisch entwickeln sich die Antragszahlen bei Qualifikationen aus Ägypten und Marokko. Alle drei Länder – Ägypten, Marokko und Tunesien – gehören zu den zehn häufigsten Ausbildungsstaaten im Anerkennungsgeschehen. Gleichzeitig arbeiten das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) und die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH seit einigen Jahren daran, berufliche Anerkennung und Arbeitsmigration bereits in den Herkunftsländern besser vorzubereiten. Mit dem Programm THAMM Plus wird diese Zusammenarbeit gezielt weiterentwickelt. Eine Aufgabe, die angesichts der Skills Portability Initiative der EU-Kommission weitere Bedeutung gewinnt.

​​​​​​​Stoffbeutel mit arabischem Schriftzug hängt an einem blauen Metalltor vor einem Bahnsteig mit abgestellten Waggons

Im Jahr 2025 wurden für Bundesberufe rund 76.200 neue Anträge auf Anerkennung einer ausländischen Berufsqualifikation gestellt – sieben Prozent mehr als im Vorjahr. Damit hat sich die Zahl der Anträge innerhalb von fünf Jahren nahezu verdoppelt.

Besonders deutlich ist der Anstieg bei Qualifikationen aus Ägypten und Marokko: Rund 3.000 Anträge auf Anerkennung bezogen sich 2025 auf ägyptische Berufsqualifikationen – ein Plus von 88 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Rund 2.500 Anerkennungsanträge bezogen sich auf in Marokko erworbene Berufsqualifikationen, 45 Prozent mehr als 2024. Auch Tunesien gehört seit mehreren Jahren zu den fünf häufigsten Ausbildungsstaaten im Anerkennungsgeschehen.

Die Statistik allein erlaubt keine Rückschlüsse darauf, warum die Antragszahlen aus einzelnen Ländern steigen. Sie zeigt aber, welche Bedeutung die berufliche Anerkennung inzwischen im Migrationsprozess hat. Damit wächst auch der Bedarf, Fachkräfte bereits vor der Migration verlässlich über Anerkennungsverfahren und berufliche Perspektiven in Deutschland zu informieren.

Anerkennung beginnt nicht erst mit dem Antrag

Für eine erfolgreiche Anerkennung müssen Fachkräfte aus dem Ausland zunächst wissen, ob, wann und wie ein Anerkennungsverfahren sinnvoll ist. Ebenso wichtig ist ein realistisches Verständnis davon, welche beruflichen Perspektiven mit einer Anerkennung in Deutschland verbunden sind.

Genau hier setzt die Zusammenarbeit des BIBB-Kompetenzzentrums Berufsanerkennung mit der GIZ an. Bereits seit einigen Jahren kooperieren beide Akteure zu Fragen der beruflichen Anerkennung. Seit 2021 wurden Beratungsakteure in verschiedenen Ländern digital zu den Möglichkeiten und Anforderungen der Berufsanerkennung in Deutschland geschult.

2024 reisten Vertreterinnen und Vertreter des BIBB-Kompetenzzentrums Berufsanerkennung auf Einladung des GIZ-Vorhabens THAMM Plus nach Marokko. Dort wurden unter anderem 60 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der marokkanischen Arbeitsagentur ANAPEC zu den neuen Möglichkeiten des Fachkräfteeinwanderungsgesetzes und zur Berufsanerkennung geschult.

Auch in Ägypten wurde die Zusammenarbeit 2025 intensiviert. Im Rahmen des Labour Mobility Forums von THAMM Plus führte das BIBB in Kairo einen Workshop für Vertreterinnen und Vertreter verschiedener ägyptischer Ministerien durch. Im Mittelpunkt standen die Fachkräfteeinwanderung, das deutsche Berufsbildungssystem und die Rolle der Berufsanerkennung.

In Tunesien wurde die Zusammenarbeit 2026 im Rahmen von THAMM Plus fortgeführt. Beim European-Tunisian Forum in Tunis brachte das BIBB seine Expertise zu Qualifizierungsmaßnahmen für berufliche Mobilität ein. Im Mittelpunkt standen zusätzliche fachliche und überfachliche Qualifizierungen für Absolventinnen und Absolventen der Berufsbildung im Tourismus- und Gastgewerbe.

THAMM Plus: Anerkennung systematisch mitdenken

Seit Dezember 2025 steht die Kooperation auf einer neuen Grundlage: Das BIBB-Kompetenzzentrum Berufsanerkennung berät das von der GIZ in Ägypten, Marokko und Tunesien umgesetzte Vorhaben THAMM Plus. Die Vereinbarung läuft bis März 2027.

Dabei geht es nicht darum, möglichst viele Menschen in Anerkennungsverfahren zu bringen. Vielmehr soll die Zusammenarbeit dazu beitragen, faire, transparente, reguläre und nachhaltige Wege der Arbeitsmigration zu entwickeln. THAMM Plus verbindet dafür unter anderem Qualifizierung, Sprachförderung, interkulturelle Vorbereitung und die Vernetzung von Institutionen in den Herkunfts- und Zielländern.

Marokko: Strukturen vor Ort stärken

In Marokko steht insbesondere der Aufbau nachhaltiger Strukturen vor Ort im Mittelpunkt. Schulungen und Informationsmaterialien sollen dazu beitragen, dass Wissen über Anerkennung und Arbeitsmigration auch über die Laufzeit einzelner Projekte hinaus verfügbar bleibt.

Séverine DialloKoordinatorin vom Projekt THAMM Plus in Marokko

„Mit knapp 2.500 Anträgen für das Jahr 2025 gab es eine erneute Steigerung der Anträge aus Marokko um 45 %. Besonders bedeutsam ist in Marokko auch der Anteil der nicht reglementierten Berufe von knapp 50 %. Unter den Top 10 Berufen bei den Anträgen aus Marokko befinden sich 2025 sieben nicht reglementierte Berufe, wie z.B. Elektroniker/in für Automatisierungstechnik oder Kraftfahrzeugmechatroniker/in. THAMM Plus setzt gemeinsam mit dem BIBB u.a. mit nachhaltig wirkenden Schulungen der Arbeitsmarktakteure in Marokko an, um die adäquate Beratung der Fachkräfte zu Möglichkeiten der Beschäftigung in Deutschland zu fördern.“

Ägypten: Erfahrungen aus Anerkennungsverfahren nutzen

In Ägypten werden Erfahrungen aus bisherigen Anerkennungsverfahren ausgewertet, um daraus Erkenntnisse für die Entwicklung von Qualifizierungsmaßnahmen in den Herkunftsländern abzuleiten. So sollen mögliche Anforderungen des deutschen Anerkennungssystems bereits bei der Konzeption von Qualifizierungen berücksichtigt werden.

Frau mit langen, offenen Haaren und dunkler Kleidung vor neutralem Hintergrund

Shahira Wassef, Leiterin des Migrationsportfolios GIZ Ägypten

„Tolle Neuigkeiten, dass Ägypten 2025 auf Platz 6 der häufigsten Ausbildungsstaaten liegt! Die Antragszahlen sind mit knapp 3.000 Anträgen zu Berufen nach Bundesrecht im Vergleich zum Vorjahr um 88 % gestiegen. Es geht aber auch um die Frage, ob sich daran eine qualifikationsadäquate Beschäftigung anschließt. Daher ist es uns und unseren ägyptischen Partnern wichtig, dass die Anerkennung Teil eines transparenten Gesamtprozesses ist, den wir durch THAMM Plus nachhaltig etablieren wollen.“

Tunesien: Qualifizierung und berufliche Mobilität verbinden

Auch in Tunesien sollen Erkenntnisse aus Anerkennungsverfahren stärker in die Entwicklung von Qualifizierungsangeboten einfließen. Ein Schwerpunkt liegt darauf, fachliche und überfachliche Kompetenzen so weiterzuentwickeln, dass sie berufliche Mobilität unterstützen.

Frau mit schulterlangem, offenem Haar und gestreifter Bluse blickt frontal in die Kamera.

Caroline PrzybyllaBeraterin THAMM Plus Tunesien

„Tunesien gehört seit 2022 stabil zu den Top 5 Ausbildungsstaaten bei den Anträgen zu Berufen nach Bundesrecht. Diese Entwicklung freut uns sehr! Bei THAMM Plus arbeiten wir kontinuierlich daran, die Bedarfe des tunesischen und deutschen Arbeitsmarkts abzustimmen und Qualifizierungsansätze zu entwickeln, die berufliche Perspektiven in Tunesien ebenso wie im internationalen Kontext stärken.“

Damit verschiebt sich der Ansatz: Anerkennung wird nicht erst nach Abschluss einer Ausbildung betrachtet. Im Mittelpunkt steht vielmehr die Frage, wie Berufsbildung, Qualifizierung, Beratung und Anerkennung bereits im Herkunftsland besser zusammengedacht werden können.

Auch auf europäischer Ebene gewinnt das Thema an Bedeutung

Die Erfahrungen aus der Zusammenarbeit zwischen BIBB und GIZ gewinnen auch auf europäischer Ebene an Bedeutung. Die Europäische Kommission hat am 16. September 2026 ihre Vorschläge für neue EU-Richtlinien im Rahmen der sogenannten Skills Portability Initiative veröffentlicht. Dabei geht es auch um gemeinsame Regeln und Mechanismen, mit denen die Anerkennung der Qualifikationen von Drittstaatsangehörigen vereinfacht und beschleunigt werden könnten.

Damit rücken Fragen in den europäischen Fokus, die auch in der Zusammenarbeit von BIBB und GIZ eine Rolle spielen: Wie lassen sich Qualifikationen transparenter machen? Wie können Herkunfts- und Zielländer ihre Informationen und Ausbildungssysteme besser miteinander verzahnen? Und wie können Fachkräfte bereits vor der Migration realistisch einschätzen, welche beruflichen Perspektiven ihre Qualifikation auf dem europäischen Arbeitsmarkt bietet?

Steigende Anerkennungszahlen und faire Migration gehören zusammen

Neben der Zahl der Anträge geben auch die Ergebnisse der Anerkennungsverfahren Aufschluss über das Anerkennungsgeschehen. 2025 endeten rund 44 Prozent der abgeschlossenen Verfahren mit voller Gleichwertigkeit. In weiteren 45 Prozent wurde eine Ausgleichsmaßnahme festgelegt. Weniger als zwei Prozent der Verfahren wurden negativ beschieden.

Die steigenden Antragszahlen zeigen damit vor allem die wachsende Bedeutung beruflicher Anerkennung im Migrationsprozess und machen die Frage nach der Qualität der Migrationswege relevant. Entscheidend ist, die damit verbundenen Prozesse so zu gestalten, dass Fachkräfte gut informiert sind, ihre Qualifikationen angemessen berücksichtigt werden und nachhaltige berufliche Perspektiven entstehen können.

Hier setzt die Zusammenarbeit von BIBB und GIZ an: Sie verbindet Information, Beratung und Qualifizierung mit der institutionellen Zusammenarbeit zwischen Herkunfts- und Zielländern – und trägt dazu bei, Anerkennung frühzeitig im Migrationsprozess mitzudenken.