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Ausbildungsbeteiligungsquote (AQ)

Systematische Indikatorenbeschreibung

Name

Ausbildungsbeteiligungsquote (AQ)

Kernaussage (am Beispiel des Berichtsjahres 2009)

Im Berichtsjahr 2009 beträgt der rechnerische Anteil einer (synthetischen) Alterskohorte in der Wohnbevölkerung, der einen Ausbildungsvertrag im dualen System abschließt, 61,0 %; hierbei bleibt die Übergangsdauer von der allgemeinbildenden Schule in die Berufsausbildung bzw. das Alter, in welchem der Ausbildungsvertrag beginnt, unberücksichtigt.

Aktualität

Der Indikator liegt mit ca. einem Jahr Zeitverzug vor.

Bedeutung für die berufliche Bildung

  • Indikator zur quantitativen Bedeutung der dualen Berufsausbildung
  • Indikator zur Integration von Bevölkerungsgruppen
  • Vergleichbarkeit im Zeitverlauf und zwischen verschiedenen Personengruppen

Bezugsgrößen

Zähler:
Auszubildende mit neu abgeschlossenem Ausbildungsvertrag differenziert nach Alter.

Nenner:
Wohnbevölkerung differenziert nach Alter.

Anmerkung zu den Bezugsgrößen:

  • Zu interpretieren ist die Quote mit Bezug auf einen beliebigen Altersjahrgang, der irgendwann in seiner Bildungsbiografie einen Ausbildungsvertrag abschließt (gleich in welchem Alter).
    Es handelt sich um eine rechnerische Quote: Daten aus der Berufsbildungsstatistik und der Bevölkerungsfortschreibung werden in Relation gesetzt.
  • Problem: Auszubildende mit neu abgeschlossenem Ausbildungsvertrag stellen nicht zwingend Ausbildungsanfänger/-innen dar, da Ausbildungsverträge auch bei Berufs- oder Betriebswechsel neu abgeschlossen werden.
  • Für die Neuabschluss-Zahlen werden die Auszubildenden im Alter von maximal 16 und mindestens 24 Jahren jeweils zur unteren und oberen "Grenz-Gruppe" zusammengefasst.

Berechnungsformel

AQ: Ausbildungsbeteiligungsquote, i = Alter
# Auszubildende mit Neuabschluss im Alter von "16 und jünger" werden in der unteren Altersgruppe zusammengefasst; jene im Alter von "24 und älter" werden in der oberen Altersgruppe zusammengefasst. Bezüglich der Wohnbevölkerung gehen die einzelnen Altersjahrgänge von 16 bis 24 je Teilquoten ein.

Mögliche Differenzierungen

  • Geschlecht
  • Staatsangehörigkeit
  • Bundesgebiet insgesamt; weitere regionale Differenzierung nur mit Einschränkung (bislang wird die Quote durch das BIBB lediglich für West- und Ostdeutschland getrennt berechnet)
  • Jeweilige Kombinationen aus den genannten Merkmalen

Datenquellen

  • Berufsbildungsstatistik der statistischen Ämter des Bundes und der Länder
  • Bevölkerungsfortschreibung (Destatis)

Stichtag/Betrachtungszeitraum

Stichtag: 31.12.

  • Neu abgeschlossene Ausbildungsverträge des Kalenderjahres, die bis zum 31.12. nicht gelöst wurden;
  • Wohnbevölkerung am 31.12. des Berichtsjahres.

Der Indikator kann als Schätzgröße für den Anteil (einer Alterskohorte) der Wohnbevölkerung, der einen Ausbildungsvertrag im dualen System abschließt, betrachtet werden.

Hinweise zur Güte des Indikators

  • Aussagekraft: Zur Berechnung der AQ werden Neuabschlusszahlen - keine Anfängerzahlen - verwendet. Da Personen im Laufe der Bildungsbiografie mehrfach Ausbildungsverträge neu abschließen können, überschätzt dieser Indikator den Anteil der Personen in der Wohnbevölkerung, der einen Ausbildungsvertrag im dualen System abschließt.
    Bis 2008 konnte die Zahl der Ausbildungsanfänger/-innen allerdings nicht ermittelt werden (in 2007 war die Revision der Berufsbildungsstatistik in der Praxis noch nicht voll umgesetzt bzw. die Meldungen zu den neuen Merkmalen der Berufsbildungsstatistik noch nicht hinreichend valide). Bis zur Revision lagen noch keine Merkmale zur Abgrenzung der Ausbildungsanfänger/-innen vor.
  • Für Betrachtungen der Berichtsjahre ab 2008 sollte dieser Indikator nicht verwendet werden, sondern lediglich für längere Zeitvergleiche, die die Jahre vor 2008 einschließen.
  • Regionale Differenzierungen sind nur mit Einschränkung möglich: Pendlerbewegungen verzerren die Quote bei regionalen Differenzierungen. Da in der Berufsbildungsstatistik der Wohnort der Auszubildenden nicht erfasst wird (Ausnahme: Brandenburg), können Pendlerbewegungen nicht berücksichtigt werden. Die Verzerrung resultiert daraus, dass Auszubildende, die ihren Erstwohnsitz nicht am Ausbildungsort haben, bei den Auszubildenden-Zahlen für eine andere Region gezählt werden als bei der Wohnbevölkerung. Für Regionen mit einer hohen Anzahl an Einpendlern (Auspendlern) unter den Auszubildenden wird die AQ deshalb überschätzt (unterschätzt). Deshalb berechnet das BIBB die Quote nur für das gesamte Bundesgebiet und in regionaler Differenzierung nur für Ost- und Westdeutschland, nicht aber für die einzelnen Bundesländer oder gar Gemeinden.
  • Die Ausbildungsbeteiligungsquote kann erst seit 2007 für verschiedene Personengruppen getrennt nach dem Quotensummenverfahren berechnet werden. Zuvor war für Männer und Frauen sowie Personen mit und ohne deutschen Pass eine Abweichung der Berechnungsweise basierend auf Bestandszahlen erforderlich. Die als einfache Quoten berechneten AQ sind nicht mit den AQ nach Teilquotensummen vergleichbar.
  • Grenzen der Aktualität: Die Daten sind erst ein Jahr später verfügbar. Außerdem werden durch die Stellvertreter-Effekte im Rahmen des Quotensummenverfahrens Daten verschiedener Kohorten, die in ihrem Ausbildungsverhalten voneinander abweichen können, durchmischt.

Sonstige Interpretationshinweise (Häufig gestellte Fragen)

  • Demografische Schwankungen sind kontrolliert, da der Bezug immer auf die Alterskohorten in der aktuellen Wohnbevölkerung hergestellt wird. Sich verändernde Bevölkerungsstrukturen fließen demnach immer direkt in die Berechnung mit ein.
  • Die Dauer des Übergangs von der allgemeinbildenden Schule in die duale Berufsausbildung bleibt unberücksichtigt. Der Indikator eignet sich also nicht, um Übergangsdauern bzw. Probleme des Anstiegs von Übergangsdauern abzubilden. Allerdings können die Teilquoten Hinweise auf zeitverzögerte Eintritte in das duale System liefern.

Darstellung auf Basis der Veröffentlichung von
Dionisius, Regina; Lissek, Nicole; Schier, Friedel [Hrsg.]:
Beteiligung an beruflicher Bildung - Indikatoren und Quoten im Überblick. - Bonn, 2012
(Wissenschaftliche Diskussionspapiere / Bundesinstitut für Berufsbildung ; 133)

Aktualisierung: Juli2015

Literaturhinweise

GERICKE, NAOMI: Alter der Auszubildenden und Ausbildungsbeteiligung der Jugendlichen im dualen System. In: BUNDESINSTITUT FÜR BERUFSBILDUNG (Hrsg.): Datenreport zum Berufsbildungsbericht 2011 : Informationen und Analysen zur Entwicklung der beruflichen Bildung. Bonn, 2011. S. 148-154
URL: https://www.bibb.de/datenreport/ [letzter Zugriff: 01.07.2011]

BUNDESMINISTERIUM FÜR BILDUNG UND FORSCHUNG (Hrsg.): Berufsbildungsbericht 2011. Bonn, Berlin 2011
URL: https://www.bmbf.de/de/berufsbildungsbericht-1077.html [letzter Zugriff: 01.07.2011]

BUNDESINSTITUT FÜR BERUFSBILDUNG (Hrsg.): Datensystem DAZUBI - Zusatztabellen
URL: https://www2.bibb.de/bibbtools/de/ssl/1868.php [letzter Zugriff: 01.07.2011]

GERICKE, NAOMI; UHLY, ALEXANDRA; ULRICH, JOACHIM GERD: Wie hoch ist die Quote der Jugendlichen, die eine duale Berufsausbildung aufnehmen? Indikatoren zur Bildungsbeteiligung. In: Berufsbildung in Wissenschaft und Praxis, 40 (2011) 1, S. 41-43
URL: https://www.bibb.de/veroeffentlichungen/de/bwp/show/id/6604 [letzter Zugriff: 14.08.2012]

UHLY, ALEXANDRA; GERICKE, NAOMI: Neuberechnung der Ausbildungsbeteiligungsquoten : Neuerungen der Berufsbildungsstatistik aus 2007 ermöglichen erstmals genauere Berechnung differenzierter Quoten für Personengruppen. Bonn, 2010.
URL: https://www.bibb.de/dokumente/pdf/a21_ausweitstat_informationsbeitrag-uhly-gericke_neuberechnung-ausbildungsbeteiligungsquote.pdf [letzter Zugriff: 01.07.2011]