Forschungskongress „Resilienz in der Pflege“
Der BIBB-Forschungskongress zum Thema „Resilienz in der Pflege“ fand am 7. und 8. Mai 2026 im Wissenschaftszentrum Bonn statt. Im Mittelpunkt des Programms standen aktuelle Herausforderungen und Entwicklungsperspektiven eines resilienten Pflege- und Bildungssystems. Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Wissenschaft und Pflegepraxis diskutierten dabei Resilienz als Zusammenspiel individueller, organisationaler und gesellschaftlicher Faktoren.
In ihren Grußworten betonten Dr. Tobias Viering vom Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMBFSFJ), Maria Becker vom Bundesministerium für Gesundheit (BMG) sowie Prof. Dr. Hubert Ertl vom Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) die Bedeutung guter Bildungs- und Arbeitsbedingungen für die Zukunft der Pflegeberufe. Im Fokus standen unter anderem die Weiterentwicklung des Pflegebildungssystems sowie resiliente Strukturen in den Versorgungsbereichen, etwa die Digitalisierung, Arbeitszeitmodelle und eine bedarfsgerechte Personalausstattung.
Die erste Keynote hielt Prof. Dr. Gabriele Meyer von der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. In ihrem Vortrag „Resilienz in der Pflege – eine systemische Perspektive“ machte sie deutlich, dass Resilienz nicht allein als individuelle Aufgabe verstanden werden dürfe, sondern strukturelle und politische Rahmenbedingungen erfordere.
Gabriele Meyer
„Pflege muss direkt in die Gestaltung einer resilienten Gesellschaft eingebunden werden.“
Im anschließenden Plenumsvortrag stellte das BIBB Ergebnisse aus der zweiten Erhebungswelle des BIBB-Pflegepanels vor und präsentierte Daten zur Zusammensetzung der Auszubildenden zwischen den Versorgungsbereichen, Übernahmequoten nach der Ausbildung. Zudem wurden Fragen der Bindung von Auszubildenden an Einrichtungen und die Bedeutung von Wechseln während der Ausbildung thematisiert.
Die parallelen Sessions und Posterbeiträge beider Tage griffen nachfolgend vielfältige Perspektiven auf Resilienz in Pflegebildung, Berufspraxis und Versorgung auf. Diskutiert wurden Fragen individueller und arbeitsbezogener Resilienz, professioneller Rollenentwicklung sowie kollektiver Zusammenarbeit in Pflegeteams. Weitere Beiträge beschäftigten sich mit Ausbildungsqualität und innovativen Bildungs- und Organisationskonzepten. Darüber hinaus wurden neue Versorgungsmodelle und in diesem Zusammenhang die Integration akademisch qualifizierter Pflegefachpersonen in die Versorgungspraxis vorgestellt. Auch gesellschaftliche Herausforderungen wie Klimawandel, Nachhaltigkeit und Krisenvorsorge wurden als wichtige Themen für die Pflegebildung und Versorgung diskutiert.
Am zweiten Kongresstag stellte Prof. Dr. Thomas Rigotti von der Johannes Gutenberg-Universität Mainz in seiner Keynote „Resilienz in der Pflege stärken – eine arbeitspsychologische Perspektive“ individuelle Stressbewältigung und gesundheitsorientierte Führung in den Mittelpunkt.
Prof. Dr. Karin Reiber von der Hochschule Esslingen hielt einen Plenumsvortrag zur Pflegeausbildung und zum Pflegeberuf aus berufsbildungswissenschaftlicher Perspektive. In ihrer abschließenden „Take Home Message“ betonte Dr. Lena Dorin vom BIBB, dass Resilienz bereits in der Bildung beginne und dauerhaft auf individueller, organisationaler und gesellschaftlicher Ebene gefördert werden müsse.
Durch das Programm führten Zoé Klein und Dr. Henrik Wiegelmann.
Zum Kongress ist ein Abstractband mit allen auf dem Kongress vertretenen Beiträgen erschienen.