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Forum 6: Partnerschaften – netzwerken, zusammenarbeiten, Synergien herstellen

Wie können Bund und Länder ihre Zusammenarbeit optimieren? Wie gewinnt man zusätzliche Partner? Und was muss unternommen werden, um Netzwerke langfristig zu verstetigen? Funktionierende Partnerschaften, operative Zusammenarbeit und die Nutzung von Synergien sind wesentliche Voraussetzungen für eine erfolgreiche Umsetzung der Nationalen Dekade zur Alphabetisierung und Grundbildung. Vereinzelt gibt es bereits funktionierende Netzwerke, die Alphabetisierung und Grundbildung als Querschnittsthema bearbeiten, Synergien herstellen und dadurch wertvolle Arbeit leisten.

© Heidi Scherm, BIBB

Wie kann strategische Grundbildungsarbeit auf Landesebene konkret aussehen? Welche Beispiele erfolgreicher Zusammenarbeit gibt es bereits? In einem Impulsvortrag stellte Heike Maschner die Strategien der Grundbildungsarbeit in Nordrhein-Westfalen vor. Hierbei setzt das Land auf die breite Einbindung aller Beteiligten aus dem Bereich der Alphabetisierung, die sich insbesondere in vier Säulen wiederfinden:


1. Grundbildungsinitiative: Auf Beschluss des Landtags wurde 2014 fraktionsübergreifend beschlossen, ein breites Bündnis mit allen gesellschaftlichen Akteuren zur Alphabetisierung und Grundbildung zu bilden. Gemeinsam will man den funktionalen Analphabetismus reduzieren und Bündnisse initiieren. Innerhalb der Landesregierung werden seither Grundbildungsinitiativen ressortübergreifend in einer interministeriellen Arbeitsgruppe abgestimmt und mit Partnern aus Bildung und Wirtschaft umgesetzt.

2. Alphanetz NRW: Koordinierungsstelle für regionale Alphabetisierungsnetzwerke in NRW. Gemeinsam sollen die Öffentlichkeit sensibilisiert und Lehrpersonal sowie Multiplikatoren professionalisiert werden. Das Alphanetz NRW zählt über 100 Mitglieder, die insbesondere in regionalen und lokalen Netzwerken zusammenarbeiten.

3. Grundbildungstag NRW: Initiative der Landesregierung gemeinsam mit den Sozialpartnern zur arbeitsbezogenen Alphabetisierung und Grundbildung. Ziel der Initiative ist die Ausweitung von arbeitsplatzorientierten Grundbildungsangeboten und die Sensibilisierung von Betriebsparteien in Unternehmen. Zusammen mit dem Bildungswerk der Nordrhein-Westfälischen Wirtschaft, dem DGB-Bildungswerk NRW und Arbeit und Leben DGB/VHS NRW bietet die Landesregierung regelmäßig einen Fachtag zur arbeitsorientierten Alphabetisierung und Grundbildung an. Arbeitsbezogene Maßnahmen wurden in einer gemeinsamen Erklärung konkretisiert.

4. Förderschwerpunkt Grundbildung mit Erwerbsweltorientierung: Mit dem Förderschwerpunkt des NRW-Ministeriums für Schule und Weiterbildung werden mit ESF-Mitteln arbeitsorientierte Grundbildung und Maßnahmen zur Aktivierung von Unternehmen gefördert. Ein Beispiel ist das Projekt Gruwe . Mit dem Projekt soll die arbeitsorientierte Grundbildung für Beschäftigte in KMU gestärkt und zu einem festen Bestandteil der Grundbildungsoffensive NRW weiterentwickelt werden.


Darüber hinaus werden Alphabetisierungs- und Grundbildungsangebote nach dem Weiterbildungsgesetz NRW gefördert und in den nächsten Jahren angehoben. 2017 soll auf einem weiteren Grundbildungstag eine Zwischenbilanz der Grundbildungsinitiativen in NRW gezogen werden.

© Heidi Scherm, BIBB

Was sind Gelingensfaktoren für die Zusammenarbeit auf Landes-, Bundes- und europäischer Ebene? Ein zentrales Ergebnis der Diskussion war, dass es kontinuierlicher Anstrengungen aller Beteiligten bedarf, um die Dekadenziele zu erreichen. Eine Herausforderung besteht darin, die Zusammenarbeit so zu gestalten, dass jeder Partner des Bündnisses einen Mehrwert sehe und die Initiative stetig weiterentwickelt wird, um neue Partner wie z. B. die Wohlfahrtsverbände und Arbeitgeberverbände stärker einzubinden und präsent in der öffentlichen Wahrnehmung zu bleiben. Für die europäische Zusammenarbeit wurde betont, wie wichtig und gewinnbringend der Austausch auf europäischer Ebene sei. In diesem Zusammenhang wurde aus der „Nationalen Koordinierungsstelle Europäische Agenda für Erwachsenenbildung“ Unterstützung und kostenlose Beratung für Bildungsträger zugesichert, die sich für die Beantragung von europäischen Fördermitteln zur Vernetzung interessieren.

© Heidi Scherm, BIBB

Wie kann für Nachhaltigkeit gesorgt werden? Insgesamt sind die Bundesländer in der Förderung von Netzwerkstrukturen unterschiedlich weit. Generell kann mittlerweile auf einen reichen Erfahrungsschatz und funktionierende Konzepte zurückgegriffen werden. So eignen sich regionale Netzwerke der Alphabetisierung und Grundbildung, um in strukturschwachen Regionen (Beispiel: Grubinetz) Wirkung zu erzeugen. Erfahrungen sollten regelmäßig ausgetauscht werden, um Fehler zu vermeiden und schneller tragfähige Strukturen zu schaffen. Zudem sollten weitere Grundbildungszentren und mobile Unterstützungsangebote aufgebaut werden, um Erwachsene mit geringen Schriftsprachkompetenzen vor Ort zu erreichen.
In einem Punkt waren sich alle Diskutanten einig: Die Gewinnung von Partnern für die Alphabetisierung und Grundbildung und Vernetzung ist mühsam und braucht einen langen Atem sowie überzeugende Argumente. Im Endeffekt zahlen sich die Bemühungen jedoch aus. Dranbleiben lohnt sich!

Beteiligte

Einführung und Moderation
Kai Sterzenbach, Lernende Regionen – Netzwerk Köln e.V.

Input: Strategien für die Grundbildungsarbeit auf Landesebene
Heike Maschner, Ministerium für Schule und Weiterbildung des Landes
Nordrhein-Westfalen

Gesprächsrunde 1: Zusammenarbeit der Sozialpartner für Alphabetisierung und Grundbildung in der Region
Klaus Tiggemann, Ministerium für Wissenschaft Weiterbildung und Kultur Rheinland-Pfalz
Lisa Göbel, Grubinetz, VHS Landesverband Rheinland-Pfalz
Elisabeth Vanderheiden, Katholische Erwachsenenbildung Rheinland-Pfalz

Gesprächsrunde 2: Erfolgreiche Einbindung von Stakeholdern auf nationaler und europäischer Ebene
Thomas Bartelt, Bundesministerium für Bildung und Forschung
Hans Georg Rosenstein, Europäische Agenda Erwachsenenbildung, NA-BIBB
Karsten Schneider, Verband der Volkshochschulen des Saarlandes e.V., Vertreter im European Basic Skills Network
Andrea Hoffmeier, Katholische Erwachsenenbildung Deutschland