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Technologischer Fortschritt und Arbeitswelten

Die Digitalisierung wird Folgen haben, die wir heute schon abschätzen können wollen. Innerhalb des Schwerpunktes "Digitalisierung der Arbeitswelt" werden zum Thema "Technologischer Fortschritt und Arbeitswelten" Forschung und Ergebnisse vorgestellt, die Antworten auf die Fragen liefern, wie der Wandel aussehen könnte und wie er gestaltbar wird.

Ausgehend von der Frage, ob die Studie von Frey und Osborne (2013) auf Deutschland übertragbar ist, startete Ende 2016 das BIBB ein Projekt zur "Polarisierung 4.0". Nach Frey und Osborne sollen in unbestimmter Zukunft mehr als die Hälfte der beruflichen Tätigkeiten in den USA durch Maschinen, Roboter und Computer ersetzt werden. Diese Ersetzung betreffe vor allem ein sogenanntes "mittleres Qualifikationsniveau". Einfach auf Deutschland übertragen würde das bedeuten, dass die beruflichen Tätigkeiten von zwei Drittel der Erwerbstätigen von Ersetzung bedroht sind, denn soviele Personen in Erwerbstätigkeit haben eine berufliche Ausbildung.

Für das Projekt war dabei die Klärung der Hintergründe zentral. Derzeit dominiert eine Logik die Diskussion, nach der menschliche Arbeit defizitär ist, und Roboter oder Maschinen Teilaufgaben dieser Arbeit besser erledigen können. Diese Teilaufgaben würden in jedem Fall ersetzt, was dann auch dazu führe, dass menschliche Arbeit eventuell ganz ersetzt wird. Diese Sichtweise greift allerdings wesentlich zu kurz, sie erlaubt kaum, Gestaltungschancen zu erkennen und nimmt die Kompetenzen, die berufliche Handlungsfähigkeit begründen, kaum wahr. Das führt auch dazu, dass mit diesen Annahmen eine Anreicherung von beruflichen Aufgaben kaum erklärt werden kann. Auch der fehlende zeitliche Bezug (ersetzbar bis wann?) macht diese Argumentationen angreifbar, zumal teilweise noch Ersetzungsmöglichkeiten beschrieben wurden, die schon längst umgesetzt worden sind.

Dieses Projekt geht einen Schritt zurück und mehr in die Tiefe, in dem es herausarbeitet, wie sich berufliche Anforderungen durch den Einfluss von technologischen Entwicklungen verändern und sieht den technologischen Wandel in seinen Ausformungen (wie der Digitalisierung) nur als eine und nicht als die einzige Ursache für Veränderungen in beruflichen Anforderungen. Die Perspektiven von Betrieben und Erwerbstätigen werden gleichberechtigt eingebunden und die Projektionen in die Zukunft haben einen klaren zeitlichen Rahmen.

Aus der Bearbeitung dieser These entstanden eine Kurzexpertise, ein Wissenschaftliches Diskussionspapier, es entwickelten sich verschiedene Konferenzteilnahmen und Workshops, bei denen die Expertise der Projektmitarbeiterinnen und -mitarbeiter gefragt war.

Ersetzungspotentiale durch Technologie

In der Abschätzung von möglichen Folgen des Einsatzes neuer Technologien auf den Arbeitsmarkt gibt es eine immer wiederkehrende Frage: Wie hoch ist der Anteil von Arbeitstätigkeiten und Arbeitsaufgaben, die von neuen Technologien ersetzt werden? Das Team des Polarisierungsprojektes am BIBB ist der Frage auf den Grund gegangen, wie man mit den vorhandenen Daten diese sogenannten „Ersetzungspotentiale“ am besten abbilden kann. Sie beachten die Perspektiven individueller Erwerbstätiger und von Betrieben und machen einen Vorschlag zur Verknüpfung dieser Perspektiven.

Vorabversion "Operationalisierung von Ersetzungspotentialen in Erwerbstätigkeiten durch Technologie"

Digitalisierung als Beschleunigerin des Strukturwandels

Welche Veränderungen bringen Digitalisierung und Automatisierung mit sich? Wird es, wie Frey/Osborne behaupten, zu einer Polarisierung des Arbeitsmarktes kommen? Gibt es dazu schon empirische Belege? Diese und andere Fragen hat das BIBB im Rahmen des Forschungsprojekts "Polarisierung von Tätigkeiten in der Wirtschaft 4.0" analysiert.

Im Ergebnis wird sich der durch die Digitalisierung der Wirtschaft getriebene Wandel in den Berufen, Tätigkeiten und insbesondere in den Branchen hin zu stärker technologiegestützten Dienstleistungen beschleunigen. Die im Rahmen der Polarisierungsthese prognostizierten Arbeitsplatzverluste werden aber nicht eintreten, da es insbesondere auf den Tätigkeitsmix am Arbeitsplatz ankommt.

Die Studie des BIBB weist zwar auf drohende Arbeitsplatzverluste hin, zeigt aber auch, dass im gleichen Umfang Arbeitsplätze mit neuen Anforderungen entstehen werden. In diesem wissenschaftlichen Diskussionspapier sind die Zwischenergebnisse des Projektes beschrieben.
Wissenschaftliches Diskussionspapier: Digitalisierung der Arbeitslandschaften - Keine Polarisierung der Arbeitswelt, aber beschleunigter Strukturwandel und Arbeitsplatzwechsel

Taxonomie der Arbeitsmittel

In diesem Beitrag wird die Taxonomie der Arbeitsmittel des BIBB vorgestellt. Durch eine automatisierte Datenextraktion aus Stellenanzeigen werden Arbeitsmittel identifiziert und klassifiziert, wodurch die gesamte Spannweite von Arbeitsmitteln erfasst wird. Die Taxonomie ist auf verschiedene Datensätze anwendbar und auf unterschiedliche Fragestellungen übertragbar; sie wird stetig weiterentwickelt und aktualisiert.
Die Taxonomie der Arbeitsmittel des BIBB

Polarisierung von Tätigkeiten in der Wirtschaft 4.0

Die vorliegende Kurzexpertise ist das erste Ergebnis eines Projektes, das das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) für das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) durchführt. Unter dem Titel "Polarisierung von Tätigkeiten in der Wirtschaft 4.0 – Fachkräftequalifikationen und Fachkräftebedarf in der digitalisierten Arbeit von morgen" wird untersucht, wie mögliche Auswirkungen des technologischen Fortschritts auf den deutschen Arbeitsmarkt und speziell die berufliche Ausbildung in Deutschland einzuschätzen sind.
Kurzexpertise: Polarisierung von Tätigkeiten in der Wirtschaft 4.0 - Fachkräftequalifikationen und Fachkräftebedarf in der digitalisierten Arbeit von morgen

Die Hintergründe des Projekts

Hintergründe: Zum aktuellen Stand der Forschung zur Ersetzbarkeit von Berufen und beruflichen Tätigkeiten

Basierend auf dem TASK Ansatz (Autor u.a., 2003) sind seit 2013 einige eher theoretische Studien zu Ersetzbarkeitspotentialen erschienen. Dabei geht es hier immer um die Potentiale und nicht um deren Realisierungschancen. Während die theoretischen Studien nur ein (theoretisches) Ersetzungspotential beschreiben, wird dieses in der Presse und auch von Unternehmensberatungsgesellschaften als Fakt angenommen und in Schreckensszenarien entsprechend hochgerechnet. Tatsächlich ist aber bei der Berechnung und Nutzung von Ersetzbarkeitspotentialen immer zu beachten, dass:

  • eine Technologie bekannt und verfügbar sein muss, die eine Tätigkeit ersetzen kann. Dies ist aber nicht selbstverständlich. Weder die Kenntnis über einzelne Technologien noch ihre (möglichen) Vernetzungen zu anderen Technologien (auch über Suchen über das Internet) als auch die tatsächliche Verfügbarkeit für und im Produktionsprozess sind garantiert.
  • eine Ersetzbarkeit auch betriebswirtschaftlich lohnend ist und auch von den Kunden akzeptiert wird.
  • diese Ersetzbarkeit nicht schon umgesetzt worden ist. Hochdigitalisierte Branchen haben mitunter diese Potentiale bereits ausgenutzt, andere Branchen, oder auch KMU ziehen erst noch nach. Dies muss bei den Auswirkungen immer bedacht werden.
  • Auslagerungen / start ups sind möglich und verändern die Beschäftigung und die betrieblichen Tätigkeiten.
  • die Digitalisierung nicht nur Ersetzbarkeitspotentiale eröffnet, sondern auch Wirkungen auf die Güterproduktion und das Dienstleistungs- und Güterangebot, auf das Konsumverhalten, die Beschäftigungsformen, die Arbeitsbedingungen usw. haben.

Theoretisch basierte Konzepte der Ersetzbarkeitspotentiale

Frey/Osborne (Oxford, 2013) untersuchen die theoretische Möglichkeit der Ersetzbarkeit von Tätigkeiten in Berufen. Danach arbeiten derzeit 47% der Beschäftigten der USA in Berufen, die in den nächsten 10 bis 20 Jahren mit hoher Wahrscheinlichkeit (> 70%) automatisiert werden können.
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Bonin et al. (ZEW, 2015) übertragen die Wahrscheinlichkeit von Frey/Osborne auf die deutsche Berufsstruktur und deren Tätigkeitsstruktur. Danach weisen in den USA 9% der Arbeitsplätze Tätigkeitsprofile mit einer relativ hohen Automatisierungswahrscheinlichkeit auf. In Deutschland trifft dies auf 12% der Arbeitsplätze zu.
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Dengler/Matthes (IAB, 2015, 2018) analysieren ebenfalls die theoretische Möglichkeit der Ersetzbarkeit von Tätigkeiten auf der Grundlage der beruflichen Inhalte (Datenquelle: Berufenet). Danach weisen 15 Prozent der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Deutschland im Jahr 2013 sehr hohe Substituierbarkeitspotenziale auf. Mehr als 70 Prozent der Tätigkeiten können heute schon durch Computer ersetzt werden.
IAB- Forschungsbericht 11/2015: Folgen der Digitalisierung für die Arbeitswelt - Substituierbarkeitspotenziale von Berufen in Deutschland 

IAB-Kurzbericht 4/2018: Substituierbarkeitspotenziale von Berufen - Wenige Berufsbilder halten mit der Digitalisierung Schritt

Empirische Studien

Einige empirische Studien, die ebenfalls den TASK-Ansatz folgen, nutzen für ihre Analysen die Ersetzbarkeit von Routinetätigkeit.

Pfeiffer/Suphan (2015): Arbeitsvermögensindex auf der Grundlage der Selbstwahrnehmung der Beschäftigten (Datengrundlage: BIBB/BAuA-Erwerbstätigenbefragungen).
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Tiemann (2016): Routineanteile und Ersetzbarkeit aus Sicht von Beschäftigten – empirisches Maß der Routineanteile (Datengrundlage: BIBB/BAuA-Erwerbstätigenbefragungen).
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Lukowski (2016): Routineanteile und Ersetzbarkeit aus Sicht von Betrieben und erreichter Grad der betrieblichen Digitalisierung, liegt je nach Branche zwischen 2,4 und 5,7 auf einer Skala von 0 bis 7 (Datengrundlage: BIBB-Qualifizierungspanel).
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Theoretische Potentialbetrachtungen im Rahmen von Hochrechnungen

Vor allem auf den Grundlagen der theoretischen Potentialbetrachtungen wurden im Rahmen von Hochrechnungen entsprechende Ersetzbarkeiten in der realen Wirtschaft. Autoren hierfür kommen vor allem aus dem Consultingbereich.

Brzeski (ING-DIBA, 2015): 18,3 Millionen Arbeitsplätze in Deutschland sind innerhalb der nächsten zehn bis 20 Jahre durch die "Robotisierung" gefährdet.
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McKinsey (2017): Bis 2055 könnte die Hälfte aller Arbeitsstunden durch Automatisierung wegfallen. Knapp ein Viertel aller Arbeitsstunden könnten schon 2030 weggefallen sein.
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Rentmeister et al. (Boston Consulting Group, 2017): Bis zum Jahr 2025 sind die Stellen von 7,7 Millionen Beschäftigten von Automatisierung betroffen (Datengrundlage Dengler/Matthes und eigene Hochrechnungen).
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Komplexe Szenarien

Komplexe Szenarien versuchen Ersetzbarkeiten im Kontext der makroökonomischen, sektoralen und demografischen Entwicklung sichtbar zu machen.

BIBB-IAB-Qualifikations- und Berufsfeldprojektionen (QuBe)-Wirtschaft 4.0 Szenarien 2015/2017 (Wolter et al., BIBB-IAB): Bis 2025 entstehen knapp 1,5 Mio. neue Arbeitsplätze und etwas mehr als 1,5 Mio. Arbeitsplätze gehen verloren. Im Saldo bedeutet dies einen Nettoverlust von rd. 30.000 Arbeitsplätzen (Datengrundlage u.a. Matthes/Dengler im Rahmen eines QuBe-Modell/Szenario).
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QuBe Szenario 2018 (geplant) unter Nutzung von überarbeiteten und stärker auch auf empirischen Daten basierenden Ersetzbarkeiten

BIBB-IAB QuBe Szenario 2018 (geplant) unter Nutzung neuer empirischer Ersetzbarkeiten

Szenario QuBe

Economix (Vogler-Ludwig, Düll, Kriechel) Prognose 2016 - Wirtschaft und Arbeitsmarkt im digitalen Zeitalter
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