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1. Allgemeine Fragen zum Konzept und Daten

Was sind die BIBB-IAB-Qualifikations- und Berufsfeldprojektionen?

Bei den BIBB-IAB-Qualifikations- und Berufsfeldprojektionen (QuBe-Projekt) (HELMRICH und ZIKA 2010, HELMRICH u.a. 2012, MAIER u.a. 2014a, MAIER u.a. 2014b, ZIKA u.a. 2012) handelt es sich um koordinierte Angebots- und Bedarfsprojektionen auf der Grundlage gemeinsam definierter Berufsfelder und Datengenerierungen. Neben dem BIBB und dem IAB sind auch die Gesellschaft für wirtschaftliche Strukturforschung (GWS) und das Fraunhofer Institut für Angewandte Informationstechnik (FIT) am QuBe-Konsortium beteiligt. Derzeit werden Entwicklungen im Bildungssystem und am Arbeitsmarkt bis zum Jahr 2035 projiziert. Dabei können die Ergebnisse nach folgenden Merkmalen untergliedert werden:

Zum einen der Bestand an Erwerbstätigen nach ausgeübtem Beruf, Anforderungsniveau und Branchenzugehörigkeit, zum anderen die Erwerbspersonen nach erlerntem und ausübbarem Beruf, Qualifikationsniveau, Alter und Geschlecht. Durch das Ausweisen einer beruflichen Flexibilitätsmatrix gelingt es das Angebot an Erwerbspersonen nach erlerntem Beruf in ein potentielles Arbeitsangebot nach ausgeübtem Beruf umzurechnen. Ein Alleinstellungsmerkmal, das bislang keine andere Projektion aufweist

Auf der Ebene der Berufe werden die Abgrenzungen der tätigkeitshomogenen BIBB-Berufsfelder (TIEMANN 2016) sowohl auf der Bedarfs- als auch auf der Angebotsseite angewandt, wobei die Einführung der Berufsklassifikation des Jahres 2010 (KldB 2010) eine Anpassung der bislang verwendeten 54 BIBB-Berufsfelder (TIEMANN u.a. 2008) auf 50 BIBB-Berufsfelder (TIEMANN 2016) notwendig gemacht hat (siehe Frage „Wie wurden die BIBB-Berufsfelder abgegrenzt?“).

Das Arbeitsangebot wird auf der Qualifikationsebene nach vier Stufen im Rahmen der ISCED-Klassifikation unterschieden und zwar: Personen ohne eine formale berufliche Qualifikation (ISCED 1, 2, 3a); Personen mit einer Berufsausbildung (ISCED 3b, 4); Personen mit einer Meister, Techniker, Fachschulqualifikation (ISCED 5b); Personen mit einem akademischen Abschluss (ISCED 5a, 6). Personen, die sich in einem Bildungsgang befinden (z.B. Schule, Ausbildung, Studium) werden als separate Kategorie ausgewiesen (siehe Frage „Warum wurde ISCED verwendet?“).

Seit der vierten Projektionswelle, die im Jahr 2016 erschienen ist, wird auf der Arbeitsnachfrageseite nach vier Anforderungsniveaus unterschieden, die anhand der fünften Stelle der Klassifikation der Berufe 2010 ermittelt werden. Dabei lässt sich zwischen Helfer-/Anlerntätigkeiten, fachlich ausgerichteten Tätigkeiten, komplexen Spezialistentätigkeiten und hoch komplexen Tätigkeiten unterscheiden. Hierdurch wird es erstmals möglich, das Arbeitsangebot nach Qualifikationen mit den tatsächlichen Arbeitsanforderungen an die Arbeitskräfte zu vergleichen.

Welches Konzept wird mit den BIBB-IAB Qualifikations- und Berufsfeldprojektionen verfolgt?

Das Konzept des QuBe-Projektes sieht es vor, in der Basisprojektion beobachtete Zusammenhänge der Vergangenheit im Bildungssystem und auf dem Arbeitsmarkt fortzuschreiben. Sofern sich Abhängigkeiten zwischen unterschiedlichen Variablen in der Vergangenheit beobachten lassen, werden diese Abhängigkeiten auch für die Zukunft berücksichtigt. Lassen sich in bestimmten Größen keine Zusammenhänge oder Trends erkennen, wird der Status-Quo fortgeschrieben. Diese Vorgehensweise wird gewählt, weil sie die zugänglichste Interpretation der Ergebnisse erlaubt. Diese machen sichtbar, auf welchem Weg wir uns derzeit befinden und wo gegebenenfalls unerwünschte Entwicklungen korrigiert werden müssen. Wir gehen nicht davon aus, dass das Ergebnis auch tatsächlich so eintreten wird. Zwar zeigen die einzelnen Projektionen ¬ jeweils für sich alleine genommen ¬ realistische Entwicklungspfade auf, allerdings stützen sie sich lediglich auf bereits in der Vergangenheit nachgewiesene Erkenntnisse. Anpassungsreaktionen zwischen Arbeitsangebot und -bedarf auf der Berufsfeldebene (Lohnsteigerungen und Veränderungen der beruflichen Flexibilitäten) werden zwar modelliert, jedoch nur dort, wo sie auch empirisch nachweisbar sind. Das zukünftige Verhalten kann aber auch vom vergangenen Verhalten abweichen oder es können Situationen entstehen, die in der Vergangenheit nicht erlebbar waren (z.B. Fachkräfteengpässe bei bestimmten Berufen). Die Ergebnisse haben deshalb immer den Charakter einer Wenn-Dann-Aussage und stellen keine Prognose im Sinne eines unveränderlichen Abbildes der Zukunft dar.

Welche Alleinstellungsmerkmale kennzeichnen die BIBB-IAB-Qualifikations- und Berufsfeldprojektionen?

Die Methodik des QuBe-Projektes wird kontinuierlich weiterentwickelt und in wissenschaftlichen Zeitschriften publiziert (MAIER u.a. 2015). Hierdurch wurden mehrere Alleinstellungsmerkmale erarbeitet.
Mit der Erstveröffentlichung (HELMRICH und ZIKA 2010) heben sich die BIBB-IAB-Qualifikations- und Berufsfeldprojektionen durch die Gegenüberstellung von Arbeitsangebot und –bedarf auf Berufsebene von vorherigen Studien ab (z.B. BLK 2002, BONIN u.a. 2007, DOSTAL 2002), die sich vorrangig auf die Ebene der Qualifikationsniveaus, einzelner Branchen oder abstrakter Tätigkeitsbereiche beschränkten. Projektionen auf der Berufsebene waren aufgrund fehlender Systematiken und Merkmale, die eine handhabbare Zuordnung zwischen Angebot und Bedarf ermöglichen, nicht machbar. Als Alleinstellungsmerkmal wurde eine berufliche Flexibilitätsmatrix errechnet (MAIER und HELMRICH 2012). Diese gibt wieder, inwieweit Personen mit einem bestimmten erlernten Beruf während ihres Erwerbslebens in diesem Beruf verweilen und mit welcher Häufigkeit sie andere Tätigkeiten ausüben.

Während in der ersten Projektionswelle unter Berücksichtigung der beruflichen Flexibilität bereits das Arbeitsangebot mit dem Arbeitsbedarf auf der Ebene der Personen für die Berufsfelder bilanziert werden konnte, wurde diese Bilanzierung in der zweiten Projektionswelle auf die Ebene des Arbeitsvolumens erweitert (ZIKA u.a. 2012). Hierfür wurde ebenfalls aus dem Mikrozensus ein Arbeitsvolumenpotential nach Geschlecht, Alter, Qualifikation und Berufsfeld berechnet, welches wiedergibt, inwieweit die Erwerbspersonen bereit sind mehr zu arbeiten als sie es gegenwärtig tun.

In der dritten Welle des QuBe-Projektes (MAIER u.a. 2014a, MAIER u.a. 2014b) werden durch die Berücksichtigung von berufsfeldspezifischen Löhnen Interaktionen zwischen der Bedarfs- und Angebotsseite modelliert. Die Lohnentwicklung ist dabei abhängig von potentiellen Arbeitskräfteengpässe und -überschüssen in den Berufsfeldern und die Erwerbspersonen reagieren im Rahmen ihrer beruflichen Flexibilität auf diese Lohnveränderungen. Diese Dynamik zwischen der Angebots- und Bedarfsseite kann sich allerdings nur dort entfalten, wo auch in der Vergangenheit Reaktionen festgestellt werden konnten. Dieses Empirie-gestützte Vorgehen ist die Grundlage einer jeden Basisprojektion des QuBe-Projektes (siehe MAIER u.a. 2014b)

Für die vierte Projektionswelle wurde eine eigene QuBe-Bevölkerungsprojektion erstellt (FUCHS u.a. 2016, GORODETSKI u.a. 2016, MAIER u.a. 2016a, MAIER u.a. 2016b), weil erkennbar war, dass auch die neuste koordinierte Bevölkerungsprojektion des Statistischen Bundesamtes die gegenwärtigen Migrationsbewegungen nicht abbilden kann. Die Integration einer eigenen Bevölkerungsprojektion ermöglicht die Analyse von Auswirkungen veränderter Wanderungsbewegungen auf die Volkswirtschaft und das Bildungsgeschehen. So wird z.B. der mittel- und langfristige Einfluss der Geflüchteten auf die Bevölkerungsstruktur, das Arbeitskräfteangebot und den Arbeitskräftebedarf abgeschätzt.

Ist der Ansatz international anpassungsfähig/vergleichbar?

Die internationale Vergleichbarkeit von Projektionsergebnissen hängt größtenteils von zwei wesentlichen Faktoren ab: Den gewählten Datenquellen und den gewählten Klassifikationen. Der Ansatz des QuBe-Projekts stützt sich auf einer detaillierten Auswertung des Mikrozensus. Der Mikrozensus stellt die deutsche Form des Labour Force Survey dar. Internationale Studien, die auf den Labour Force Survey zurückgreifen (z.B. das „forecasting skill demand and supply“ Projekt von CEDEFOP) kommen daher zu ähnlichen Entwicklungen wie das QuBe-Projekt (MAIER 2011). Auf der Ebene der Qualifikationsstufen ist durch die Verwendung der ISCED-Klassifikation ein Vergleich prinzipiell möglich. Auch die verwendete Wirtschaftszweigklassifikation WZ08 ist mit der international verwendeten NACE Rev. 2 kompatibel, so dass eine Vergleichbarkeit der Erwerbstätigen nach Wirtschaftszweigen ermöglicht wird. Die Vergleichbarkeit nach Berufen ist etwas eingeschränkt, aber dennoch möglich. So führte die Umstellung der nationalen Berufsklassifikationen der Jahre 1988 bzw. 1992 auf die neue Berufsklassifikation 2010 auch international zu einem Bruch in den Zeitreihen (ISCO-2008). Die KldB 2010, welche die Grundlage für die 50 BIBB-Berufsfelder bildet kann hingegen problemlos in die ISCO 2008 umgeschlüsselt werden. Unterschiede ergeben sich jedoch auch in der verwendeten Bevölkerungsprojektion. Während das QuBe-Projektteam eine eigene Bevölkerungsprojektion erstellt, greifen europäische Studien auf die Vorausberechnungen von Eurostat zurück. Diese unterscheiden sich ebenfalls von der Bevölkerungsprojektion des Statistischen Bundesamtes.

Welche Daten werden verwendet?

Die wesentliche Strukturinformation der Projektionen entstammt dem Mikrozensus, da er die einzige amtliche Repräsentativstatistik über die Bevölkerung und den Arbeitsmarkt in Deutschland darstellt. Er liefert u.a. Informationen über die Bevölkerungsstruktur, die wirtschaftliche und soziale Lage der Bevölkerung sowie die Erwerbstätigkeit, die Arbeitssuche sowie für alle Erwerbspersonen in Deutschland bildungsbereichsübergreifend repräsentative Angaben zur Fachrichtung des höchsten absolvierten beruflichen Abschlusses. Es werden jedoch auch weitere Quellen wie die Bildungsdaten der amtlichen Statistik (Hochschulen, berufliche Schulen) und die Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung herangezogen. Für die Lohninformation nach Berufen wird auf die Beschäftigtenhistorik der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten zurückgegriffen.

2. Bedarfsprojektionen

Welche Annahmen zum Wirtschaftswachstum und zur Entwicklung der Produktivität wurden unterstellt?

Bezüglich des Wirtschaftswachstums und der Produktivitätsentwicklung wurden keine expliziten Annahmen getroffen, vielmehr wurde wegen der Vielzahl relevanter Bestimmungsgrößen für die Erfassung der volkswirtschaftlichen Komplexität ein modellbasiertes Projektionssystem, das so genannte QINFORGE-Modell zur Vorausschau verwendet.

Nach welchen Branchen wird unterschieden?

Das QINFORGE-Modell unterscheidet nach 63 Wirtschaftssektoren, basierend auf der Wirtschaftszweigsystematik 2008.

Wie funktioniert das QINFORGE-Modell?

Beim QINFORGE-Modell handelt es sich um ein nach Produktionsbereichen und Gütergruppen tief disaggregiertes ökonometrisches Prognose- und Simulationsmodell für die Bundesrepublik Deutschland, das von der Gesellschaft für Wirtschaftliche Strukturforschung (GWS mbH) entwickelt worden ist (MAIER u.a. 2014b, MEYER u.a. 2007, SCHNUR und ZIKA 2009). Seine besondere Leistungsfähigkeit beruht auf der Integration in einen internationalen Modellverbund. Das Modell beruht auf dem Konstruktionsprinzip "bottom-up" und "vollständige Integration". "Bottom-up" besagt, dass die einzelnen Sektoren der Volkswirtschaft sehr detailliert modelliert und die gesamtwirtschaftlichen Variablen durch Aggregation im Modellzusammenhang gebildet werden. "Vollständige Integration" steht für eine komplexe und simultane Modellierung der interindustriellen Lieferverflechtung sowie der Entstehung und Verteilung der Einkommen, der Umverteilungstätigkeit des Staates und der Einkommensverwendung der privaten Haushalte.

3. Angebotsprojektionen

Was wird projiziert?

Projiziert wird das Arbeitsangebot (Erwerbspersonen (Erwerbstätige und Erwerbslose)) mit dem erlernten Beruf sowohl im Neuangebot als auch im Erwerbspersonenbestand. Auf der Arbeitsangebotsseite erfolgt die Projektion auf vier Qualifikationsstufen nach der ISCED-Klassifikation und einer separaten Kategorie für Personen in Bildung sowie nach 50 Berufsfeldern.

Wie funktioniert das Angebotsmodell?

Die wesentliche Komponente des Angebotsmodels ist die angenommene Bevölkerungsentwicklung („Wie wurde die Bevölkerungsprojektion projiziert“). Um die Bevölkerung auch nach Qualifikations- und Erwerbsstatus zu projizieren, wird auf mehrere Übergangsmodelle zurückgegriffen, nach denen beginnend mit einer Ausgangspopulation künftige Erwerbspersonenbestände über Zu- und Abgänge modelliert werden (KALINOWSKI und QUINKE 2010). Im Projektionszeitraum wird das Neuangebot weitestgehend an die Eckwerte der Vorausberechnung der Schüler- und Absolventen sowie Studienanfänger der Kultusministerkonferenz angepasst. Somit wird auch die Verkürzung der Schulzeit an Gymnasien und daraus resultierende Doppeljahrgänge studienberechtigter Absolventen berücksichtigt. Bei dieser Vorausberechnung der Studienanfängerzahlen handelt es sich um eine Status-quo Prognose mit konstant gehaltener Studienanfängerquote. Die Anzahl der Studienanfänger steigt damit wegen der steigenden Anzahl an Absolventen des Sekundarbereichs II mit einer Hochschulzugangsberechtigung und spiegelt sich entsprechend in einem steigenden Neuangebot an Erwerbspersonen mit einem akademischen Abschluss wider. Die künftige Qualifikationsstruktur der Erwerbspersonen wird aber auch zunehmend durch die aus dem Erwerbsleben ausscheidenden Personen bestimmt. Diese weisen vorwiegend eine Qualifizierung im mittleren Qualifikationsbereich auf. Die über das Neuangebot und Restbestand projizierte Bevölkerung nach Qualifikationsstufen, nimmt nun in unterschiedlichem Maße in Abhängigkeit des Alters, Geschlechts und des Qualifikationsniveaus am Erwerbsleben teil.

Wie wurde die Bevölkerungsentwicklung projiziert?

Während sich die vorherigen Projektionswellen auf die 12. koordinierte Bevölkerungsvorausberechnung des Statistischen Bundesamtes stützten, wurde für die vierte Welle eine eigene QuBe-Bevölkerungsprojektion erstellt (FUCHS u.a. 2016, GORODETSKI u.a. 2016, MAIER u.a. 2016a, MAIER u.a. 2016b). Dies wurde notwendig, da im Laufe des Jahres 2015 ersichtlich wurde, dass die Wanderungsannahmen der aktualisierten 13. koordinierten Bevölkerungsvorausberechnung die derzeitigen Wanderungsgewinne aufgrund des Zuzugs von Geflüchteten massiv unterschätzen.
Die QuBe-Bevölkerungsprojektion basiert auf der Bevölkerungsprojektion des vom IAB entwickelten integrierten Arbeitskräfteangebots- und Bevölkerungsmodells. Spezifika des Modells sind, dass es zum einen zwischen Deutschen, Nicht-Deutschen, anerkannten und nicht-anerkannten Geflüchteten unterscheidet und zum anderen die einzelnen Komponenten (Geburtenziffern, Überlebenswahrscheinlichkeiten, Zu- und Abwanderungen sowie die Einbürgerungen) mit zeitreihenanalytischen Methoden schätzt und für die Zukunft fortschreibt. Im Folgenden wird auf die Modellierung der einzelnen Komponenten, die auch für die QuBe-Bevölkerungsprojektion verwendet werden, kurz eingegangen, eine ausführliche Modellbeschreibung des integrierten Arbeitskräfteangebots- und Bevölkerungsmodells (IAB-Modell) findet sich bei (FUCHS u.a. 2016).

Geburtenziffern: Die altersspezifischen Geburtenziffern (15 bis 49 Jahre) werden getrennt nach deutschen und ausländischen Frauen mit Hilfe einer Hauptkomponentenanalyse bestimmt. Für deutsche Frauen ergibt sich daraus ein leichter Anstieg der zusammengefassten Geburtenziffer (TFR=total fertility rate) von heute 1,4 auf 1,5 im Jahr 2035, bei den Ausländerinnen bleibt sie annähernd konstant bei ca. 1,8.

Überlebenswahrscheinlichkeiten: Diese werden ebenfalls nach Einzelalter (hier von 0 bis 90 Jahre und älter), getrennt nach Männer und Frauen, mit der Hauptkomponentenanalyse geschätzt. Hieraus ergibt sich eine Lebenserwartung für Frauen von 86,1 Jahren in 2035 (Männer: 82,1 Jahre).

Zuwanderung: Im Gegensatz zum IAB-Modell wird in der QuBe-Bevölkerungsprojektion die Zuwanderung nicht über Hauptkomponenten geschätzt, sondern über das Modell TINFORGE (WOLTER u.a. 2014) bestimmt. Dabei wird für jedes Herkunftsland der Zuwandernden entschieden, ob die Auswanderung aus dem Herkunftsland aufgrund der demografischen, sozioökonomischen oder politischen Situation vor Ort motiviert ist. Für die Modellierung hat dieses Vorgehen folgende Konsequenzen (GORODETSKI u.a. 2016):

  • Demografisch: Die Auswanderung aus den Herkunftsländern nach Deutschland ist allein durch die demografische Entwicklung in den Herkunftsländern getrieben. D.h. je größer der Anteil der jüngeren Bevölkerungsklassen in den Herkunftsländern ist, desto stärker ist die Mobilitätsneigung in diesen Ländern.
  • Sozioökonomisch: Die Auswanderung aus dem Herkunftsland erfolgt aufgrund der sozioökonomischen Situation vor Ort. Gut ersichtlich ist dies beispielsweise anhand der südeuropäischen Staaten im Zuge der Finanz- und Wirtschaftskrise. Hier wird angenommen, dass sich diese Zuzüge langfristig wieder dem Durchschnitt annähern.
  • Politisch: Die Auswanderung erfolgt aufgrund der unsicheren politischen und gesellschaftlichen Situation im Herkunftsland, die beispielhaft durch den Fragil-State-Index abgeschätzt werden kann. Aber auch der politisch motivierte Abbau von Handelshemmnissen, wie z.B. durch Freihandelsabkommen, kann die Mobilität zwischen Deutschland und den Partnerstaaten erhöhen. In diesen Fällen wird der bisher beobachtbare Trend der Auswanderungsneigung nach Deutschland fortgeschrieben.


Geflüchtetenmodul: Für die der QuBe-Bevölkerungsprojektion werden die Zuzüge aus den derzeitigen Hauptherkunftsländern im System zur Erstverteilung der Asylbegehrenden (EASY) gesondert per Annahme anhand eines „Geflüchtetenmoduls“ modelliert. Dieses Vorgehen ist dem Umstand geschuldet, dass zum einen keine validen Kenntnisse über die Dauer des Krieges in Syrien vorherrschen und zum anderen derzeit auch schwer abschätzbar ist, welche Steuerungsmechanismen in Europa oder auch in einzelnen europäischen Mitgliedstaaten mittel- und langfristig für den Zuzug an Geflüchteten ergriffen werden. Einen kurzen Überblick über die Modellierungsannahmen des Geflüchtetenmoduls liefert unten stehende Abbildung



Abbildung1 : Modelierungsannahmen des Geflüchtetenmoduls (Quelle: QuBe-Projektteam)

 

Abwanderung: Die alters- und geschlechtsspezifischen Fortzugsquoten (0 bis 90 Jahre und älter), getrennt nach Deutschen und Ausländern, werden mit dem IAB-Modell aus den Fortzügen der Wanderungsstatistik und der Bevölkerungsfortschreibung des Statistischen Bundesamtes mittels Hauptkomponentenanalyse ermittelt und für die Zukunft fortgeschrieben. Einzige Ausnahme sind die anerkannten Geflüchteten und Schutzbedürftigen, von denen angenommen wird, dass sie dauerhaft in Deutschland bleiben. Das Fortzugsverhalten der nicht-anerkannten Geflüchteten entspricht dem aller anderen Nicht-Deutschen (siehe Abbildung 1).

Einbürgerungen: Analog zu den Abwanderungen werden alters- und geschlechtsspezifische Einbürgerungsquoten von Ausländern geschätzt. Allerdings besteht für nicht-anerkannte Geflüchtete keine Möglichkeit, sich einbürgern zu lassen.

Welche Annahmen zu den Erwerbsquoten wurden unterstellt?

Die über das Neuangebot und Restbestand projizierte Bevölkerung nach Qualifikationsstufen, nimmt in unterschiedlichem Maße in Abhängigkeit des Alters, Geschlechts und des Qualifikationsniveaus am Erwerbsleben teil. Die Erwerbsquoten, die den Anteil der Erwerbspersonen unter der Bevölkerung gleichen Alters, Geschlechts und Qualifikationsniveaus darstellen, werden über Trendschätzungen fortgeschrieben. Grundsätzlich lässt sich vor allem bei Frauen und Älteren in der Vergangenheit Steigerungen bei den Erwerbsquoten erkennen. Diese werden in abgeschwächter Form auch für die Projektion so fortgeführt. Die Anpassung des gesetzlichen Renteneintrittsalters von 65 auf 67 Jahren wird über eine schrittweise Erhöhung der Erwerbsquoten in den Altersklassen über 60 Jahren berücksichtigt.

Bezüglich des Erwerbsverhaltens von Geflüchteten wird angenommen, dass die Erwerbsquoten nach ca. zehnjährigem Aufenthalt in Deutschland die Höhe der nicht geflüchteten Ausländer erreichen und damit geringer sind als die Quoten der deutschen Bevölkerung (BRÜCKER u.a. 2015). Die Anpassung erfolgt stufenweise. Weibliche Geflüchtete weisen dabei durchgehend eine niedrigere Erwerbsquote als männliche Geflüchtete auf. Geflüchtete, die bereits vor 2014 nach Deutschland zugezogen sind, können in der Modellierung nicht mehr getrennt werden und werden deshalb als „Nicht-Geflüchtete“ behandelt.

Wie wurde die Stille Reserve bzw. das Erwerbspersonenpotential mit einbezogen?

Das Erwerbspersonenpotential ist die Summe aus Erwerbspersonen und der sogenannten Stillen Reserve. Die Stille Reserve ist der Teil der Bevölkerung, der freiwillig nicht am Erwerbsleben teilnimmt, aber unter gegebenen Umständen eine Erwerbsbeteiligung in Erwägung ziehen würde. Durch die zunehmende Steigerung der Erwerbsquoten ist aber davon auszugehen, dass die Stille Reserve langsam abschmilzt.

Wie wird das Arbeitsvolumenpotential der Erwerbspersonen berücksichtigt?

Das Arbeitsvolumenpotential ist ein hypothetisches Konstrukt, das angibt, wie groß das Arbeitsangebot, gemessen in Stunden, tatsächlich ist. Zur Berechnung dieses Konstrukts wird im Mikrozensus, einer 1-Prozentstichprobe der Wohnbevölkerung Deutschlands, auf die Zahl der gewünschten wöchentlichen Arbeitsstunden zurückgegriffen, sofern diese über den regelmäßig tatsächlich geleisteten Arbeitsstunden liegen (ZIKA u.a. 2012: 8).

4. Qualifikationen - ISCED

Warum wurde ISCED verwendet?

Die Qualifikationsstufen sind entsprechend der ISCED-Klassifikation vorgenommen worden, damit eine Vergleichbarkeit mit internationalen Projektionsmodellen möglich ist. Vorerst wurden nur nach vier Gruppen von Abschlüssen differenziert, die zahlenmäßig und hinsichtlich der Bildungsgänge am Bedeutendsten sind. Personen, die sich in einem Bildungsgang befinden (z.B. Schüler, Auszubildende, Studierende) werden in einer separaten Kategorie geführt.

Warum vier Qualifikationsstufen?

In der ersten Stufe wurde für die aktuelle Projektion eine Differenzierung nach diesen vier Qualifikationsstufen vorgenommen, da sie für den Arbeitsmarkt die relevanten Qualifikationsstufen darstellen.

Wie sind die Personen ohne formalen beruflichen Abschluss / Ungelernte abgegrenzt? Gibt es keine Unterschiede zwischen ISCED 1, 2 und 3a?

Personen mit Hochschulzugangsberechtigung (ISCED 3a) haben eine weitaus bessere Chance auf dem Arbeitsmarkt als Personen ohne beruflichen Abschluss, die keine Hochschulzugangsberechtigung vorweisen können (BRAUN u.a. 2012). Allerdings ist für unsere Auswertung die Anzahl an Fachkräften mit einer beruflichen Qualifizierung von Interesse, weshalb Personen ohne einen beruflichen Abschluss oder Studium als Personen ohne formalen beruflichen Abschluss gezählt werden.

Wie wird mit Personen in Ausbildung umgegangen?

Personen in Ausbildung werden als Erwerbstätige gezählt und einem ausgeübten Beruf zugerechnet, wobei sie keinem erlernten Beruf sondern der Kategorie "in Bildung" zugerechnet werden. Dies gilt auch dann, wenn sie bereits einen Beruf erlernt haben.

5. Berufsfelder

Wie wurden die BIBB-Berufsfelder abgegrenzt?

Die BIBB-Berufsfelder wurden anhand der BIBB-BAuA-Erwerbstätigenbefragung 2011/2012 und den Mikrozensen der Jahre 2011/2012 auf Basis der Dreisteller der Klassifikation der Berufe 2010 gebildet. Dabei erfolgte die Abgrenzung über die Clusterung von tätigkeitsähnlichen Berufen. In zweiter Priorität wurde auch der jeweilige Branchenschwerpunkt der Erwerbstätigen zur Gruppenbildung hinzugezogen. Die Erwerbstätigen in einem Berufsfeld weisen somit eine hohe Homogenität an Tätigkeiten innerhalb eines selben Berufsfeldes und eine hohe Heterogenität gegenüber den andern Berufsfeldern auf.

Warum wurden die BIBB-Berufsfelder anstelle der Berufsgruppen der KldB2010 verwendet?

Für die Verwendung der BIBB-Berufsfelder gibt es mehrere Gründe, die die Aggregationsstufen, die Länge der Zeitreihen, sowie ihre prinzipielle Vergleichbarkeit mit den 2-Stellern der KldB2010 betreffen.

Aggregationsstufe
Mit den Berufsfeldern liegt eine Aggregierung beruflicher Tätigkeiten vor, die mit 50 Systematikpositionen (Berufsfeldern) detaillierter ist als die 2-Stellerebene der KldB2010 (37 Systematikpositionen). Die Berufsfelder sind mittlerweile etabliert und werden neben den Projektionen auch durch die BA genutzt (Berufe im Spiegel der Statistik), und können auf unterschiedlichen Datenbasen (KldB88, 92, 2010) gebildet werden. Inhaltlich wurde die Aggregation durch die Ähnlichkeit von Tätigkeiten gebildet, die in einem Beruf ausgeübt werden. Damit wurde ein wesentlicher Schwachpunkt der KldBen vor der 2010er behoben, in denen teilweise ähnliche Tätigkeiten an ganz unterschiedlichen Systematikpositionen verortet waren. Dadurch wurden Flexibilitäten am Arbeitsmarkt verdeckt und schwer auffindbar. Grundsätzlich hat die KldB2010 dieses Problem nicht mehr, weil durch die Zusammenfassung nach der Berufsfachlichkeit eben dieser Aspekt der Ähnlichkeiten von Tätigkeiten in den Vordergrund gestellt wurde und nicht mehr wie zuvor Branchenaspekte, Material- oder Arbeitsweisen oder andere Hilfskonstrukte zur Differenzierung genutzt werden. Aber auch bei der KldB 2010 besteht in Hinblick auf die Zusammenfassung ähnlicher Berufe „Nachbesserungsbedarf“, weswegen thematische „spezifische Berufsaggregate“ gebildet wurden. Dies ist den Berufsfeldern schon inhärent. Ein nennenswerter Punkt bei den Berufsfeldern ist allerdings der Umgang mit dem Qualifikationsniveau der Berufe. In den alten KldBen wurden teilweise Helfertätigkeiten (jetzt auf Anforderungsniveau 1 in der KldB2010) oder Spezialistentätigkeiten (technische Sonderfachkräfte, Ingenieure) in Berufsgruppen zusammengefasst. Diese sind als Berufsfelder ebenfalls bestehen geblieben und mussten bei der Umstellung auf die KldB2010 dann über das Anforderungsniveau zusammengefasst werden.

Zeitläufe
Bei der Umstellung der Berufsfelder auf die KldB2010 wurde auch darauf geachtet, dass die Besetzungszahlen innerhalb der Berufsfelder nicht deutlich von denen der Berufsfelder nach der KldB92 abweichen. Damit verbunden ist der Versuch, Zeitreihen zu ermöglichen, die weniger starke Brüche enthalten, als dies bei der Nutzung von KldB92 / 88 und KldB2010 der Fall wäre. Abweichungen gib es (naturgemäß) dennoch, sie bereffen aber beispielsweise die Berufsfelder technischer Sonderkräfte, die aus oben genannten Gründen schwierig neu zu bilden waren.

Überführbarkeit / Vergleichbarkeit
Die Berufsfelder lassen sich, analog zu der vorherigen Version, nach wie vor in 12 (bzw. 20 extended wie bei den Projektionen) Berufshauptfelder (BHF) überführen. Diese stehen dann 37 2-Stellern der KldB2010 gegenüber und sind, bis auf die Abweichungen durch die angesprochenen technischen Berufe und Hilfsberufe überführbar auf diese Ebene der KldB2010. Hier sind weitere Abgleiche und die Herausstellung von Abweichungen nötig, diese Arbeiten laufen aber derzeit.

Warum Berufe und nicht Tätigkeiten?

Der Beruf wird in den BIBB-IAB-Qualifikations- und Berufsfeldprojektionen als das Schlüsselelement zwischen der Ausbildungs- und der Erwerbsseite gesehen. Er verknüpft die Fähigkeiten und Fertigkeiten, die in einer Ausbildung oder im Studium erworben werden mit den Tätigkeiten, die im Erwerbsleben ausgeübt werden. Da die Berufsfelder aber über die Tätigkeitsmerkmale gebildet wurden, können sie auch selbst als Tätigkeitscluster interpretiert werden.

Berufe verändern sich. Gibt es Annahmen zur Entwicklungen von Berufen?

Bislang ist dies in den Projektionen nicht explizit thematisiert worden, sondern ist Teil anderer Untersuchungen. Berücksichtigt wird jedoch, dass sich das Anforderungsniveau innerhalb der Berufe verändert. Zu weiteren Informationen siehe Ergebnisse zur "BIBB-BAuA-Erwerbstätigenbefragung" https://www.bibb.de/de/1386.php

6. Anforderungsniveau

Wie wurde das Anforderungsniveau bestimmt?

Mit der Einführung der Berufsklassifikation des Jahres 2010 wurde das Anforderungsniveau, das seitens des Arbeitsplatzes an die Erwerbstätigen gerichtet ist, erstmalig mit erfasst. Dadurch ist es nun möglich, das Arbeitsangebot nach Qualifikationen mit den tatsächlichen Arbeitsanforderungen an die Arbeitskräfte zu vergleichen. Wohingegen in früheren Projektionen nur der Anteil an Personen mit einem bestimmten Qualifikationsniveau innerhalb eines Berufsfeldes betrachtet werden konnte und dadurch implizit unterstellt wurde, dass alle Personen qualifikationsadäquat beschäftigt sind.

Das Anforderungsniveau kann als Kennzahl für die Komplexität der ausgeübten Tätigkeit interpretiert werden. Sie ist immer für einen bestimmten Beruf typisch und außerdem unabhängig von der formalen Qualifikation einer Person. Zur Einstufung werden zwar die für die Ausübung des Berufs erforderlichen formalen Qualifikationen herangezogen, informelle Bildung und/oder Berufserfahrung sind bei der Zuordnung aber ebenfalls von Bedeutung. In der KldB 2010 wird die Dimension über die 5. Stelle (Berufsgattung) der zugeordneten Klassifikationskennziffer abgelesen. Wobei das Anforderungsniveau von Helfer-/Anlerntätigkeiten, fachlich ausgerichteten Tätigkeiten, komplexen Spezialistentätigkeiten bis hin zu hoch komplexe Tätigkeiten reicht.

Es zeigt sich, dass sich die Wertigkeit einer Tätigkeit nicht direkt in formale Qualifikationsniveaus überführen lässt. Personen mit Berufsabschluss sind in Helfertätigkeiten und komplexen Spezialistentätigkeiten anzufinden, Personen mit akademischem Abschluss neben hoch komplexen Tätigkeiten auch in komplexen Spezialistentätigkeiten und fachlich ausgerichteten Tätigkeiten (MAIER u.a. 2016b).

7. Flexibilitätsmatrix

Warum erlernter Beruf?

Der erlernte Beruf gibt die Fähigkeiten und Fertigkeiten wieder, die im Bildungssystem erlernt werden. Diese Fertigkeiten befähigen zu bestimmten Tätigkeiten. Durch die Erfassung des erlernten und des ausgeübten Berufs kann gezeigt werden, welche erlernten Fähigkeiten (bzw. Berufe) zu welchen Tätigkeiten (ausgeübten Berufe) führen. Damit können auch die Chancen und Risiken dargestellt werden, die sich mit dem Erlernen eines bestimmten Berufs ergeben.

Wie werden Doppelqualifikationen berücksichtigt?

Im Mikrozensus, der zur Berechnung des erlernten Berufs verwendet wird, wird nur der höchste berufliche Abschluss erfasst. Vorherige Abschlüsse und Qualifikationen werden somit nicht in die Berechnungen einbezogen. Allerdings zeigen Längsschnittstudien, dass weitere Qualifizierungen einer Person oftmals in einem ähnlichen Beruf erfolgen wie die Erstqualifikation (JACOB 2004).

Viele Berufe qualifizieren für die unterschiedlichsten ausgeübten Berufe. Erlernter Beruf ist nicht direkt einem ausgeübten Beruf zugeordnet. Artefakt?

Die Häufigkeit, mit der mit einem bestimmten erlernten Beruf ein entsprechend anderer Beruf ausgeübt wird, wird in der beruflichen Flexibilitätsmatrix zum Ausdruck gebracht. Die Gründe für einen Wechsel aus dem erlernten Beruf heraus in einen anderen Beruf werden über diese berufliche Flexibilitätsmatrix jedoch nicht widergespiegelt. Diese können vielseitig sein. So kann ein Wechsel z.B. aufgrund verbesserter Karrierechancen oder z.B. auch aufgrund eines drohenden oder bereits erfolgten Arbeitsplatzverlustes im erlernten Beruf erfolgen (z.B. HALL 2010). Da die in der Projektion verwendeten Berufsfelder bereits tätigkeitsähnliche Berufe zusammenführen, werden statistische Artefakte des Berufswechsel durch verwandte Berufsbezeichnungen auf einer kleingliedrigen Ebene (z.B. ein Wechsel von Maler/Malerin ohne nähere Tätigkeitsangabe zu Maler/Malerin im Ausbau) in der Regel vermieden.
Zu beachten ist, dass der erlernte und der ausgeübte Beruf im Mikrozensus auf Selbstauskunft der Befragten beruhen. Die Benennung des eigenen ausgeübten Berufs kann somit sowohl durch die Stellenbezeichnung als auch die Tätigkeitsmerkmale des ausgeübten Berufs beeinflusst werden. Wenn ein Mathematiker als Bankkaufmann arbeitet, sind letztlich die Qualifikationen eines Bankkaufmanns gefragt und nicht zwangsläufig die eines Mathematikers. Es ist nachvollziehbar, dass gerade die MINT-Qualifikationen häufig in anderen Bereichen stark nachgefragt werden. Aber wenn dort andere Berufsbezeichnungen mit entsprechenden Ausbildungsberufen oder Fachrichtungen einschlägig sind, ist die Besetzung eines solchen ausgeübten Berufs mit einem anderen erlernten Beruf nicht eine Notwendigkeit, sondern ein Ausdruck von Flexibilität bzw. Substitutionspotenzial.

Es gibt viele Gründe für Berufswechsel. Welche sind hier unterstellt?

Die Flexibilitätsmatrix, die die empirisch messbaren Austauschprozesse zwischen erlernten Beruf und ausgeübten Beruf darstellt, beschreibt diese ausschließlich. Gründe für einen Wechsel werden nicht genannt.

Sind die Berufswechsel immer positiv oder negativ?

Berufswechsel sind zunächst für die vorliegenden Analysen neutral. Tatsächlich gibt es Berufswechsel, die einen Vorteil für den Erwerbstätigen haben und solche, die zwangsweise sind und mit eher negativen Folgen für die Erwerbstätigen verbunden sind. Die Erforschung dieser Ursachen ist aber nicht vorrangiges Ziel der Projektionen.

8. Bilanzierung und Wirkung

Wie sicher sind sie, dass die Projektionsergebnisse auch so eintreten?

Projektionen sind weder faktische Ziele noch unabwendbar, sondern ein Brennglas für das, was sich zurzeit als am wahrscheinlichsten abzeichnet. Wenn eine wissenschaftlich fundierte und gewissenhaft erstellte Projektion nicht eintritt, dann war sie deshalb nicht schlecht, denn sie kann Orientierungen gegeben und / oder Verhaltensänderungen provoziert haben. Und wenn sie solche Verhaltensänderungen provoziert hat, dann hat sie nicht nur ihren Sinn erfüllt, sondern natürlich auch ihre eigenen Projektionsgrundlagen verändert. Daher ist in der Regel eine Validierung von Projektionsergebnisse kaum möglich. Bei allen Projektionen gilt, dass diese die Entwicklung der Vergangenheit über die Gegenwart in die Zukunft fortschreiben. Was wird voraussichtlich sein, wenn die Zukunft sich so entwickelt, wie die längere Vergangenheit sich bis heute entwickelt hat, einbezogen das, was wir bereits über die Zukunft, zu wissen glauben. Projektionen sind nichts mehr als eine Beschreibung dessen, was eintreten würde, wenn sich an den bisherigen Trends nichts änderte.
Dies geschieht unter einer Reihe von Annahmen z.B. zum Wirtschaftswachstum, zur Bevölkerungsentwicklung, zu den Erwerbsquoten etc. Ändert sich ein Parameter, so verändert sich zwangsläufig auch das Ergebnis.
Eine besondere Gefahr wird bei Arbeitsmarktprojektionen in der möglichen Erzeugung von "self-fulfilling prophecies" gesehen, z.B. in Form von sog. Schweinezyklen. Beispiele für solche zyklischen Arbeitsmärkte in Deutschland sind der Ingenieurberuf oder auch der Lehrerberuf. Eine Ursache für solche Entwicklungen ist das verzögerte Handeln der Arbeitskräfteanbieter.

Wie kann man „Schweinezyklen“ verhindern?

Die Verhinderung überzogener Reaktionen auf bekannte Projektionsergebnisse ist nur dann möglich, wenn die Projektionen in regelmäßigen Abständen wiederholt werden. Nur so können die Auswirkungen einer veränderten Ausganglage berücksichtigt werden und gegebenenfalls gegengesteuert werden.

Kann der realisierte Bedarf an Erwerbstätigen größer sein als das Angebot?

Nein, eine solche Entwicklung ist definitorisch nicht möglich. Die Zahl der Erwerbstätigen kann nie größer sein als die Zahl der Erwerbspersonen (Erwerbstätige + Erwerbslose). In irgendeiner Form (z.B. Rückgang des Bedarfs, Steigerung des Angebots) wird es immer zu Anpassungsprozessen kommen, die dieses Missverhältnis ausgleichen.

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