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LeA-Bau

Lernentwicklung in der Ausbildung für Bauberufe

Mit dem Projekt „LeA-Bau“ verfolgt der Lehrbauhof Berlin das Ziel, die Qualität der ÜBA im Baugewerbe nachhaltig zu steigern. Ausbildende sollen dazu befähigt werden, die unterschiedlichen Lernvoraussetzungen junger Menschen gezielter zu erkennen, zu begleiten und durch praxisnahe, reflektierte Lernsettings zu unterstützen.

Grafische Darstellung der Ziele, Innovationen und Transferaktivitäten des INex-ÜBA-Projekts LeA-Bau.

Ausgangslage

Die (überbetriebliche) Ausbildung (ÜBA) im Baugewerbe ist aktuell geprägt von tiefgreifenden Veränderungen: Einerseits fehlen in den Bauunternehmen zunehmend Fachkräfte. Andererseits unterscheiden sich die Auszubildenden immer stärker in ihren Vorkenntnissen sowie Lernpräferenzen voneinander. Zusätzlich gewinnen digitale Technologien und ökologische Aspekte beim Bauen an Bedeutung. Dadurch ändern sich die Tätigkeiten auf der Baustelle und die Anforderungen an die Ausbildung. Um diese Herausforderungen zu stemmen, muss das Ausbildungspersonal in den Betrieben, Berufsschulen und in den überbetrieblichen Berufsbildungsstätten (ÜBS) seine pädagogisch-didaktischen Kompetenzen erweitern.

Hier setzt das Projekt „LeA-Bau“ für den ÜBS-Bereich an: Ausbildende sollen darin qualifiziert werden, mit den unterschiedlichen Lernvoraussetzungen der Auszubildenden konstruktiv umzugehen, ihre sozial-kommunikativen und interkulturellen Kompetenzen zu stärken und Ausbildungssettings lernfördernd zu gestalten.

Ziele

Mit dem Projekt „LeA-Bau“ zielt das Berufsförderungswerk der Fachgemeinschaft Bau Berlin und Brandenburg gGmbH – im Folgenden Lehrbauhof Berlin – gemeinsam mit dem Institut für Zukunftsstudien und Technologiebewertung gGmbH (IZT) darauf ab, die pädagogisch-didaktischen Kompetenzen des ÜBS-Ausbildungspersonals zu erweitern. Zentrale Idee dabei ist, dass Ausbildende nicht mehr „nur“ anleiten, sondern die Auszubildenden beim Lernen aktiv begleiten. Dazu wird das Projektteam auch erproben, inwiefern digitale Technologien und künstliche Intelligenz (KI) die Ausbildenden bei der Lernprozessbegleitung unterstützen können. Weiterhin plant das Projektteam das Thema Nachhaltigkeit anhand einer „grünen Baustelle“ erlebbar zu machen.

Projektschritte und -umsetzung

Im Projekt „LeA-Bau“ stehen Qualifizierungsformate für Ausbildende sowie moderne Lernmethoden im Fokus. Dazu wird das Projektteam…

  • … passende Schulungseinheiten wie Coachings und Kommunikationstrainings, Methoden, Reflexionshilfen und (digitale) Tools für die Ausbildenden (z. B. Feedbackkarten, Videotagebuch) entwickeln und gemeinsam mit den Ausbildenden erproben.
  • … digitale Anwendungen (z. B. fachspezifisches KI-System, Videos, E-Learning-Formate) in die ÜBA integrieren, damit Ausbildende typische Lernsituationen gestützt durch moderne digitale Methoden umsetzen können und Auszubildende verschiedene Lernzugänge erhalten.
  • … neue Lernformate für die ÜBA entwickeln und diese als „Use Cases“ in konkrete Lernaufgaben aus dem Ausbildungsalltag übersetzen (z. B. anhand von Lehrvideos ein Sicherheitskonzept für eine Baustelle erstellen oder Arbeitsschritte mit einer Smart Glasses-Brille für die Auszubildenden dokumentieren).
  • … eine „grüne Baustelle“ als Lernraum entwickeln, die Aspekte des nachhaltigen Bauens (z. B. Umweltschutz, Materialwahl) für die Auszubildenden erlebbar macht.
  • … verschiedene Beteiligungsformate entwickeln, um Ausbildende und Auszubildende in die Weiterentwicklung der ÜBA einzubeziehen (z. B. gemeinsame Reflexionsrunden, Ausbilderzirkel)
  • … Mini-Projekte (z. B. Lärmemissionen analysieren, ein Bauprojekt aus der Vogelperspektive mit der Drohne aufnehmen, digitales Bautagebuch mit Unterstützung der KI erstellen) für Auszubildende erproben, um Teamarbeit, Eigenverantwortung, technische Kompetenz und das Verständnis für Nachhaltigkeit und moderne Bauprozesse zu stärken.
  • … ausgewählte Formate und Methoden auf andere Gewerke des Lehrbauhofs Berlin übertragen und an andere Bildungseinrichtungen weitergeben.

Innovation

Auszubildende werden in der ÜBA durch ein fachspezifisches, mehrsprachiges KI-System unterstützt. Über ein Smartphone oder Tablet können die Auszubildenden der KI z. B. jederzeit Fragen zu Werkzeugen, Bautechniken oder Sicherheitsvorschriften stellen und sich zu ihren Mini-Projekten beraten lassen. Dadurch wird individuelles Lernen gefördert, da die Auszubildenden eigenständig mit der KI interagieren.

Ausbildende werden zudem in ihrer neuen Rolle als aktive Lernprozessbegleiter/-innen durch das KI-System begleitet. Die KI analysiert, welche Lernpräferenzen (schriftlich, mündlich, bildgestützt, etc.) die Auszubildenden haben und gibt entsprechende Lernempfehlungen aus. Zudem können Ausbildende mithilfe der KI zum Beispiel Übungsaufgaben erstellen oder komplexe Sachverhalte in einfache Arbeitsanweisungen umformulieren.

Mehrwert

Das Projekt gestaltet zentrale Ebenen der ÜBA neu: Auf der pädagogisch-didaktischen Ebene verändert sich das Rollenverständnis der Ausbildenden: Ausbilderinnen und Ausbilder sollen ihre Auszubildenden beim Lernen begleiten statt „nur“ anzuleiten. Dabei setzen sie auf der methodischen Ebene moderne Lernformate, unterstützt durch digitale Technologien, um. Unter anderem nutzen sie eine fachspezifisches KI-System, Videos und Smart Glasses. Mit der „grünen Baustelle“ als neuem Lernraum wird auf der inhaltlichen Ebene das Thema Nachhaltigkeit in der ÜBA verankert. Dafür werden u. a. Mini-Projekte zu ressourcenschonendem Arbeiten und klimarelevanten Aspekten der Baupraxis entwickelt bzw. umgesetzt.

Das Projekt adressiert schließlich noch die Ebene der Organisationsentwicklung, indem es Formate zur Stärkung einer kollegialen Lernkultur etabliert. Eng damit verbunden ist der partizipative Ansatz, der vorsieht, dass Ausbildende und Auszubildende aktiv an der Weiterentwicklung der ÜBA mitwirken. Zusammengefasst bearbeitet das Projekt „LeA-Bau“ viele Anforderungen, die aktuell an die ÜBA gestellt werden, und kann damit maßgeblich zur Qualitätssteigerung der ÜBA in der Baubranche beitragen.

Herausforderungen

Das Gelände des Lehrbauhofs Berlins umfasst über 30.000 m² und stellt damit besondere Anforderungen an die digitale Infrastruktur. Diese muss nicht nur auf der gesamten Fläche für eine qualitativ hochwertige Netzverbindung sorgen, sondern auch dafür ausgelegt sein, dass bis zu 200 Auszubildende gleichzeitig mit mobilen Geräten wie Tablets oder Smart-Glasses arbeiten, Videos anschauen oder auf das KI-System zugreifen können.

Herausfordernd könnte zudem die Ausweitung der im Projekt pilothaft erprobten Formate auf andere Gewerke und Bildungsstätten sein, da hierfür insbesondere das Rollenverständnis des Ausbildungspersonals verändert werden muss. Dies erfordert nicht nur eine enge persönliche und fachliche Begleitung des Ausbildungspersonals, sondern auch zusätzliche Zeitressourcen und ein strukturelles Umdenken, damit diese Veränderungsprozesse auch nachhaltig in der ÜBA verankert werden können.