DTM-Handwerk
Design Thinking als Methode in der überbetrieblichen Ausbildung im Handwerk
„DTM-Handwerk“ ist ein Verbundprojekt der Handwerkskammer (HWK) Konstanz mit der HWK Aachen und der Beruflichen Bildungsstätte Tuttlingen (BBT). Das Projekt plant die überbetriebliche Ausbildung (ÜBA) im Handwerk mithilfe der Innovationsmethode „Design Thinking“ qualitativ anzuheben.
Ausgangslage
Im Handwerk spielen neben technischen Innovationen auch Design und Gestaltungsprozesse eine bedeutende Rolle: Jeder Handwerker und jede Handwerkerin sollte über die Fähigkeit verfügen, Prozesse effizient zu gestalten, neue Ideen zu kreieren und innovative Produkte und Lösungen zu entwickeln. Insbesondere gegenwärtige wirtschaftliche und ökologische Herausforderungen benötigen neue, kreative Lösungsansätze. Aber auch zunehmend individuellere Kundenbedürfnisse erfordern spezielle handwerkliche Lösungen und neue, agilere Arbeitsweisen, um den Auftrag erfolgreich abzuwickeln (z. B. maßgefertigtes Möbelstück). Dies trifft sowohl auf kreative Berufe wie Holzbauer/-innen, Tischler/-innen, Konditor/-innen, Stuckateur/-innen und Maler/-innen zu als auch auf designuntypische Gewerke, darunter die Kraftfahrzeugtechnik, Anlagenmechanik, Metallbau und Elektrotechnik.
Traditionelle Arbeitsmethoden stoßen dabei häufig an ihre Grenzen, weshalb neue Denk- und Arbeitsweisen zunehmend an Bedeutung gewinnen. Die „Design Thinking Methode (DTM)“ rückt bei der Genese von Produkten und Dienstleistungen die Gestaltungskompetenz aller beteiligten Akteurinnen und Akteure in den Fokus.
Das Projekt „DTM-Handwerk“ möchte kreative Lösungsansätze in die überbetriebliche Ausbildung (ÜBA) integrieren und die Auszubildenden im Handwerk befähigen, Kreativitätskompetenzen mittels Design Thinking zu entwickeln und bei Gestaltungsprozessen anzuwenden.
Ziele
Das Projekt zielt darauf, die Design Thinking Methode als Lerninhalt in die ÜBA aller Gewerke der beteiligten Berufsbildungsstätten zu integrieren. Die Auszubildenden erhalten damit eine strukturierte und zugleich moderne und agile Methode, die es Ihnen ermöglicht, über das handwerkliche Fachwissen hinaus Kundenbedürfnisse systematisch zu analysieren, Ideen zu entwickeln und überzeugende Lösungen zu präsentieren.
Ein Kernaspekt des Projektes: Die Einrichtung moderner Kreativräume, die in unterschiedliche Zonen unterteilt sind. Diese bilden den gesamten Prozess von der ersten Idee über das handwerkliche Ausprobieren bis hin zur Präsentation ab. Die Auszubildende sollen so Schritt für Schritt ein funktionierendes Konzept bis zum greifbaren Produkt entwickeln.
Projektschritte und -umsetzung
Das Projekt „DTM-Handwerk“ möchte Auszubildende im Handwerk befähigen, kreativ zu denken und ihnen mittels der Design Thinking-Methode geeignete Kreativitätstechniken an die Hand geben. Dazu wird das Projektteam…
- … Umbaumaßnahmen durchführen und Kreativräume (in der HWK Aachen und dem BBT) mit mobiler und technischer Ausstattung für die Auszubildenden einrichten. Dabei kommen u. a. Tablets mit einer Präsentationssoftware zum Einsatz. Damit die Schulungsteams gegebenenfalls bei Gruppenarbeiten akustisch getrennt voneinander arbeiten können, werden mobile Tische und Raumteiler im Raum aufgestellt.
- … einen digitalen Lernraum in einem Lernmanagementsystem einrichten und hierfür digitale Tools erstellen. Dort soll ein DTM-Kurs entstehen, der alle relevanten digitalen Hilfsmittel, Materialien, Ergebnisse und Dokumentationen bereitstellt.
- … (interdisziplinäre) Train-the-Trainer-Programme mit den im Projekt vorgesehenen Ausbildenden aus Aachen und Tuttlingen durchführen und diese zudem in die Lernplattform einführen.
- … Schulungen mit der Design Thinking Methode mit Auszubildenden durchführen.
- … stetige Evaluationen aus der Perspektive der Ausbildenden und Auszubildenden durchführen und auf dieser Basis Kurse und Lernmodule entwickeln.
Innovation
Das Projekt richtet gewerkeübergreifend multifunktionale Kreativräume für die Auszubildenden ein. Diese können hier kreativ tätig werden, das methodische Vorgehen mithilfe des Design Thinkings üben und am Ende ein praktisches Produkt umsetzen (z. B. Gesellenstück oder innovatives Produkt bzw. kollaborativer Prozess). Mit der Anwendung der DTM steht das Ergebnis im Mittelpunkt und nicht das Gewerk. Die Auszubildenden durchlaufen dabei drei Zonen „Denk“ – Mach! – Zeig!“:
Ideenphase (zunächst analog und dann per Übertragung der Ideen in den digitalen Raum)
Entwicklungsphase der Modelle über handwerkliches Ausprobieren (ebenfalls analog und digital)
Präsentationsphase (präsentieren, konstruktiv gemeinsam diskutieren und verbessern)
Im Prozess fließen Ideen zur Weiterentwicklung aus der ganzen Gruppe zusammen. Die Lerngruppe erfährt so die Qualitäten von agiler und mobiler Zusammenarbeit sowie Produktentwicklung.
Die eingerichteten Räume unterscheiden sich von klassischen Schulungsräumen. Design Thinking Räume benötigen flexibles Mobiliar (mobile Tische und Stühle), die sich leicht an verschiedene Arbeitsphasen anpassen lassen. Die offene und spielerische Atmosphäre fördert den Austausch zwischen den Teilnehmenden. Die Ausstattung ist zudem bunt und inspirierend, ausgestattet mit Whiteboards, Präsentationswänden, 3D-Drucker, Lasercutter, Virtual-Reality-Zone uvm., um die Kreativität zu unterstützen.
Mehrwert
Durch die Design Thinking Methode erwartet das Projekt eine gesteigerte Qualität der ÜBA, da die Auszubildenden neue Arbeitsweisen kennenlernen, um komplexe Aufgaben zu bewältigen. Die Auszubildenden erwerben dabei Fähigkeiten, die eigene Rolle im gewerkeübergreifenden Kontext zu reflektieren, Schnittstellen zu anderen Gewerken zu erkennen und kollaborativ zu arbeiten.
Alle Auszubildenden (unterschiedlicher Niveaustufen) sollen die Gelegenheit erhalten, in einer für sie passenden Lernumgebung zu lernen. Die DTM als abstrakter Prozess soll die Problemlösefähigkeiten der Auszubildenden stärken, ihre Eigenständigkeit fördern und sie auf moderne Arbeitsweisen einstellen.
Auch die Qualität der Lehrtätigkeit wird gesteigert. Die Lehrenden unterstützen die Auszubildenden neben dem vorgegebenen Lehrplan auch als Berater/-in bei der Entwicklung eigener kreativer Ideen und stehen ihnen bei der Weiterentwicklung dieser zur Seite. Durch gezielte Schulungen wird das Ausbildungspersonal befähigt, die Auszubildenden mit bestimmten Lehr-Lern-Formaten (u. a. Workshops) kreativ zu fördern. Die Design Thinking Methode unterstützt die Lehrenden dabei, die Auszubildenden zu aktivieren, sich Wissen eigenständig anzueignen und ihnen im Lernprozess beratend zur Seite zu stehen. Es wird eine höhere Zufriedenheit aller Beteiligten erwartet.
Herausforderungen
Die Einführung der Design Thinking Methode in der ÜBA bedeutet den Ausbau der Lehrinhalte bei gleichbleibender Ausbildungsdauer und ein alternatives Rollenverständnis in der Vermittlung von Lehrinhalten. Dies erfordert die Bereitschaft der Lehrkräfte, sich didaktisch weiterzubilden und die Rolle des begleitenden Lerncoaches, Beraters und Moderators anzunehmen. Für die Auszubildenden wiederum bedeutet dies ein vermehrt agile, selbstständige und problemlösungsorientierte Arbeitsweise, die Eigeninitiative fordert und fördert.
Im Projektverlauf sollen Maßnahmen erfolgen, um die entwickelten Lernsettings für die Auszubildenden und die Schulungsprogramme zur Weiterbildung des Lehrpersonals deutschlandweit als Standard zu integrieren. Insbesondere die Innungen müssen für das Konzept gewonnen werden, um das Thema Design Thinking im Handwerk als Ausbildungsinhalt in die Ausbildungsrahmenpläne aufzunehmen.